Verdi ruft Öffentlichen Dienst zu Protesten auf

Streik am Dienstag in Nordhessen: Keine Busse und Bahnen, Kitas geschlossen

Im Bus- und Bahnverkehr muss Nordhessen am Dienstag mit Behinderungen rechnen. Zudem sind viele Kitas, Krankenhäuser und Verwaltungen betroffen. Der Müll wird nicht abgeholt, Demozüge sind geplant.

Aktualisiert am 9. April - Die Gewerkschaft Verdi hat für Dienstag, 10. April, zum Warnstreik mit Teilnehmern aus ganz Nordhessen aufgerufen. Laut der Gewerkschaft werden in und um Kassel, Baunatal, Fuldatal und Eschwege viele Kitas und Verwaltungen geschlossen sein.

Verdi plant für Dienstagmorgen drei Demonstrationszüge, die durch Kassel zur Großkundgebung auf den Königsplatz führen werden. 

An dem Warnstreik zur Tarifrunde für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst beteiligen sich auch Mitarbeiter der Städtischen Werke in Kassel und der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG), sodass keine Bahnen und Busse fahren. 

Der Streik beginnt mit der Frühschicht um 4 Uhr und dauert bis zum Betriebsende.

Auf das Auto auszuweichen, ist allerdings kaum eine Alternative, da zum Wochenbeginn der Startschuss für zahlreiche Baustellen im Kasseler Stadtgebiet fällt. Außerdem ist am Dienstag wegen des Sternmarsches und der geplanten Großkundgebung mit Behinderungen im gesamten Stadtgebiet zu rechnen.

Kliniken in Witzenhausen und Eschwege sorgen vor

Im Werra-Meißner-Kreis sind die Mitarbeiter des Klinikums und der Kreisverwaltung dazu aufgerufen, sich am Verdi-Warnstreik zu beteiligen. Die Mitarbeiter sollen an den Kundgebungen in Kassel teilnehmen, teilt Gisela Horstmann von Verdi mit.

Zu Einschränkungen wird es zumindest an den Klinik-Standorten Witzenhausen und Eschwege wohl nicht kommen, sagt Verwaltungsdirektor Michael Rimbach auf Anfrage. "Wir wurden von den Betriebsräten frühzeitig über den Streik informiert." Man werde mit zusätzlichem Personal gegensteuern, so dass es keine Engpässe in der Versorgung der Patienten geben soll.

Nach Angaben von Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe kann es dadurch zu eingeschränktem Service bei der Stadtverwaltung, beim Zentralklärwerk sowie auf dem Baubetriebshof kommen. Nach aktuellem Kenntnisstand werde die einzige städtische Kindertagesstätte im Stadtteil Oberhone nicht bestreikt. Der Baubetriebshof geht von einer Beteiligung von zehn bis fünfzehn Mitarbeitern aus. Die Beteiligung von Verwaltungsmitarbeitern werde aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Tarifrunden als eher gering eingeschätzt. 

Straßenbahnen, Busse und Regiotrams fahren nicht

Wegen des Streiks fahren am Dienstag von Betriebsbeginn bis Betriebsende keine Busse und Straßenbahnen in Kassel, Vellmar, Baunatal und im Lossetal. Die Regiotrams aus Hofgeismar-Hümme (RT1), Wolfhagen (RT4) und Melsungen (RT5) enden im Hauptbahnhof der Stadt.

Auch das NVV-Kundenzentrum und die Zahlungs- und Kundenzentren der Städtischen Werke bleiben geschlossen. Das gleiche gilt für das Auebad und das Hallenbad Süd. Nicht erreichbar sind am Dienstag zudem die Mitarbeiter an den Service-Telefonen des Kasseler Energieversorgers und der Abo-Hotline der KVG. Auch die Müllanlieferung im Müllheizkraftwerk Kassel ist an diesem Tag nicht möglich.

Das NVV-Service-Telefon unter der gebührenfreien 0800 - 939 0800 ist dagegen ganz normal erreichbar. Das gilt auch für Störungsnummern für Notfälle für Gas, Strom, Wasser, Fernwärme oder bei der Straßenbeleuchtung. Der Vorraum im Zahlungszentrum der Städtischen Werke im Königstor bleibt geöffnet. Die Zahlungsautomaten können daher weiter genutzt werden.

