Zeitsprung

War Graf Zeppelin in Eschwege? Eine Postkarte deutet auf den berühmten Besuch hin

Die Aufnahme der LZ 130 entstand am 30. Juni 1939 in Kassel-Waldau durch Herbert Fritsches Vater Heinrich.
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Die Aufnahme der LZ 130 entstand am 30. Juni 1939 in Kassel-Waldau durch Herbert Fritsches Vater Heinrich.

Sie sind Teil der Luftfahrtgeschichte: Zeppeline. Einst schwebten sie auch über dem Werratal. Eine Postkarte deutet nun darauf hin, dass ihr Erfinder Graf von Zeppelin ebenfalls in Eschwege weilte.

Eschwege – Als Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Luftschiffe am Himmel auftauchten, waren die Menschen wie elektrisiert. Auch in Eschwege und im Werratal gab es eine begeisterte Bevölkerung, die den Luftschiffen zujubelte. Noch bevor 1911 die erste der über 200 Meter langen „silbernen Zigarren“ über Eschwege erschien, berichtete das Eschweger Tageblatt fast jeden Tag recht ausführlich über alle Aktivitäten.

1930 schwebte die „Graf Zeppelin“ über der Sankt-Crucis-Kirche in Bad Sooden-Allendorf

Die Eschweger freuten sich über mindestens drei Zeppelin-Besuche, von denen auch einige alte Fotos existieren. Der erste Besuch fand am 12. September 1911 statt, als die „Schwaben“, gesteuert vom bekannten Luftschiff-Kapitän Dr. Hugo Eckener auf der Fahrt von Gotha nach Düsseldorf über der Stadt und dem Leuchtberg nach Bad Sooden-Allendorf schwebte. Dr. Eckener war es, dem 1924 die erste Atlantik-Überquerung per Luftschiff gelang.

Es dauerte dann bis zum 3. September 1930 bis die „Graf Zeppelin“ – von Kassel zu einem Deutschlandflug gestartet – Eschwege in Richtung Bad Sooden-Allendorf überquerte. Davon gibt es ein Foto, das das Luftschiff über der Sankt-Crucis-Kirche zeigt. Am 14. Juli 1931 folgte der dritte Zeppelin-Besuch über Eschwege, als das Luftschiff gegen 13.45 Uhr in Richtung Heldrastein und Hannover über den Leuchtberg schwebte.

Luftschiff in Kassel

Von einer persönlichen Begegnung mit einem der Luftschiffe berichtet der Historiker und Oberstudiendirektor Herbert Fritsche. Am 30. Juni 1939, also zwei Jahre nach der das Ende der Zeppeline einleitenden Katastrophe von Lakehurst/USA, landete das 245 Meter lange und gasgefüllte LZ 130 „Graf Zeppelin“ auf dem Flugplatz Kassel-Waldau, bestaunt und bewundert vom fünfjährigen Herbert, dessen Vater ihm dieses Erlebnis ermöglichte und auch ein Foto herstellte. „Das beeindruckte den noch nicht eingeschulten Knirps an der Hand seines Vaters“, so Fritsches Reaktion. Auch Eschweger Vereine waren begeistert.

Bereits 1908 gab der Männergesangverein Concordia (1856-2012) eine vom Fotografen Ernst Stautz gestaltete Ansichtskarte heraus, die acht Sangesbrüder abbildete und zu einer „Eschweger Zeppelinfahrt“ am 29. Oktober einlud. Ob, wo und wie die stattfand, ist nicht überliefert. 1911 griff auch ein Kasseler Verlag das Thema auf, gestaltete eine Ansichtskarte mit Zukunftsversionen, die den Eschweger Schlossplatz mit modernen Verkehrsmitteln wie Straßenbahnen und natürlich Luftschiffen zeigte.

Zeppelin-Spenden

Die Eschweger jubelten dem Grafen Zeppelin und seinen Luftschiffen nicht nur zu, sie griffen auch in die Tasche, als sie nach einer Unglücksfahrt am 4. August 1908 angesprochen waren, durch Spenden dem Grafen Zeppelin unter die Arme zu greifen, damit er das fortschrittliche Projekt weiterführen kann.

Bereits am 7. August veröffentlichte das Eschweger Tageblatt unter dem Titel „Eine Nationalspende für Zeppelin!“ einen Spendenaufruf: „Jetzt gilt es durch die Tat zu beweisen, dass wir, die in glorreichen Stunden dem Grafen zujubelten, auch in bösen Tagen zu ihm stehen. Stadt und Kreis dürfen nicht zurückstehen.“

Der schon drei Tage nach dem Unglück im Tageblatt veröffentlichte Spendenaufruf erhärtet die These, wie in einer Postkarte nach Hannover angesprochene Unglücksfahrt, dass Graf Zeppelin in diesen Tagen tatsächlich in Eschwege war und das Eschweger Tageblatt persönlich um einen Spendenaufruf gebeten haben könnte.

Bereits am 8. August veröffentlichte das Tageblatt dann eine Liste namhafter Eschweger Spender wie Landrat von Keudell, Bürgermeister Vocke, Sparkassenleiter Wichmann und 18 weiterer prominenter Bürger wie die Fabrikanten Ackermann, Brill und Döhle.

Auf einer Postkarte vom Eschweger Marktplatz um 1912 festgehalten: Ein Zeppelin überfliegt den Leuchtberg.

Die Liste regte die Spendenfreudigkeit an, denn am 26. August teilte die Zeitung mit: „Die Nationalspende für Graf Zeppelin hat im Kreis Eschwege 3387,25 Mark ergeben. Hiervon entfallen auf die Stadt Eschwege 2264,25 Mark“. In Deutschland brachte die Volksspende über sechs Millionen Mark. Damit wurde die Fortführung des Projektes, in das Graf Zeppelin sein ganzes Vermögen gesteckt hatte, möglich. In Friedrichshafen wurde die „Luftschiffbau Zeppelin GmbH“ gegründet, die noch viele Luftschiffe herstellte.

Aber so viele Luftschiffe die Werft auch verließen, das Ende der Luftschiffe deutete sich nicht nur durch die wachsende Flugzeug-Industrie an.

Es war wohl auch die große Katastrophe von Lakehurst/USA, als am 6. Mai 1937 das Luftschiff „LZ 129 Hindenburg“ aus ungeklärter Ursache beim Landeanflug in Brand geriet. 37 Menschen verloren ihr Leben, als der gasgefüllte Ballon in nur 30 Sekunden wie eine Fackel loderte und abbrannte. Das war nach bisher problemlosen Atlantik-Überfahrten ein Prestigeverlust für das Projekt, die Zeit der einst so umjubelten Schiffe endete abrupt.

(Von Siegfried Furchert)

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