Urteil vertagt

Gestohlen, geschlagen, gedroht: Ein Prozesstag reicht für 23-jährigen Angeklagten nicht aus

Gestohlen, geschlagen, gedroht: Ein Prozesstag reicht für 23-jährigen Angeklagten nicht aus.
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Gestohlen, geschlagen, gedroht: Ein Prozesstag reicht für 23-jährigen Angeklagten nicht aus.

Diebstähle, Einbrüche, Bedrohungen, Hausfriedensbruch: So umfangreich ist die Anklage gegen einen 23-Jährigen. Ein Prozesstag allein reicht nicht aus, um ein Urteil zu fällen.

Allein die Anklageverlesung gegen den Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis – insgesamt gleich drei Schriften – brauchte jetzt rund vierzig Minuten Zeit.

Laptop gestohlen

Auf seinem Stuhl wippend nahm der 23-Jährige ohne festen Wohnsitz und zurzeit in Untersuchungshaft sitzend zur Kenntnis, was ihm zur Last gelegt wird – unter anderem der Diebstahl einer Reise- sowie einer Laptoptasche samt Inhalt und Zubehör von einer Bank im Unipark Witzenhausen im April 2018. „Der Besitzer saß einige Meter entfernt – da habe ich zugegriffen“, gab der 23-Jährige unumwunden zu. 

Gestohlen habe er aber lediglich den Laptop, von einer weiteren Tasche wollte er nichts wissen: „Was will ich auch mit Büchern?“. Den Laptop habe er anschließend verkauft – für 20 Euro. „Kleinvieh macht ja auch Mist.“

Betrunken vor Kita randaliert 

Deutliche Gedächtnislücken hat der Mann ohne erlernten Beruf die Ereignisse den 16. März 2019 betreffend: Nachmittags soll er den Zaun des Kindergartens Kesperknirpse in Witzenhausen demoliert, ganze Latten aus dem Boden herausgerissen haben. 

Ja, auf dem Gelände seien er und zwei Bekannte gewesen, sagte der 23-Jährige aus – der ausschweifende Genuss von Jägermeister und diverser Sorten Wodka aber lasse eine detaillierte Erinnerung nicht zu.

Kontrahenten bedroht

Das gilt allerdings nicht für die Ereignisse nur kurze Zeit danach: Als er, wiederum mit Kumpel, unbefugt das Gelände eines Unternehmens betreten und überquert hatte, habe der Besitzer ihn nicht nur aufgefordert, das Areal zu verlassen, sondern auch „mit einem riesigen Knüppel“ bedroht. 

„Nur weil er Busfahrer ist, darf er das? Wo sind wir denn hier?“, echauffierte sich der Angeklagte noch im Gerichtssaal – bedroht habe er seinen Kontrahenten damals auch.

Wohnungstür eingetreten

Die Türen seiner ehemaligen Wohnung habe er nach eskalierenden Streitigkeiten mit seiner Vermieterin – „Die Miete kam immer pünktlich vom Jobcenter, aber geraucht habe ich in der Nichtraucherwohnung“ – eingetreten, nachdem die Schlösser ausgewechselt worden waren. „Um meine letzten Sachen zu holen – wie sollte ich denn auch sonst in die Wohnung gelangen?“

Mit der Faust Loch in die Wand geschlagen

Nicht rund lief auch die Beziehung des 23-Jährigen zu seiner damaligen Freundin: Nachdem auch hier ein zunächst verbal geführter Streit ausuferte, schlug er mit der Faust ein Loch in die Rigips-Wand ihrer Wohnung.

„Lieber ein Loch in die Wand als eine Frau schlagen“, erklärte der Mann – „und der angegebene Schaden von 500 Euro ist ja maßlos übertrieben“.

Wahllose Einbrüche auf die Schnelle

Bald wohnungslos und auf die Übernachtungsgelegenheit bei einem Kumpel angewiesen, zog er in einer Dreierbande nachts durch Eschwege. „Wir hatten keinen festen Plan für unsere Diebstähle: Wenn sich die Gelegenheit bot, rein, nehmen, raus“, umschrieb es einer der zwölf geladenen Zeugen. 

Weil er aber bereits polizeilich gesucht und „untergetaucht“ war, habe sich der 23-Jährige zurückgehalten. Während eines (versuchten) Einbruchs in ein Haus an der Reichensächser Straße an einer viel befahrenen Bundesstraße habe er „sich über Stunden hinter einer Bushaltestelle“ versteckt, um nicht erkannt zu werden, erklärte der Mann.

Prozessfortsetzung am 13. Februar

Der Prozess gegen den 23-Jährigen wird am Donnerstag, 13. Februar, ab 9 Uhr vor dem Amtsgericht Eschwege fortgesetzt.

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