Sparkassen-Stiftung finanziert Verlegung von zehn Stolpersteinen in der Eschweger Friedrich-Wilhelm-Straße

Verbeugung vor den Opfern

Stadtarchivar Dr. Karl Kollmann, Sparkassen-Chef Frank Nickel

Eschwege. Noch in diesem Jahr soll das bereits seit vier Jahren laufende Projekt zur Verlegung von Stolpersteinen für jüdische Nazi-Opfer aus Eschwege abgeschlossen werden.

Historiker York-Egbert König und Landrat Stefan Reuß waren dabei, als Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte.

Einen weiteren wichtigen Schritt dorthin markierte die jüngste Aktion des Erinnerungskünstlers Gunter Demnig. Am Samstag ließ er in der Friedrich-Wilhelm-Straße insgesamt zehn Namenstafeln für Deportierte und Ermordete vor ihren letzten, selbsgewählten Wohnsitzen in den Bürgersteig ein.

Möglich gemacht hatte das die Sparkassen-Stiftung, die für die Finanzierung der Stolpersteine gesorgt hatte: „Für uns war das keine Frage“, so Sparkassen-Chef Frank Nickel während der Verlegung, „wir verstehen uns in der Verantwortung zur Etablierung einer angemessenen Erinnerungskultur als Partner und Wegbegleiter der Stadt Eschwege und haben daher nicht gezögert, hier zu helfen.“ Das Haus Nummer 44, vor dem zwei Stolpersteine für Martha Cahn und ihre Tochter Toni Clara verlegt worden waren, befindet sich heute im Besitz der Sparkasse. „Wir wollen diesen Menschen ihre Namen zurück geben und uns an sie erinnern“, so Frank Nickel, der im Hinabbeugen zu den Steinen eine „Verbeugung vor den Opfern“ sieht. Es gehe nicht darum, Täter zu benennen und Wohnhäuser zu brandmarken, sondern allein um die Ehrung der Opfer.

Auch Landrat Stefan Reuß, hier als Vorsitzender des Stiftungskuratoriums, unterstrich die Notwendigkeit, sich den dunklen Kapiteln der Vergangenheit zu stellen und dafür zu sorgen, dass sie sich nicht wiederholten. Mitunter sei er erschreckt darüber, dass gerade junge Menschen zu wenig über die Geschichte Deutschlands wüssten und auch die Demokratie als Errungenschaft nicht angemessen zu würdigen wüssten.

In diesem Zusammenhang bemerkte er ebenfalls, dass auch im Werra-Meißner-Kreis rechtsgesinnte Menschen leben würden, die sich immer weiter formierten. „Diesen Menschen dürfen wir keine Chance geben, sich hier zu etablieren“, so Stefan Reuß. Auch deswegen sei die lebendige Erinnerungskultur, die in Eschwege so erfolgreich auf den Weg gebracht worden sei, unbedingt unterstützenswert. Anfang November soll nach Angaben von Stadtarchivar Karl Kollmann eine abschließende Stolpersteinverlegung stattfinden.

Vob Melanie Salewski

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