Weniger Aufträge durch immer mehr Urnenbestattungen

Veränderte Grabkultur bedroht Steinmetze

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Werra-Meißner. Anonyme Urnenbestattungen sind gefragter denn je. Während noch vor 20 Jahren rund 80 Prozent der Beerdigungen im Werra-Meißner-Kreis konventionelle Sargbestattungen waren, machen sie mittlerweile nur noch einen geringen Prozentsatz aus.

Nicola-Alexander Ferl von der Friedhofsverwaltung in Eschwege bestätigt: „Wir haben eine erhöhte Inanspruchnahme von Urnenbeisetzungen.“

Durch diese Veränderung in der Grabkultur leiden ansässige Steinmetze zunehmend unter einer schlechten Auftragslage. So auch Lothar Orth, der in Witzenhausen-Hundelshausen einen Steinmetzbetrieb hat. Durch die Urnengräber seien die Grabplatten wesentlich kleiner. Immer mehr ließen sich zudem anonym auf Rasenflächen oder in Friedwäldern begraben. „Da fällt für uns dann gar nichts mehr ab.“

Wie es zur Veränderung der Grabkultur kam, weiß der Steinmetz genau. „Heute wohnen die Kinder häufig weit entfernt. Viele besuchen die Eltern nur zu Festen wie Weihnachten.“ Deshalb würden Grabstätten bevorzugt, die nicht oder nur wenig gepflegt werden müssen. Orth arbeitete, als er 1991 die Firma übernahm, noch mit drei Kollegen zusammen. Mittlerweile schafft er die Arbeit alleine. „Die veränderte Kultur fordert Arbeitsplätze.“

Besonders deutlich sieht man auch in Großalmerode die Veränderungen. 1990 wurden dort 95 Menschen beerdigt. 75 davon waren Sargbestattungen, 20 Urnenbeisetzungen. 2013 sind die Zahlen genau umgekehrt. Von 86 Bestattungen waren 70 Urnen- und lediglich 16 Sargbegräbnisse. In Wanfried machen Urnenbeisetzungen im laufenden Jahr fast 90 Prozent aus. Die Zukunft der Steinmetze sieht Orth aber nicht in Gefahr, vorausgesetzt, man handelt rechtzeitig: „Grabsteinmetze müssen sich unbedingt ein zweites Standbein aufbauen.“ (cha)

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