63-Jährige wird heute verabschiedet

Uschi Hesse vom sozialen Stadtteilladen sagt Tschüss 

Freude auf den Ruhestand: Uschi Hesse hat mit Katzenbaby Frieda, Haus, Garten und Vater auch nach der Verabschiedung als Leiterin des sozialen Stadtteilladens im Eschweger Stadtteil Heuberg genug zu tun. Foto: Sagawe

Eschwege.  Heute wird die 63-jährige Uschi Hesse in den Ruhestand verabschiedet. Sie hat den sozialen Stadtteilladen auf dem Heuberg mit eröffnet. 

„Es ist heute schon fast langweilig, es passiert nichts mehr“, sagt Uschi Hesse über den Eschweger Problemstadtteil Heuberg. Aber genau das war das Ziel, als 1996 der soziale Stadtteilladen eröffnete. Hesse war dabei und leitete die Einrichtung.

In den Jahren nach der Grenzöffnung war das anders. Unterschiedliche Nationalitäten, unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche soziale Herkunft – das Konfliktpotenzial war groß. „Wir hatten sehr viele jugendliche Russland-Deutsche, die mit ihren Eltern herkamen, ohne das zu wollen“, erinnert Hesse sich an die 1990er-Jahre zurück. Der Stadtteilladen wurde schnell angenommen. „Wir wollten stets ein Treffpunkt für alle Bewohner des Heubergs sein“, sagt Hesse. Anders die öffentliche Wahrnehmung in den Anfangsjahren: Da gehen doch nur die Armen hin.

Das sollte sich schnell ändern. Zwischen 50 und 70 Kinder erledigten Tag für Tag ihre Hausaufgaben unter Anleitung der bis zu fünf hauptamtlichen und 20 ehrenamtlichen Mitstreiter. Zahlreiche Erwachsene suchten Rat in dem Stadtteilladen. „Vor den Zeugnissen und nach der Nebenkostenabrechnung waren die Hochzeiten.“ Die Angebote etablierten sich schnell. Schwimmunterricht für muslimische Frauen organisierte Uschi Hesse im Bewegungsbad des Krankenhauses – Männer störten dort nicht. Zum ersten Deutschkursus meldeten sich 80 Teilnehmer an. Ein wichtiges Integrationselement waren die Ferienspiele. Von der Begeisterung der Kinder angesteckt, fanden auch die erwachsenen Heuberg-Bewohner den Weg in den Stadtteilladen. Bevor muslimischen Frauen sich der Angebote bedienten, hätten oft die Ehemänner die Lage sondiert und schließlich für gut befunden.

Jetzt kümmert sich Uschi Hesse um Haus und Garten, ihren 93 Jahre alten Vater und seit Kurzem auch um Frieda – das Katzenbaby lief ihr zu. „Frieda stand plötzlich vor der Terrassentür, dann im Haus, und jetzt will sie gar nicht mehr nach draußen“, erzählt sie.

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