Werra-Meißner-Kreis nimmt bis Ende des Jahres weitere 65 Flüchtlinge auf

Wegweiser für Integration

Lotsen für den Alltag: Mittlerweile gibt es kreisweit zwölf Integrationslotsen, die vor allem bei Alltagsfragen unterstützen. Mit dabei sind auch Mahide Gönen (von links), Natalya Beroschwilli, Semen Sladkov, Jeanet Persch und Gizela Schmidt mit Projektkoordinator Ramiz Arifi. Archivfoto: Rissmann

Eschwege. Ein umfassendes Integrationskonzept inklusive einer Koordinierungsstelle samt Integrationsberater für den Kreis, ein interkultureller Kalender mit religiösen und volkstümlichen Feiertagen, ein Patenschaftsprojekt für Flüchtlinge und Migranten und die Schulen stärker in die Integrationsarbeit einbeziehen - die Liste mit Ideen, um die Integration im Werra-Meißner-Kreis zu verbessern, ist lang.

Landrat Stefan Reuß hatte am Dienstagabend zum dritten Integrationsforum in die Kreisverwaltung nach Eschwege geladen und die zahlreichen Teilnehmer haben ihm viel Arbeit mitgegeben. „Ich bin Ihnen allen sehr dankbar für die gute und konstruktive Mitarbeit. Nun werden wir alle Punkte analysieren und sehen, was sich finanzieren lässt“, sagte Reuß. Und dass er das durchaus sehr ernst meint, zeigte dieser Abend ebenfalls, denn es wurde das Ergebnis des ersten Integrationsforums 2011 präsentiert: Ein Integrationswegweiser für den Kreis. Melanie Scheffczik und Brigitte Krüger vom Arbeitskreis Migration und Integration stellten das Werk vor: Wie sieht es mit dem Melde- und Aufenthaltsrecht in Deutschland aus, was muss man beim Wohnung anmieten beachten, wie bekommt man eine Beschäftigungserlaubnis oder in welche Schule kann man das Kind schicken - wichtige Fragen des Alltags werden in dem Wegweiser kurz und knapp zusammengefasst. Zudem gibt es übersichtlich alle Adressen von Schulen, Behörden und Institutionen im Kreis.

„Integration beginnt im Kopf.“

Landrat Stefan Reuß

„Dieser Wegweiser ist nicht nur hilfreich für alle Migranten, sondern auch für alle aktiv an der Integrationsarbeit beteiligten“, sagt Ramiz Arifi. Er ist der Vorsitzende des Ausländerbeirates der Kreisstadt Eschwege und hatte vor einigen Jahren das Projekt Integrationslotsen etabliert, bei dem Menschen mit und ohne eigenem Migrationshintergrund andere bei der Integration unterstützen.

Der Wegweiser wurde pünktlich fertig, denn der Werra-Meißner-Kreis steht vor der nächsten großen Herausforderung: Weitere 65 Flüchtlinge aus Krisengebieten müssen bis zum Ende des Jahres aufgenommen werden. „So langsam kommen wir an unsere Belastungsgrenze“, sagte Reuß zu den aktuellen Flüchtlingszuweisungen. Es sei vor allem eine große, finanzielle Belastung, da derzeit der Landkreis lediglich 35 Prozent der Kosten erstattet bekomme, obwohl ihm eigentlich 100 Prozent zustehen würden. Man wolle dennoch an den festgelegten Prinzipien festhalten und weitestgehend auf große Gemeinschaftsunterkünfte verzichten und vor allem Familien, wenn möglich, eine eigene Wohnung zur Verfügung stellen. Doch die Suche nach Unterkünften gestalte sich schwierig. „Wir haben bislang aus den Kommunen noch keine Rückmeldung über geeignete Unterkünfte erhalten“, sagte Reuß.

Allgemein müsse noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, sagte Reuß in der anschließenden, regen Diskussion: „Integration beginnt im Kopf.“

Von Diana Rissmann

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