Vergewaltigung: Frau zieht Vorwurf vor Gericht zurück

Kassel. Im Dezember vergangenen Jahres hatte sie ihren 35-jährigen Liebhaber angezeigt, am Dienstag zog die Frau ihren Vorwurf vor Gericht zurück.

„Sagen Sie mal, geht´s noch?“, fragte am Dienstag ein völlig konsternierter Richter Rinninsland, dessen Verhandlung vor dem Landgericht wegen Vergewaltigung gerade eine überraschende Wendung genommen hatte. „Wir hatten immer freiwilligen Geschlechtsverkehr, eine Vergewaltigung hat es nie gegeben“, sagte eine 40-jährige Zeugin aus. Im Dezember vergangenen Jahres hatte sie ihren 35-jährigen Liebhaber angezeigt, weil er sie einen Tag vor Heiligabend in seiner Wohnung in Bad Sooden-Allendorf vergewaltigt habe.

Vor der Polizei konnte sie damals noch zahlreiche Details der Vergewaltigung berichten. Gestern reklamierte sie einen Filmriss, der keine Erinnerung an die angebliche Tatzeit mehr zulasse. „Es war mein Fehler. Ich finde mein eigenes Verhalten richtig schäbig“, sagte die Zeugin gestern aus.

Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied zog entnervt die Notbremse und forderte Freispruch für den Angeklagten, dem die 11. Strafkammer sofort entsprach. „Warum“, fragte Richter Rinninsland die Zeugin, „haben Sie denn die Anzeige nicht gleich bei der Polizei zurückgezogen? Sie wussten doch, dass eine Gerichtsverhandlung ansteht.“ „Ich habe nicht an den Gerichtstermin geglaubt, erst als ich die Ladung als Zeugin bekommen habe“, sagte die schwergewichtige Frau.

Der seltsame Prozess wirft ein Schlaglicht auf das Liebesleben paarungswilliger Landbewohner: Der Ehemann hatte seine fremdgehende Frau per Handy überwacht und sie beim Essen mit dem Galan überrascht. In dessen Handy wiederum fand die 40-Jährige Kontakte zu anderen Frauen, stellte ihn deshalb zur Rede und kehrte wieder zu Ehemann und Tochter zurück. Noch während die Vergewaltigungsklage lief, die sie bei zwei Aussagen vor der Polizei bekräftigt hatte, traf sie sich zu mehreren Schäferstündchen mit dem Angeklagten. Der gestand gestern: „Ich liebe sie immer noch.“ (tom)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare