Der Wald braucht dringend Schnee

großer Holzeinschlag im Schlierbachwald auf der Kuppe vor Weißenborn, es handelt sich Staatswald, 40 bis 50 Hektar Fichten wurden dort oben gerodet, weil sie von Käfern befallen waren
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Hier kommt der Schnee zu spät: Die Fläche bei Weißenborn musste gerodet werden, weil der Borkenkäfer die Fichten schwer geschädigt hatte.

Ordentlich Schnee wäre genau das Richtige für den Wald, der durch Trockenheit und Borkenkäfer stark angegriffen ist.

Werra-Meißner – Einen feuchten Winter mit viel Schnee wünscht sich Matthias Dumm, Leiter des Forstamts Hessisch Lichtenau. Nicht weil diese Art von Wetter seinen persönlichen Vorlieben entspräche, sondern weil es das Beste für den Wald wäre, erklärt er.

Vier Quadratkilometer Freifläche durch Windwurf und Käfer

Den hessischen Wäldern geht es nach zwei heißen, trockenen Sommern schlecht. In zwei Jahren sind rund vier Quadratkilometer Freifläche durch Windwurf und Borkenkäferschäden im Zuständigkeitsbereich des Forstamts Hessisch Lichtenau entstanden. Böden und Bäume sind trocken, die Wurzeln finden keinen Halt und können sich bei Sturm nicht behaupten. Vor allem die Fichten sind geschwächt und so für Borkenkäfer leichte Beute.

Schnee wäre ideal, denn sein Schmelzwasser sickert langsam in den Boden und füllt dort die Lücken wieder auf. Der Grundwasserspiegel steigt, die Bäume werden widerstandsfähiger.

Schnee beugt Frühjahrstrockenheit vor

„Schnee in den Wintermonaten bringt unseren Wäldern großen Nutzen“, bestätigt auch Dr. Thomas Rysavy, Leiter des Forstamts Wehretal. Schmelzen die feinen Eiskristalle, werde auch möglicher Frühjahrstrockenheit ab April vorgebeugt. Nicht zu vergessen: Temperaturen um den Gefrierpunkt schadeten auch dem Borkenkäfer. „Für die Forstämter steht auch 2020 die Bekämpfung der Borkenkäfer im Mittelpunkt“, sagen Matthias Dumm und Dr. Thomas Rysavy. Die Hauptaufgabe sei, geschädigte Bäume zu sichten und aus dem Wald zu entfernen sowie neue, gesunde Bäume zu pflanzen.

Hessenweit Pflanzaktionen geplant

Für das Frühjahr sind hessenweit große Pflanzaktionen geplant, auch im Werra-Meißner-Kreis. Hier sollen 100 000 Eichen in den Boden gebracht werden. Hierbei sind die Mitarbeiter auf Unterstützung angewiesen. Darum findet ein öffentlicher Pflanztag am Samstag, 21. März, statt.

Mit der Sorge um den Wald ist auch das Interesse der Bevölkerung an der heimischen Natur wieder gestiegen. An einer Pflanzaktion auf dem Meißner im vergangenen Oktober nahmen über 100 freiwillige Helfer teil. Allgemein stünden die Themen Wald, Forstwirtschaft und Nachhaltigkeit im Rahmen des Klimaschutzes wieder mehr im Fokus, sagt Dumm.

Verständnis für Aufräumarbeiten 

Ab und zu würde er sich noch etwas mehr Verständnis für die dringend notwendigen Aufräumarbeiten im Wald wünschen: „Es handelt sich momentan um eine Ausnahmesituation und wir versuchen, Wege, die dabei in Mitleidenschaft gezogen werden, schnellstmöglich wieder instand zu setzen“, versichert Forstamtsleiter Matthias Dumm.

Holzabfuhr sei zurzeit keine Maßnahme, um Geld zu verdienen, sondern ausschließlich, um den Wald zu retten. hbk/esp
Fotos: Wiebke Huck/Michelle Funk

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