Tier kam mit Überdosis zum Arzt

Vierbeiner im Vollrausch: Hund frisst Giftpilze und muss behandelt werden

Nach der Behandlung wohlauf: Zwergspitz Al Capone mit Tierarzthelferin Vanessa Wittich, Christian Bom (13) und Tierärztin Dr. Marion Andreas.
+
Nach der Behandlung wohlauf: Zwergspitz Al Capone mit Tierarzthelferin Vanessa Wittich, Christian Bom (13) und Tierärztin Dr. Marion Andreas.

Die Wirkung eines giftigen Pilzes musste der Hund einer Familie aus Eschwege am eigenen Leib erfahren. Mit einer Überdosis kam der Welpe zum Tierarzt.

Eschwege - Er hat einen fingernagelgroßen Hut, darunter feine Lamellen und einen dünnen gewellten Stiel: der spitzkegelige Kahlkopf. Der etwa 13 Zentimeter hohe Pilz wächst auf Rasenflächen und Weiden – und auch in heimischen Gärten. Doch so unscheinbar er auch wirkt, der kleine Giftpilz hat es in sich.

Das musste der Zwergspitz Al Capone von Familie Bom am eigenen Leib erfahren, als er in der vergangenen Woche einige dieser Giftpilze im Garten seiner Besitzer gefunden und gefressen hat. Doch der Pilzgenuss blieb nicht ohne Folgen: Mit einer Art Überdosis kam der sechs Monate alte Welpe zum Tierarzt. „Der Hund kam mit Erbrechen zu uns, er war im komatösen Zustand, konnte nicht mehr laufen und war apathisch“, berichtete Tierärztin Dr. Marion Andreas.

Hund muss behandelt werden: Giftpilz ruft Halluzinationen aus

Aber die Tierärztin konnte schnell reagieren, denn Al Capones Besitzer wussten genau, wie die Pilze aussahen, die der Hund gefressen hatte. „Über eine Pilzapp sind wir dann auf den Spitzkegeligen Kahlkopf gekommen und haben gleich bei der Giftzentrale in Mainz angerufen“, sagte Andreas. Die Zentrale stellte einen Kontakt zu einem zertifizierten Pilzberater in der Nähe her, Josef Hagedorn aus Lengenfeld.

Wie Andreas und Familie Bom herausfanden, besitzt der Giftpilz eine psychedelische Wirkung, ruft Halluzinationen und Rauschzustände hervor. „Er wirkt wie LSD“, erklärte Hagedorn auf Anfrage. Auch als „Zauberpilz“ bezeichnet, enthalte der Pilz die Substanz Psilocybin, die diesen Zustand hervorruft.

Hund Al Capone nach einer Woche fast wieder der Alte

„Der Hund ist wie ein Blitz durch den Garten gelaufen und danach zusammengebrochen“, erzählte Hundehalter Christian Bom. Ein Hund mit einer Überdosis durch einen halluzinogenen Pilz – „Das habe ich auch noch nie gehabt“, sagte Tierärztin Andreas. Sie nahm Al Capone stationär über Nacht in ihrer Praxis auf, wo seine Symptome behandelt wurden. Für eine schnellere Entgiftung bekam er eine Infusion.

„Das war alles ziemlich dramatisch an dem Tag. Der Hund war sehr platt und konnte nicht mehr laufen. Sonst ist er sehr lebhaft“, sagte Tierarzthelferin Vanessa Wittich. „Zum Glück hat sich am Ende alles zum Guten gewendet.“

Familie reagierte schnell

Eine Woche später ging es für Al Capone noch einmal zu Andreas zur Nachuntersuchung, um das Blutbild zu kontrollieren. „Heute ist er fast wieder der Alte“, sagte sie. Seit der Vergiftung sei der lebhafte Welpe ruhiger als sonst gewesen. Nun werde er aber mit jedem Tag munterer, berichtete Christian Bom.

Es sei gut und sehr hilfreich gewesen, dass Familie Bom so schnell reagiert hat und wusste, was der Welpe gefressen hatte, sagt die Tierärztin. Andreas empfiehlt generell allen Tierhaltern, schon vor dem Auftreten von Symptomen zum Tierarzt zu gehen, wenn ihr Tier etwas gefressen hat, was gefährlich werden könnte. „Dann kann man das Tier erbrechen lassen, bevor die Substanzen gefährlich werden können.“ (Von Jessica Sippel)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare