Wanfried

Wanfrieder Marcel Hagedorn bekommt Hessische Medaille für Zivilcourage

Stehende Ovationen für seine Zivilcourage: Das Wanfrieder Stadtparlament applaudierte während der Verleihung für Marcel Hagedorn.
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Stehende Ovationen für seine Zivilcourage: Das Wanfrieder Stadtparlament applaudierte während der Verleihung für Marcel Hagedorn.

Er hörte bei den Nachbarn den Rauchmelder piepen und handelte rasch. Mit dem Griff zum Feuerlöscher verhinderte der Wanfrieder Schlimmeres.

Wanfried – Frank Susebach versagte es während seiner Laudatio mehrfach die Stimme. Zu aufwühlend waren die Erinnerungen an jenen Apriltag im vergangenen Jahr. Damals entging die Familie seiner Tochter mit dem kleinen Säugling Paul nur knapp einer großen Brandkatastrophe.

Zu verdanken ist das dem Wanfrieder Marcel Hagedorn, der mit seinem beherzten Eingreifen Schlimmeres verhinderte. Dafür wurde er jetzt mit der Hessischen Medaille für Zivilcourage ausgezeichnet. Familie Susebach und Stadtbrandinspektor Benedikt Beckmann hatten Marcel Hagedorn dafür vorgeschlagen.

Was war geschehen? Es war die Nacht vom 26. auf den 27. April 2019, als der 18-jährige Marcel Hagedorn mit seiner Freundin im Haus seiner Eltern auf der Couch chillte. Es war Freitagabend und der gemütliche Teil des Wochenendes stand bevor.

Plötzlich hörten die beiden das Piepen eines Rauchmelders. Im eigenen Haus war alles in Ordnung, also schaute Marcel Hagedorn nach draußen. Im Nachbargebäude bemerkte er einen Feuerschein und eilte nach draußen. Im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses war ein Kinderwagen in Brand geraten.

Marcel Hagedorn rief sofort unter der 112 die Feuerwehr. Damit nicht genug. „Wir müssen was unternehmen“, waren die Gedanken, die dem damals 18-Jährigen immer wieder durch den Kopf schossen.

Marcel Hagedorn

Für mich war es selbstverständlich zu helfen.

Marcel Hagedorn

Also lief er in sein Elternhaus zurück und erinnerte sich, dass im Keller ein alter Feuerlöscher stand. Damit rannte er zum Nachbarhaus zurück, schaute auf die Gebrauchsanleitung und richtete den Feuerlöscher auf den brennenden Kinderwagen.

Innerhalb von Sekunden waren die Flammen gelöscht. Wenig später traf die Feuerwehr ein – das Schlimmste hatte Marcel Hagedorn da schon verhindert.

Trotz lauter Rufe hatten die Bewohner des Hauses mit vier Wohnungen nicht reagiert. Wie sich später herausstellte, hatten sie sich auf die rückwärtigen Balkone in Sicherheit gebracht, weil das Treppenhaus stark verqualmt und verrußt war.

„Was ein Brand in einem Mehrfamilienhaus anrichten kann, haben wir erst vor wenigen Wochen in Treffurt gesehen (Eine Frau, die ihren Säugling erst gerettet hatte, lief wieder ins Haus zurück und kam dabei ums Leben, Anm. d. Redaktion)“, sagte Bürgermeister Wilhelm Gebhard, der Marcel Hagedorn die Auszeichnung stellvertretend für Ministerpräsident Bouffier überreichte.

Stadtbrandinspektor Benedikt Beckmann sprach Marcel Hagedorn die Anerkennung der Wanfrieder Feuerwehren aus und bescheinigte ihm, mit seinem selbstlosen Einsatz eine Brandkatastrophe verhindert zu haben. „Dieses außerordentliche Engagement sollte ein Vorbild für alle sein.“

Beckmann schilderte, welches Ausmaß der Einsatz hatte. Aufgrund der Gefahrenlage waren insgesamt 62 Einsatzkräfte zum Unfallort geeilt. Allein 29 Rettungskräfte kümmerten sich im Anschluss um die Verletzten. Über zehn Personen wurden zur Nachuntersuchung ins Krankenhaus eingeliefert.

„Für mich war es selbstverständlich zu helfen“, sagte Marcel Hagedorn während der Verleihung vor der Stadtverordnetenversammlung, die ihm mit stehenden Ovationen ihren Respekt entgegenbrachte. Der heute 19-Jährige, der noch nie etwas mit der Feuerwehr zu tun gehabt hat, hofft, ein gutes Vorbild zu sein.

„Ich würde es immer wieder tun“, sagte der Auszubildende zum Fachinformatiker, dem die Stadt Wanfried einen Zuschuss für ein neues IPad zukommen ließ. Frank Susebach freute sich, das zu hören. Mit der Nominierung für die Medaille für Zivilcourage ist der Dank der ganzen Familie Susebach verbunden.

„Marcel hat eine Katastrophe verhindert“, sagte Frank Susebach, als er die Stimme wiedergefunden hatte. (Von Tobias Stück)

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