Zahl der Austritte noch nicht beziffert

Umfrage des Landessportbunds: Jedem Sportverein fehlen 5455 Euro durch Corona

Alles wieder hinfällig: Beim SV Reichensachsen herrschte am vorvergangenen Wochenende nach sechs Monaten ohne Handball beim ersten Spiel in der Handball-Landesliga große Euphorie. Nun pausiert der Handballsport bis zum 8. November.
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Alles wieder hinfällig: Beim SV Reichensachsen herrschte am vorvergangenen Wochenende nach sechs Monaten ohne Handball beim ersten Spiel in der Handball-Landesliga große Euphorie. Nun pausiert der Handballsport bis zum 8. November.

Mehr als die Hälfte der hessischen Sportvereine erwartet im Coronajahr 2020 und auch im nächsten Jahr finanzielle Einbußen. Das hat eine Vereinsumfrage des Landessportbund Hessen ergeben.

Eschwege – Joachim Kraus, der zweite Vorsitzende des Sportkreises Werra-Meißner, ist im ständigen Austausch mit den Vereinen und lobte im Gespräch, dass ein Drittel der rund 7600 hessischen Sportvereine an der Umfrage teilnahmen – darunter viele aus dem Kreisgebiet.

Mehr als 20 Prozent bewerten die finanzielle Situation ihres Vereins insgesamt als schlecht. Gerade der Blick auf die Vereinsfinanzen bereitet Vorständen Kopfzerbrechen. Finanzielle Defizite erwarten die Sportvereine aufgrund von ausgefallenen Veranstaltungen, Einbußen im Bereich Vereinsgaststätte/Verkauf von Speisen und Getränken, im Spiel- und Sportbetrieb (Kursgebühren, Eintrittsgelder etc.) sowie beim Sponsoring. Die Bandbreite de zu erwartenden Verluste beträgt im Mittel 5455 Euro.

Joachim Kraus

Darüber hinaus geht ein Drittel der Vereine von einem deutlichen Mitgliederrückgang aus. Gleichzeitig vermissen viele die Gemeinschaft in ihren Vereinen, die wichtige Stätten sozialen und gesellschaftlichen Miteinanders sind. „In der ersten Phase der Krise ist deutlich geworden, dass unsere Vereine anpassungsfähig und robust sind, Auflagen verantwortungsvoll umsetzen und im Sinne ihrer Mitglieder nach kreativen Lösungen für den Fortgang des Vereinslebens suchen“, lobte Kraus, der die Übernahme der „gesellschaftlichen Verantwortung und Solidarität“ hervorhob.

Doch wird diese Solidarität von den Mitgliedern geteilt? Wie hoch die Zahl der Austritte sein wird, lässt sich heute nur eingeschränkt prognostizieren. Im Schnitt gehen die Vereine, die mit Austritten rechnen, von einem Rückgang um 11,6 Prozent aus. „Die Vereine rechnen mit Mitgliederrückgängen, wenn der Sport- und Wettkampfbetrieb erneut ausgesetzt werden sollten,“ so Kraus, „unsere Vereine sind nicht nur Dienstleister in Sachen Sport. Genauso wichtig wie das Sporttreiben sind ihnen das soziale Miteinander, der Austausch und die Gemeinschaft im Sport. All das macht das Vereinsleben aus und all das fehlte im Frühjahr und ist nun wieder bedroht.“ In der Umfrage geäußerte Kommentare wie „Ohne soziales Miteinander zerfällt der Verein“ oder „Wenn wir in Zukunft weiter Abstand halten müssen, wird unser Verein das nicht überleben“ bestätigen laut Kraus diese Ansicht.

Bereits bis Juni hatten mehr als 400 Vereine Finanzhilfen beim Hessischen Innenministerium und beim Regierungspräsidium Kassel beantragt – fast 900 Vereine beabsichtigten eine Beantragung. „Wenn wir sicherstellen wollen, dass die Vielfalt der hessischen Vereinslandschaft langfristig erhalten bleibt, muss die Hessische Landesregierung ihre Corona-Hilfsprogramme im Jahr 2021 fortführen und weiterentwickeln“, appelliert Kraus, dass Bundes- oder Bund-Länder-Programme für Sportvereine geöffnet werden.

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