An den Haltestellen informiert die KVG über den Streik durch Aushänge sowie Texte auf den elektronischen Fahrplananzeigern. Fahrgäste und Städtische-Werke-Kunden finden zudem Informationen auf den Homepages unter www.kvg.de, www.sw-kassel.de, www.rtg-kassel.de sowie auf den Facebook-Seiten der KVG und der Städtischen Werke.  

Weil andere Verkehrsunternehmen nicht bestreikt werden, können Fahrgäste für ihre Fahrten im Stadtgebiet Kassel, nach Vellmar, Baunatal und durch das Lossetal auf alternative Busverbindungen ausweichen. Diese sind leicht zu erkennen: Die Busse sind rot.

Kitas in Kassel bleiben geschlossen

In und um Kassel sollen zudem viele Kitas und Verwaltungen geschlossen bleiben, auch Krankenhäuser (siehe unten) sind betroffen. Nach jetzigem Stand ist davon auszugehen, dass die Kindertagesstätten in Trägerschaft der Stadt Kassel und die Stadtreiniger bestreikt werden, schreibt die Stadt Kassel in einer Pressemitteilung. 

Wegen der kurzfristigen Ankündigung könne die Stadt Kassel noch keine Auskunft geben, welche Kindertagesstätten vom Streik betroffen sind. Derzeit laufe eine Abfrage des Jugendamtes. Sobald Konkretes bekannt ist, werde das Jugendamt umgehend informieren. In den Kindertagesstätten würden Eltern zudem mit Aushängen informiert. 

Parallel prüfe das Jugendamt die Einrichtung eines Betreuungs-Notdienstes für den Streiktag, bei dem Kinder berufstätiger Eltern bevorzugt würden, heißt es in der Mitteilung weiter. 

Anders in Baunatal: „Am Dienstag werden alle unsere Einrichtungen geschlossen sein“, sagt Stadt-Sprecherin Susanne Bräutigam. Notgruppen seien zunächst nicht vorgesehen. Die Eltern seien noch am Freitag informiert worden. 

Gleiches gilt für die Kitas in Fuldatal. Dort werde noch versucht, Notgruppen zu organisieren, hieß es.

Abholung von Abfall und Altpapier verschiebt sich

Betroffen von dem Warnstreik sind auch die Recyclinghöfe und das Servicebüro-Mitte der Stadtreiniger Kassel, die am Dienstag geschlossen bleiben. Die Abholung von Rest- und Bioabfall, Altpapier sowie den Gelben Säcken verschiebt sich durch den Warnstreik jeweils um einen Tag nach hinten. Die Straßenreinigung verschiebt sich ebenfalls jeweils um einen Tag nach hinten. 

Verschiebung der Abfuhr:

  • Dienstag, 10. April verschiebt sich auf Mittwoch, 11. April 2018 
  • Mittwoch, 11. April verschiebt sich auf Donnerstag, 12. April 2018
  • Donnerstag, 12. April verschiebt sich auf Freitag, 13. April 2018
  • Freitag, 13. April verschiebt sich auf Samstag, 14. April 2018

Die Stadtreiniger bitten ihre Kunden und insbesondere die Firmen, den Zugang zum Abfallbehälter zu ermöglichen und den Gelben Sack erst am veränderten Abholtag bereit zu stellen. Die Kunden mit Abholterminen für Sperrmüll, Baum- und Heckenschnitt sowie sonstige Abfälle am 10. April 2018 haben einen neuen Termin erhalten. 

Für Rückfragen steht die telefonische Abfallberatung unter Tel. 0561/5003-0 zur Verfügung. Die telefonische Abfallberatung ist allerdings am 10. April 2018 nicht besetzt. 

Reguläre Öffnungszeiten der Recyclinghöfe:

  • montags, dienstags, donnerstags, freitags: 8.30 Uhr bis 17 Uhr,
  • mittwochs: 8.30 Uhr bis 18 Uhr samstags: 8.30 Uhr bis 12.30 Uhr

Der Streik könnte zudem die Vitos Orthopädische Klinik Kassel treffen, ein Unternehmen des Landeswohlfahrtsverbands Hessen. Konkrete Auswirkungen waren noch nicht bekannt.

Rathäuser in Baunatal und Fuldatal geschlossen

In Baunatal bleibt am Dienstag das Rathaus geschlossen. In Fuldatal sieht es genauso aus

Betroffen sind auch Kliniken in Kassel, Hofgeismar, Wolfhagen und Bad Arolsen

Auch die Beschäftigten der Kliniken der Gesundheit Nordhessen in Bad Arolsen, Hofgeismar und Wolfhagen sind dazu aufgerufen, am Streik teilzunehmen, teilte der Klinikverbund am Freitag mit.

