„Nachfrager“-Gütesiegel soll Verkauf von Alkohol an Minderjährige erschweren

Vor Verkauf nachfragen

Guten Geschmack gefördert: Anlässlich der Vorstellung des Nachfrager-Gütesiegels überreichte Landrat Stefan Reuß (li.) dem Team der alkoholfreien Cocktailbar „Juice-Box“ um Harald Nolte und Kai Siebert einen Förderbescheid des Kreises über 1 200 Euro. Foto: W. Skupio

Eschwege. Als Ergänzung zum Jugendschutzgesetz können Einzelhändler, Gastronome, Vereine und Festvorstände im Werra-Meißner-Kreis ab sofort ein freiwilliges Gütesiegel erwerben, das der dafür eingerichtete Arbeitskreis am Mittwochabend in den Räumen der Allgemeinen Ortskrankenkasse (Aok) präsentierte. Es zeichnet den Betrieb als Nachfrager nach dem Alter von Alkoholkäufern aus.

Die steigenden Fälle von Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen seien alarmierend, erklärte Landrat Stefan Reuß in seiner Begrüßungsrede zur Verleihung des Siegels an die ersten fünf Teilnehmer. „Da meine Frau im Krankenhaus arbeitet, bekomme ich die Fälle von Jugendlichen, die während ihrer Nachtschicht zur Ausnüchterung eingeliefert werden müssen, fast direkt mit“, erzählt Reuß.

Besonders hoch sei die Zahl dieser Fälle mit 40 im Jahr 2007 gewesen, ergänzt Tabea Bosch von der Fachstelle für Suchtprävention, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Jennifer Thomas, dem stellvertretenden Fachstellenleiter Harald Nolte sowie Armin Bahl und Rigobert Gassmann das Konzept des Gütesiegels vorstellte. Den Entwicklern geht es keinesfalls um ein Alkoholverbot. „Es geht nicht um die ordnungspolitische Durchsetzung des Gesetzes zum Schutz der Jugend in der Öffentlichkeit, sondern um die Förderung von Zivilcourage“, bekräftigt Diakoniepfarrer Markus Keller.

Die Diakonie ist neben der Sparkasse, der Aok, dem hessischen Sozialministerium, dem Landkreis, dem Spiel 77 und dem bundesweiten Alkoholpräventionsprojekt „Hart am Limit“ einer der Partner des Gütesiegels. Gütesiegelinhaber verpflichten sich unter anderem dazu, an Betrunkene keinen weiteren Alkohol abzugeben, Altersüberprüfungen durchzuführen und ihre Mitarbeiter schulen zu lassen. Das Gütesiegel gilt jeweils für drei Jahre und muss dann erneuert werden. Verstöße gegen die selbst auferlegten Kriterien können sogar zur Aberkennung führen. Zwölf Städte und Gemeinden des Landkreises unterstützen das Gütesiegel bereits und auch fünf „Nachfrager“ gibt es schon.

Dazu gehören neben dem Skiclub Meißner die Organisatoren des Brunnenfests in Bad Sooden-Allendorf, des Come 2gether Festivals in Witzenhausen, die Diskothek Mausefalle in Eschwege, die Honsel-Tankstellen in Grebendorf und Reichensachsen, sowie die Tegut-Lädchen der Stellenwert-GmbH. (wrs)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare