Vor Ort beim Terroranschlag: WR-Mitarbeiter Nico Beck berichtet aus Barcelona

Barcelona/Albungen. Der Anschlag von Barcelona hat die ganze Welt geschockt. Ganz besonders auch Lisa Ringleb aus Großalmerode-Laudenbach und Nico Beck aus Albungen, die dort gerade ihren Urlaub verbringen.

Denn die Beiden waren mittendrin, als die Las Ramblas, die berühmteste Flaniermeile der spanischen Metropole, vom Terror heimgesucht wurde.

"Wir hatten unfassbares Glück", sagte Nico Beck, der mit seiner Freundin seit zwei Tagen in der Stadt war, gestern im Gespräch. Rund 30 Meter vor ihnen fuhr der Transporter in die Menge und tötete zahlreiche Menschen.

"Nur weil wir unsere Fahrräder wegen der vielen Hundert Menschen schieben mussten, waren wir nicht weiter vorne. Sonst...", sagt Beck über die Zeit kurz vor dem Unglück an der berühmten Passage. 

Das Paar lief auf dem Gehweg nahe der Geschäfte. "Auf einmal gab es wie aus dem Nichts ein riesiges Geschrei, da erschreckst du dich und plötzlich war da ein mega lauter Knall und noch mehr Geschrei", erinnert sich Lisa Ringleb. "Wegen der vielen Leute haben wir aber nichts gesehen. Dazu blieb ja auch keine Zeit." Denn das totale Chaos habe geherrscht. Von einer auf die nächste Sekunde war nichts mehr, wie es war. Ganz im Gegenteil. Ringleb: "Ich hatte Angst, dass ich überrannt werde." Voller Panik seien Menschen um ihr Leben gelaufen. "Niemand wusste, was noch kommt. Auch später dann nicht", sagt Beck. "In dem Moment ging alles so schnell. Ich habe zugesehen, uns nur sofort in Sicherheit zu bringen", sagt er und berichtet, dass auch sie gerannt seien, als gäbe es keinen Morgen.

Aber nur bis zur nächsten Tür. Beck schmiss sein Fahrrad in ein Bekleidungsgeschäft an der Straße, holte seine Freundin mit hinein und sie versteckten sich im hinteren Teil des Ladens. "Hinter dem Tresen an der Kasse saßen Leute, die hemmungslos geweint haben", erinnert er sich. Niemand redete. Das einzige, was zu hören war, waren die schier unzähligen Polizeiautos und Krankenwagen, die vor der Tür unmittelbar am Tatort hielten. "Furchtbar, der Wahnsinn. Aber wir atmeten einfach tief durch und waren froh, in Sicherheit zu sein."

Ihr Aufenthalt war nach zehn Minuten aber beendet, da der Sicherheitsdienst des Geschäfts die Leute zum Gehen aufforderte. "Im Nachhinein ein Wahnsinn. Und wir waren nur paar Sekunden auf der freien Fläche, da brach sofort die nächste Panik aus. Warum? Keine Ahnung. Aber wir sind wieder nur ein paar wenige Meter gerannt", sagt Beck, ehe er mit seiner Freundin ins nächstgelegene Gebäude flüchtete, um Schutz zu suchen. "Meine Beine haben total gezittert", erzählt Ringleb. Sie versteckten sich im ersten Stock und nach erneuten zehn Minuten schrieben dann auch die deutschen Medien über das Attentat, was sie per Smartphone verfolgten. "Dann erst, als wir zwei ganz allein da saßen und es gelesen haben und nach und nach die Nachrichten von besorgten Freunden und Bekannten kamen, haben wir richtig realisiert, in was für einer Situation wir gerade stecken", sagt Beck. 

Rund eine Stunde blieben sie noch im von der Polizei komplett abgesperrten Areal, verfolgten das Geschehen so gut es ging durch das Glas der Eingangstür. Wenn überhaupt. "Wir hofften einfach, dass jetzt bald alles vorbei ist" sagt Ringleb. Direkt vor ihrer Tür hielten die Sondereinheiten, Hubschrauber kreisten in der Luft und immer mehr Polizisten rückten an. "Das war besorgniserregend, weil mehr und mehr Polizeikräfte aufgefahren wurde, wir ja aber nicht wussten, wie viele und wo die Terroristen waren." Und zudem waren sie noch immer inmitten der Gefahrenzone. Erst als die Polizei grünes Licht gab, hätten sie sich auf ihr Rad geschwungen und seien schnell von der Ramblas geflohen.

Dabei war es eigentlich ein blöder Zufall, weshalb sie überhaupt an der Flaniermeile der katalanischen Millionenstadt waren. Mit dem Rad spulten sie am Donnerstag ihr Kulturprogramm ab, die Ramblas hatten sie schon am Vortag besucht. Gegen 16 Uhr saßen sie in einem Restaurant und entschlossen sich, noch ans Meer zu fahren. Schwimmsachen hatten sie vorausschauend dabei. "Wir haben uns dann aber verfahren und kurzerhand entschieden, über die  Ramblas zu fahren, was eigentlich gar nicht geplant war", sagt Ringleb. Weil dort so höllisch viel los war, mussten sie schieben. Und dabei hatten sie dann Glück im Unglück.

Insgesamt beschreibt das Paar den Vorfall als "Albtraum", hat den ersten Schock nach eigener Angabe aber gut verdaut und bedankt sich für die zahlreichen Nachrichten sowie die vielen warmen Worte. 

Rubriklistenbild: © dpa

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