Im Notfall hohe Kosten für Halter

Versorgung bröckelt: Es fehlt ein Tiernotdienst

Tier Benno ist wieder wohlauf. Foto: Privat/nh
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Wieder topfit: Der dreizehnjährige Benno ist wieder wohlauf. Aber ebenso wie seine Familie stehen viele Kleintierhalter im Kreis vor einem Problem, wenn sie akut Hilfe benötigen.

Bundesweit bröckelt die tierärztliche Notdienstversorgung. Auch im Werra-Meißner-Kreis gibt es keinen organisierten tierärztlichen Notdienst.

  • Tierhalter sind im Werra-Meißner-Kreis auf sich gestellt
  • Derzeit gibt es keinen Notdienst für Tiere in der Region
  • Das bedeutet höhere Kosten und gefährdete Tiere

Werra-Meißner-Kreis - Ohne einen tierärztlichen Notdienst im Werra-Meißner-Kreis gibt es auch keine zentrale Notdienstrufnummer, an die sich Tierhalter wenden können. Alle niedergelassenen Tierärzte seien grundsätzlich zum Notdienst verpflichtet, heißt es seitens der Kreisverwaltung, die für das Veterinärwesen zuständig ist.

Dies bestätigt die Landestierärztekammer Hessen und ergänzt, dass die Tierärzte nur für die eigene Klientel Notdienste anbieten müssen. Weiterhin gebe es hessenweit nur noch wenige Kliniken; diese seien zu einem 24-Stunden-Dienst verpflichtet. Ein trauriger Trend: Einige Kliniken könnten ihrer Dienstverpflichtung nicht mehr nachkommen und geben ihren Klinikstatus zurück. Der Notdienst verlangt die Versorgung an 365 Tagen im Jahr, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Insbesondere die unplanbare Zeit nachts, an Feiertagen oder Wochenenden macht es schwierig, geeignetes Personal zu finden.

Kein Notdienst für Tiere: Hohe Kosten für die Halter

Probleme, mit denen auch selbstständige Ärzte zu kämpfen haben. Die hohen Kosten zur Aufrechterhaltung des Notdienstes stehen in keinem Verhältnis zu den Einnahmen, selbst wenn die Mediziner seit den neuesten Regelungen der Tierärztegebührenordnung für Behandlungen außerhalb der regulären Praxiszeiten den zwei- bis vierfachen Gebührensatz und zusätzlich eine pauschale Notdienstgebühr in Höhe von 60 Euro erheben müssen. Viele niedergelassene Tierärzte stehen vor der Selbstausbeutung. Hinzu kommen Tierhalter, die zwar eine Behandlung akut verletzter oder erkrankter Tiere wünschen, die teilweise sehr hohen Kosten aber nicht tragen wollen oder können.

Diese Beobachtung teilt auch Dr. Michaela Seifert aus Weidenhausen. Beschwerden von Tierhaltern über die mangelhafte Versorgung erreichten die Landestierärztekammer zwar, aber überwiegend von Tierhaltern, die keinen Haustierarzt haben und im Notfall Probleme haben, einen zu finden. Hier sieht die Kammer die Verantwortung auch bei den Tierhaltern.

Kein Notdienst: Wie erkennt man einen Tier-Notfall?

Zu den eindeutigen Anzeichen akuter Notfälle zählen unter anderem ein harter Bauch, unnatürlich abstehende Knochen, apathische und reaktionslose Tiere, dauerhaftes Erbrechen und Durchfall über einen längeren Zeitraum hinweg, weiße, trockene Schleimhäute, starke Blutungen, Tiere, die nicht mehr selbstständig laufen können sowie stark krampfende Tiere. In diesen Fällen sollte dringend ein Tierarzt aufgesucht werden.

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