Umweltdezernent Dr. Wallmann zum Klimawandel: Entwicklung nicht mehr zu stoppen

Umweltpolitiker: Dr. Rainer Wallmann ist Erster Kreisbeigeordneter und Umweltdezernent des Werra-Meißner-Kreises. Der Grüne fordert verstärkten Klimaschutz. Foto: privat

Eschwege. Der Werra-Meißner-Kreis verstärkt seine Bemühungen zum Klimaschutz. Erster Kreisbeigeordneter und Umweltdezernent Dr. Rainer Wallmann sagt im Interview, wie er sich den Klimaschutz vorstellt.

Dr. Wallmann legte jetzt im Umweltausschuss des Kreistages sein Konzept mit den Vorhaben für die nächsten zwei Jahre vor.

Herr Dr. Wallmann, der Sommer 2018 hat eindrucksvoll belegt, welche Ausmaße der Klimawandel inzwischen angenommen hat. Ist diese Entwicklung noch zu stoppen?

Dr. Rainer Wallmann: Die Entwicklung ist nicht mehr zu stoppen, aber wir können und müssen die Auswirkungen des Klimawandels deutlich einschränken durch konsequenten Klimaschutz. Die Haupt-Leidtragenden werden nicht wir, sondern vielmehr die kommenden Generationen unserer Kinder und Enkelkinder sein. Dann ist es allerdings voraussichtlich zu spät zum Handeln. Wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel müssen in den nächsten 20 Jahren umgesetzt werden.

Klimaforscher sagen zunehmende Extremwetterlagen voraus. Wie rüstet sich der Werra-Meißner-Kreis gegen Dürre, Hitze und Starkregen?

Dr. Wallmann:Im Bereich des Unwetter- und Katastrophenschutzes beobachten wir die Entwicklung sehr genau, entwickeln entsprechende Notfallstrategien und rüsten die dazu erforderliche Technik sukzessive auf. Darüber hinaus werden auch so genannte Klimaanpassungsmaßnahmen umgesetzt, wie zum Beispiel das mit dem Regionalmanagement Nordhessen umgesetzte Projekt zur Nachbarschaftshilfe für hilfebedürftige Menschen in Katastrophensituationen im Ortsteil Rambach der Gemeinde Weißenborn.

Wie sehen die Klimaschutzziele im Werra-Meißner-Kreis aus?

Dr. Wallmann: Im Werra-Meißner-Kreis haben wir 2012 ein Klimaschutzkonzept beschlossen und setzen dieses Schritt für Schritt um. Ziel ist dabei, unseren Energiebedarf bis 2050 vollständig aus heimischen klimafreundlichen Energieträgern zu decken.

Dabei ist die Bewusstseinsbildung der Menschen von entscheidender Bedeutung, damit wir gemeinsam unseren Energieverbrauch durch überlegtes Verhalten und Einsatz effizienter Techniken, wie zum Beispiel LED-Beleuchtung und Gebäudedämmung, deutlich reduzieren. Darüber hinaus ist der möglichst schnelle Ersatz klimaschädigender Energieträger, wie Kohle, Öl und Gas, durch klimafreundliche Energie aus Sonnenkraft, Windkraft, Biomasse, Wasserkraft und Erdwärme von entscheidender Bedeutung.

Hier setzen wir als Kreisverwaltung an, indem wir versuchen, die Menschen zu informieren und zu motivieren sowie selbst mit unseren Gebäuden die Vorbildfunktion zu erfüllen.

Wurden alle Vorhaben der vergangenen zwei Jahre umgesetzt?

Dr. Wallmann:Wir haben in den letzten Jahren in den Bereichen Energiesparen, Strom, Wärme und Mobilität verschiedene Initiativen und Modellvorhaben begonnen und dabei auch bereits sehr positive Ergebnisse erzielt. Unsere Klimaziele sind aber nur durch konsequentes und dauerhaftes Handeln in allen gesellschaftlichen Bereichen zu erreichen. Dies ist ein Prozess, der Schritt für Schritt in möglichst alle unsere Lebensabläufe integriert werden muss, um die Lebensqualität auf der Erde auch für zukünftige Generationen zu erhalten.

Sind Sie mit dem zufrieden, was bisher erreicht wurde?

Dr. Wallmann: Ja. Wir dürfen uns darauf aber nicht ausruhen. Wir haben in den letzten Jahren gemeinsam bereits Einiges erreicht: Der Stromverbrauch ist durch viele kleine und größere Maßnahmen gesunken. Der Anteil klimafreundlicher Energieerzeugung ist, insbesondere im Bereich der Sonnen- und Windenergie, deutlich gestiegen. Wir sind auf dem richtigen Weg, müssen aber noch einige Schritte gehen, um unser Ziel der Energiewende bis 2050 zu erreichen.

Welches sind die wichtigsten Projekte in den beiden kommenden Jahren?

Dr. Wallmann: Im Strombereich haben wir schon einiges geschafft, während die Bereiche Wärme und Mobilität noch erheblichen Nachholbedarf aufweisen. Hier wollen wir insbesondere mit unseren beiden Modellvorhaben „Holzige Biomasse“ und „Energetische Quartierssanierung“ sowie der Umsetzung des in Erstellung befindlichen Konzeptes zur „Elektromobilität in Nordhessen“ wichtige Akzente setzen.

Wie weit wird der Werra-Meißner-Kreis 2020 auf dem Weg zu den definierten Klimazielen sein?

Dr. Wallmann: Wir haben jetzt schon einiges erreicht und werden bis 2020 sicher noch weitere Schritte gehen. Entscheidend sind bis 2020 dabei aber nicht wissenschaftlich ermittelte Prozentzahlen, sondern vielmehr die Weiterentwicklung eines gesellschaftlichen Prozesses, damit die Grundgedanken des Klima- und Ressourcenschutzes in der Bevölkerung verstanden und als Notwendigkeiten anerkannt werden. Mit dieser nötigen „Selbstverständlichkeit“ können wir gemeinsam unsere Klimaziele schaffen, davon bin ich überzeugt.

Was können die Menschen im Kreis tun, um das Vorhaben zu unterstützen?

Dr. Wallmann: Es gibt sehr viele kleine, mittlere und große Maßnahmen zum Klimaschutz, die jeder einzelne Mensch in seinem täglichen Handeln umsetzen kann, wie zum Beispiel unnötigen Energieverbrauch reduzieren, beim Energieversorger klimafreundlichen Strom bestellen, energiesparende Geräte im Haushalt einsetzen, Abfallvermeidung durch zum Beispiel Mehrwegverpackungen, regionale Lebensmittel konsumieren und Gebäude dämmen. Viele kleine Dinge haben dabei eine große Wirkung.

Was müsste sich insgesamt ändern, um die Klimaerwärmung zu stoppen?

Dr. Wallmann: Die bereits genannten Maßnahmen müssen letztendlich wir alle umsetzen, also in den privaten Haushalten, in gewerblichen und industriellen Unternehmen sowie im Verwaltungsbereich. In besonderem Maße ist dabei die Politik gefordert, um dafür geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Dies sind zum Beispiel auf Bundesebene die Verankerung des Klimaschutzes als Staatsziel im Grundgesetz, eine verursachergerechte Besteuerung des Erzeugens von Treibhausgasen sowie die steuerliche Anrechnung von Dämmmaßnahmen an Privatgebäuden.

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