Autobahn-Rastplätze wegen Corona geschlossen

„Unterirdische Zustände“ - Heimische Spediteure kritisieren Rastbedingungen

Geschlossene Raststätte an der A3 bei Montabaur: Auch ohne Corona drängen sich die Lastwagen auf Deutschlands Rastplätzen üblicherweise dicht an dicht. Durch das Virus haben sich die Arbeitsbedingungen für Fernfahrer noch einmal drastisch verschlechtert.
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Geschlossene Raststätte an der A3 bei Montabaur: Auch ohne Corona drängen sich die Lastwagen auf Deutschlands Rastplätzen üblicherweise dicht an dicht. Durch das Virus haben sich die Arbeitsbedingungen für Fernfahrer noch einmal drastisch verschlechtert.

Sie gelten als Helden der Corona-Krise: Lastwagenfahrer. Sie tragen sie dazu bei, dass Supermärkte voll bleiben. Die Arbeitsbedingungen scheinen sich aber deutlich zu verschlechtern.

„Die Zustände sind unterirdisch“, sagt Tobias Vogelei, geschäftsführender Teilhaber der gleichnamigen Spedition mit Sitz in Eschwege. Nirgends würden die Fahrer mehr etwas zu Essen und zu Trinken bekommen, könnten sich nicht duschen. „Wir sollen der Motor von Deutschland sein, aber uns wird nichts zur Verfügung gestellt.“

Für die Spedition Vogelei fahren rund 25 Fahrer mit 22 Fahrzeugen von der Mitte der Bundesrepublik bis nach Kiel, teilweise aber auch in ganz Deutschland. Selbst auf großen Rastanlagen würde man nur noch parken, aber nicht mehr auf die Toilette gehen können. 

Autobahn-Infrastruktur schon vor Corona am Limit

Die ersten Rastplätze hätten deswegen Dixi-Klos aufgestellt. „Aber wie die aussehen, wenn sie 200 Lkw-Plätze und drei Dixi-Klos haben, können Sie sich ja vorstellen“, sagt der Spediteur. Als Mann habe man es vielleicht noch etwas leichter, aber für Lastwagenfahrerinnen sei das derzeit der „worst case“.

„Die Infrastruktur war auch schon vor Corona an den Autobahnen am Limit“, sagt Vogelei. Und nun sei zusätzlich noch alles geschlossen. Er ärgert sich auch darüber, dass der kurze Toilettengang nicht einmal mehr beim Verlader oder bei Supermärkten möglich sei. „Als Spediteure sollen wir überall pünktlich sein, aber selbst das wird uns nun verwehrt“, sagt Vogelei.

Essen zum Abholen bei Autobahn-Raststätten?

Als Alternative zur aktuellen Situation schlägt er vor, dass Raststätten beispielsweise jeden zweiten Tisch im Restaurant sperren oder das Essen zur Abholung anbieten sollten. „Unsere Fahrer haben natürlich Verpflegung dabei“, sagt Vogelei. Aber nach einem harten Arbeitstag sei es nur menschlich, dass man sich gerne duschen oder ein Schnitzel essen wolle.

Bei ihnen würden sich die Fahrer aktuell vor allem über den mangelhaften Zustand der sanitären Anlagen auf Parkplätzen ohne Tank- und Rastanlagen beschweren, berichtet Florian Grewe von der Zufall-Group-Niederlassung Göttingen, die auch im Werra-Meißner-Kreis aktiv ist.

"Bedingungen sind allgemein schlechter geworden"

Die Göttinger beschäftigen 19 Berufskraftfahrer und bewegen zwölf Lastwagen. Sie agieren im schweren Nahverkehr bis nach Hammelburg im Süden (Bayern) und bis nach Duisburg (Nordrhein-Westfalen) im Westen. 

„Leider bekommen wir häufig die Rückmeldung, dass Berufskraftfahrer sich vielerorts wie Aussätzige behandelt fühlen“, sagt Grewe. Die Fahrer hätten Respekt verdient, aber Lippenbekenntnisse würden nichts bringen, wenn sie täglich anderes erlebten.

„Die Bedingungen sind allgemein schlechter geworden“, bestätigt Thomas Hoppe von Trans World Logistic aus Eschwege. Die Verpflegungssituation ihrer Fahrer sei aber nicht so schwierig, da alle am Wochenende wieder in Eschwege seien und jeder Lastwagen mit Kühlschrank, Mikrowelle und Kaffeemaschine ausgestattet sei.

Das sagt Hessens Verkehrsstaatssekretär Jens Deutschendorf

Hessens Verkehrsstaatssekretär Jens Deutschendorf (Bündnis 90/Die Grünen) appellierte am Montag in einer Pressemitteilung an Rasthofbetreiber und an die Unternehmen, an deren Rampen Lastwagen be- und entladen werden, den Fahrern Zugang zu sanitären Einrichtungen zu gewähren und Stellplätze zu öffnen. 

„Wir brauchen gerade jetzt genügend und gesunde Fahrer, damit die Lieferketten weiter verlässlich funktionieren. Dafür ist es unerlässlich, dass sie ausreichend Gelegenheit zur Einhaltung der Hygienevorschriften haben“, sagte der Staatssekretär in Wiesbaden. Man habe gemeinsam mit dem Bund und den Ländern in kürzester Zeit viel erreicht. 

„Wir sollten deshalb auch die Fahrer unterstützen, die Waren für den täglichen Bedarf, aber auch Schutzkleidung, frische Lebensmittel oder auch Teile für die Produktion transportieren.“

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