„Wasser ist im Schornstein fatal“

Wie man mit Schornsteinbränden richtig umgeht

Hier herrschen bis zu 1000 Grad Celsius: In extremen Fällen kommen Flammen aus dem Schornstein.
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Hier herrschen bis zu 1000 Grad Celsius: In extremen Fällen kommen Flammen aus dem Schornstein.

So schön ein Holzofen auch ist, das Winterhalbjahr ist auch die Saison der Schornsteinbrände. Worauf Hausbesitzer achten sollen, erklärt Harald Popp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes Hessen.

Werra-Meißner - Auch in der Region gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Schornsteinbrände, wie Stadtfeuerwehrinspektor André Bernhardt aus Sontra und Schornsteinfegermeister Jörg Gebauer aus Wanfried berichten. Daher sei eine gute Aufklärung wichtig, sind sich die Experten einig – auch wenn diese Brände seltener geworden sind. Dazu Fragen und Antworten.

Was ist ein Schornsteinbrand?

Wenn Holz in der Feuerstätte unsauber abbrennt, lagert sich im Schornstein ein Rußbelag ab, sogenannter Glanzruß, erklärt Gebauer. Der Schornstein setzt sich immer mehr zu. Der feste Glanzruß brennt gut und ist zum Beispiel über Funkenflug vom Holz im Kamin leicht entflammbar.

Wie entsteht Glanzruß?

Eine unsaubere Verbrennung begünstigt Glanzruß, sind sich Gebauer und Bernhardt einig. Nicht geeignet zum Verbrennen sind zum Beispiel feuchtes Holz, stark verharzte Hölzer sowie Holzmöbel, die lackiert, imprägniert und beschichtet sind. „Alte Möbel dürfen in Deutschland generell nicht verbrannt werden, denn dabei entstehen Giftstoffe“, sagt Gebauer. Aber auch bei falscher Bedienung des Kaminofens kann Glanzruß entstehen, sagt Gebauer. Wenn man etwa falsch, zu früh oder zu viel drosselt, mangelt es dem Holz an Verbrennungsluft.

Wie erkennt man einen Schornsteinbrand?

„Meistens sehen es die Nachbarn als erstes“, sagt Bernhardt aus Erfahrung. Im Extremfall kommen Funken und Flammen aus dem Schornstein, mindestens aber starker schwarz-braun-gelber Rauch, sagt Gebauer. Trotzdem kann es auch im Haus Anzeichen für einen Schornsteinbrand geben: „Es kann nach Rauch riechen oder man hört gegebenenfalls brummende Geräusche aus dem Schornstein.“ Das liege an dem Ruß, erklärt Gebauer, der sich unter Hitze stark aufbläht.

Wie bekämpft man solche Brände?

Schornsteinbrände darf man auf keinen Fall mit Wasser löschen. Darüber sind sich alle Experten einig.„Wasser ist im Schornstein fatal. Denn der Wasserdampf dehnt sich durch die Hitze schnell aus. Dadurch kann der Schornstein reißen oder brechen“, erklärt Gebauer. Bernhardt vergleicht es mit einer Art „Wasserexplosion“. Aus einem Liter Wasser werden etwa 1700 Liter Wasserdampf, die im Schornstein keinen Platz zum Entweichen haben, sagt der Landesfeuerwehrverband Hessen. Bei einem Schornsteinbrand sollten Betroffene die Feuerwehr und ihren Schornsteinfeger rufen und Ruhe bewahren. Die Fachleute lassen den Schornstein dann kontrolliert ausbrennen, sagen die Experten. „Ein ordentlich gebauter Schornstein hält das gut aus“, sagt Gebauer. Im äußersten Notfall, wenn von dem Brand eine Gefahr ausgeht, werde so ein Brand mit einem Pulverlöscher von unten gelöscht.

Wann wird ein Schornsteinbrand gefährlich?

Im Allgemeinen sei ein Schornsteinbrand gut unter Kontrolle zu halten und sei meistens unspektakulär, sagt Popp. Doch die entstehende Hitze von bis zu 1000 Grad sowie der Funkenflug können gefährlich werden. Denn im Extremfall können dadurch andere Brände entstehen: am Dach, Fachwerk, nahegelegenen Scheunen und Häusern. Auch der starke Rauch sei nicht zu verachten. Denn dieser kann gesundheitsschädlich sein.

Von Jessica Sippel

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