Geschichte

Vorläufer des Werra-Meißner-Kreises: Vor 200 Jahren entstand der Kreis Eschwege

Die Zeichnung zeigt die Kitzkammer am Hohen Meißner um 1790.
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Die Zeichnung zeigt die Kitzkammer am Hohen Meißner um 1790.

Bevor sich die Verwaltungen zum Werra-Meißner-Kreis zusammenschlossen gab es unter anderem den Landkreis Eschwege. Wir werfen einen Blick auf die Entstehung.

Werra-Meißner – Vor 200 Jahren entstanden der Landkreis Eschwege und der Landkreis Witzenhausen. Am 29. Juni 1821 wurde mit einem kurfürstlichen Organisationsedikt zur Umbildung der bisherigen Staatsververwaltung in Kurhessen die Landkreise erstmals als Verwaltungsebene eingeführt.

Wir werfen einen Blick auf die Geschichte der Vorläufer des heutigen Werra-Meißner-Kreises.

Autor, Topograph, Chronist und „Hochfürstlich-Hessischer-Kriegsrath“ Regnerus Engelhard (1717-1777) hat mit der „Erdbeschreibung der Hessischen Lande Casselischen Antheils“ eine umfassende Beschreibung seiner nordhessischen Heimat veröffentlicht – vor allem mit Blick auf die Landschaften, Ämter, Städte und Dörfer.

Entstanden ist eine Betrachtung der Landgrafschaft Hessen-Kassel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vor allem unsere Heimatregion, die er als „Landschaft an der Werre“ bezeichnet, wird ein halbes Jahrhundert vor der Entstehung des Landkreises Eschwege, detailliert beschrieben.

Reformer: Kurfürst Wilhelm II. (1777-1847).

Eingeteilt ist die „Werra-Landschaft“ 1776 in „eine ziemliche Anzahl von Ämtern, Gerichten und Vogteyen“ – wobei die mit aufgeführten Ämter Sontra und Vacha sowie die Vogtey Kreuzburg 1821 nicht mehr zum Gebiet der neu gebildeten Kreise Eschwege und Witzenhausen gehörten.

Alle anderen – erwähnt werden das Amt Allendorf, Gericht Altenstein, Amt Witzenhausen, Amt Ludwigstein, die Vogtey Rückerode, Amt Eschwege, Amt Wanfried, Amt Bischhausen, Amtgericht Boyneburg und die Stadt Waldkappel – sind fünfzig Jahre später Bestandteile der beiden neuen Landkreise.

Mit Ausnahme der Ämter Lichtenau und Großalmerode, die im 18. Jahrhundert zur „Landschaft an der Fulda“ zählten und erst durch das Königreich Westfalen politisch im Werraraum verortet wurden, waren alle Bestandteile der folgenden Kreise Eschwege und Witzenhausen schon 1776 historisch und verwaltungsmäßig miteinander verbunden: Die Städte Allendorf, Eschwege, Wanfried und Witzenhausen mit eigenen Ämtern, die Stadt Waldkappel, die zu keinem Amt gehörte, dazu die in allen Teilen der Region anzutreffenden adligen Gerichte wie zum Beispiel den von Berlepsch, von Eschwege, von Keudel, Vogteien, Klosterfreiheiten und letztlich noch einzelne Höfe.

Nur nebenbei erwähnt der Chronist Regnerus Engelhard wirtschaftliche beziehungsweise landwirtschaftliche Besonderheiten. Erwähnung finden beispielsweise der Weinbau in Witzenhausen, das Salz in Allendorf und die Schifffahrt in Wanfried.

Besondere Betrachung findet bei Engelhard schon damals der Hohe Meißner, der „für den höchsten Berg in Hessen gehalten“ wird. Eine Meile von Eschwege und anderthalb Stunden von Allendorf zwischen den Dörfern Dudenrode, Frankenhayn, Vockerode, Germerode und Hausen gelegen, nehme er einen großen Raum ein.

„Er wird in Ansehung seiner Höhe dem Brockesberg auf dem Harze und dem Inselberge bey Schmalkalden gleich gehalten“, so der Chronist Regnerus Engelhard, und weiter: „Vornehmlich darauf ist ein starkes Kohlenwerk, welches schon in 1578 angefangen worden und noch fortgesetzt wird [...] Auf demselben finden sich auch Brunnen und Quellen, woraus verschiedene kleine Flüsse entstehen, als der Vierbach, Kupferbach, Riederbach und Lindenbach.“

Der Staat war klein

Durch die am 29. Juni 1821 erlassene „Verordnung zur Umbildung der bisherigen Staatsverwaltung“ erhielt Kurhessen eine der fortschrittlichsten Verwaltungsorganisationen der damaligen Zeit, in die sowohl Elemente der Stein-Hardenbergschen Reformen in Preußen als auch Gedanken aus französisch-westfälischer Zeit Eingang fanden.

Der kurhessische Staat war klein und ziemlich menschenleer – rund 580 000 Einwohner verteilten sich auf 22 Landkreise in vier Provinzen von Kassel über Fulda bis Hanau, unter ihnen die Landkreise Eschwege mit 34 551 und, deutlich kleiner, Witzenhausen mit 25 057 Einwohnern.

Justiz und Verwaltung

Zentraler Punkt im Kontext der neuen Kreisstrukturen war die endgültige Trennung von Justiz und Verwaltung, was sowohl Transparenz als auch Effizienz zugutekam.

Neben den neuen Justizämtern und Finanzbehörden gab es nun die sogenannten Kreisämter, die für alles zuständig waren, was als ursächliche Verwaltungsaufgabe anzusehen war.

Geleitet wurde das Kreisamt von einem „Kreisrat“ – der frühen Form des späteren Landrates –, dem man 1821 noch einen Sekretär als Stellvertreter, zwei Schreiber und einen sogenannten Landbereiter zuordnete.

Von Matthias Roeper und Maurice Morth

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