Zum Klinikverbund gehören das Klinikum Kassel, die Seniorenwohnanlagen Kassel, das Reha-Zentrum und die Servicegesellschaft Ökomed sowie die Kreiskliniken in Hofgeismar und Wolfhagen und das Krankenhaus Bad Arolsen

Die Unternehmensleitungen bemühen sich laut Pressemitteilung, die Beeinträchtigungen für die Patienten so gering wie möglich zu halten. Die Notfallversorgung der Patienten sei außerdem gesichert. 

Über die Verschiebung von planbaren Untersuchungen/Eingriffen würden die Patienten – sofern möglich – informiert. Trotz des Streiks würden zudem Therapien fortgeführt, auch die Kreißsäle seien mit Hebammen besetzt.

Keine Auswirkungen in Merxhausen und im Kreisteil Hofgeismar

Dass auch Mitarbeiter des Merxhäuser Standorts von Vitos Kurhessen an der Kundgebung in Kassel teilnehmen werden, bestätigte Vitos-Sprecherin Andrea André. Die Patientenversorgung sei aber sichergestellt.

Für die Kommunen im Kreisteil Hofgeismar, insbesondere für die Kindergärten und Kindertagesstätten sind noch keine Beeinträchtigungen wegen des Streiks am Dienstag bekannt.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg werden laut Verdi die Energie-Gesellschaft Frankenberg, der Vitos Standort Haina, die Lebenshilfe und das Karnkenhaus Bad Arolsen bestreikt. Laut Energie-Waldeck-Frankenberg, verantwortlich für die Organisation des öffentlich Nahverkehrs, ist der Busverkehr in der Region nicht betroffen, da die Busunternehmen BKW und ALV nicht bestreikt werden.

Auch für die Schwalm ist bisher keine Streik-Beeinträchtigung bekannt.

In Südniedersachsen, unter anderem in Göttingen und Einbeck, soll am Mittwoch gestreikt werden.

Wir tragen hier in den folgenden Tagen zusammen, was Sie in der Region wissen müssen. Und wo genau es überall zu Streik-Auswirkungen kommen wird. 

Demonstrationszüge durch Kassel

Für Dienstag, 10. April, sind insgesamt drei Demonstrationszüge durch Kassel geplant. Das wird vermutlich den morgendlichen Berufsverkehr maßgeblich beeinträchtigen. Hier die Übersicht:

  • Demonstrationszug 1: Treffpunkt Klinikum ab 7 Uhr, Auftaktkundgebung 8 Uhr, Start 9 Uhr über Mönchebergstraße, Mittelring, Ihringshäuser Straße , Weserstraße zum Altmarkt – dort Vereinigung mit Demozügen 2 und 3. Treffpunkt auf dem Altmarkt 9.30 Uhr.
  • Demonstrationszug 2: Treffpunkt Betriebshof Ost, Sandershäuser Straße ab 7 Uhr, Start 9 Uhr über Sandershäuser Straße, Leipziger Straße zum Altmarkt.
  • Demonstrationszug 3: Treffpunkt Rathausvorplatz ab 8 Uhr, Start 8.45 Uhr Fünffensterstr., Frankfurter Straße, Steinweg, Brüderstraße zum Altmarkt.

Der vereinigte Demozug zieht über die Untere Königsstraße zum Königplatz. Kundgebung Königsplatz 10.30 Uhr, Dauer 1,5 Stunden. 

Darum weitet Verdi die Warnstreiks aus

Nicht nur in Nordhessen, sondern in weiten Teilen Deutschlands müssen sich die Menschen in der kommenden Woche auf erhebliche Beeinträchtigungen im öffentlichen Dienst einstellen. Vor der wahrscheinlich entscheidenden Tarifrunde für die Beschäftigten von Bund und Kommunen am 15. und 16. April wollen die Gewerkschaften ab Dienstag ihren Druck auf die Arbeitgeber erhöhen und ihre Warnstreiks ausweiten. 

Mit den Streiks soll der Druck auf die Arbeitgeber im Bund und den Kommunen erhöht werden, erklärte Verdi am Freitag. Die nächste Runde findet übernächsten Sonntag in Potsdam statt. Verdi fordert für die bundesweit 2,3 Millionen Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt. (dpa)

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