CORONAVIRUS

Vorsorge nicht aufschieben: Zahnärzte warnen vor Gesundheitsrisiken

Ein Zahnarzt mit Mund-Nasen-Schutz und Schutzvisier versorgt eine Patientin in einer Praxis.
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Viele Patienten sagen ihre Termine aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ab (Symbolbild).

Viele Patienten vermeiden aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ihre Zahnarzttermine. Zahnärzte warnen aber vor Gesundheitsrisiken, wenn man Untersuchungen auslässt.

Werra-Meißner – Viele Patienten schieben seit Beginn der Pandemie aus Angst vor einer Coronavirusinfektion Behandlungen beim Zahnarzt auf, sagen sogar Vorsorgeuntersuchungen ab. Das ergab eine Umfrage unserer Zeitung bei Zahnärzten im Werra-Meißner-Kreis. Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen (KZVH) und die Landeszahnärztekammer bestätigen diesen Trend.

Im Vergleich zu 2019 sind im zweiten Quartal vergangenen Jahres die Vorsorgeuntersuchungen in Hessen um fast 20 Prozent zurückgegangen, wie aus einer Untersuchung der Kaufmännischen Krankenkasse hervorgeht.

Ein Rückgang sei vor allem zu Beginn im Frühjahr 2020 spürbar gewesen, berichten auch Zahnärzte in Eschwege, Sontra, Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf und Hessisch Lichtenau. Im Sommer seien wieder mehr Zahnarztbesuche wahrgenommen worden und im jetzigen Lockdown sei es erneut rückläufig. „Seit Anfang des Jahres beobachten wir wieder eine gewisse Zurückhaltung der Patienten“, berichtet etwa Dr. Helmut Hartwig aus Hessisch Lichtenau. Besonders ältere Patienten ab 70 Jahren, aber auch Menschen mit Vorerkrankungen hielten sich zurück. Insgesamt halte sich der Trend in Grenzen, auffällig sei er dennoch, insbesondere bei Leistungen wie professionellen Zahnreinigungen, ergänzt Dr. Ivonne Seiling-Dietrich aus Eschwege. Die Zahnärzte wollen den Patienten die Angst nehmen, denn das Auslassen von Untersuchungen birgt auch Risiken, sagen sie. Die Vorsorge solle man daher nicht zu lange aufschieben, damit Karies, Parodontitis und Co. nicht unentdeckt bleiben.

„Erkrankungen in der Mundhöhle können Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben“, betont Anna Cathrina Guterstam, Sprecherin der KZVH. Sie weist auch auf die Zusammenhänge etwa zwischen Parodontitis und Diabetes hin sowie auf eine Studie, nach der Parodontitis ein Risikofaktor für einen schweren Coronaverlauf sein kann. Das Risiko, sich in einer Zahnarztpraxis anzustecken, sei wegen der sehr aufwendigen Hygienevorkehrungen sehr gering, sagt auch Dr. Ute Angeli aus Sontra. (Von Jessica Sippel)

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