Flut stieg Stunde um Stunde

Weihnachts-Hochwasser vor 50 Jahren im Werratal: Viele Häuser überschwemmt

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Unter Wasser: Die „Grebendorfer Chaussee“ am nördlichen Ortsausgang von Eschwege war von vielen Kraftfahrern nur noch mit Mühe zu bewältigen. Am Abend des 27. Dezembers wurde das Teilstück dann gesperrt, weil das Werra-Hochwasser weiter gestiegen war. 

Werra-Meißner. Was für eine nasse Weihnacht 1967: In weiten Teilen der Bundesrepublik gab es Hochwasser – in den nordhessischen Kreisen kam es zu einem „der schwersten, das dieses Gebiet je erlebt hat“.

So steht es am 27. Dezember 1967 in den Werra-Nachrichten. Das Werratal wurde davon nicht ausgespart, wenngleich es in anderen Regionen noch weitaus heftiger war.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag, so wurde berichtet, bedrohten die Fluten der Werra auch die Kreise Eschwege und Witzenhausen. Wobei es für die tiefer gelegenen Stadtteile Eschweges besonders am ersten Feiertag gefährlich aussah. Die Bevölkerung wurde vorsichtshalber durch Lautsprecherwagen der Polizei am Abend gewarnt.

Zahlreiche Keller liefen voll

Am zweiten Feiertag dann stieg die Werra aufgrund der starken Regenfälle und der Schneeschmelze auf den Höhen des Thüringer Waldes gefährlich an. Im Raum Heldra standen Wiesen und Äcker sowie der Sportplatz unter Wasser. In Altenburschla mussten Keller ausgepumpt werden. In Albungen war die Straße zeitweise gesperrt. Und auch im Gebiet von Bad Sooden-Allendorf bildete die Werra große Seen entlang der Bundesstraße 27. Auf sowjetzonaler Seite, also auf DDR-Gebiet, standen Grenzzäune im Wasser.

Anwohner brachten Hab und Gut in Sicherheit

Achtung, Hochwasser: Am Ortsausgang der B 249 in Richtung Grebendorf hatte die Eschweger Polizei schon frühzeitig Warnschilder aufgestellt.

Viele Anwohner im Werratal blickten besorgt auf die Fluten, die selbst ganze Baumstämme anschwemmten. Die Besitzer von Gartenhäuschen zwischen dem großen Eschweger Stadtwehr und dem Grebendorfer Hüttchen brachten ihre Habseligkeiten in Sicherheit und bauten provisorische Dämme.

Die Rekordhöhe im Kreis Eschwege erreichte die Werra gegen 19 Uhr am zweiten Feiertag, als der Pegel in Heldra 4,06 Meter anzeigte. Doch kurz vor dem kritischen Punkt stieg der Pegel nicht mehr – und in der Nacht fiel der Wasserstand sogar beträchtlich.

Pegel Heldra bei 4,39 Meter

Doch von Entspannung konnte nur kurzzeitig die Rede sein: Am 27. Dezember erreichte eine neue Flutwelle der Werra erst den Kreis Eschwege und dann auch den Witzenhäuser. „Das Wasser stieg Stunde um Stunde“, titelten die Werra-Nachrichten am Folgetag. Der Pegel Heldra erreichte seinen Höchststand bei 4,39 Metern. Besonders hart wurden die Zonengrenzgemeinden Heldra und Altenburschla getroffen, allein in Altenburschla drang das Werrawasser in 50 Häuser ein. Die B 249 musste am frühen Abend in Höhe der „Grebendorfer Chaussee“ gesperrt werden. In Witzenhausen wurde zunächst nur die Bundesstraße 80 überflutet.

Schimpfende Autofahrer und besorgte Hauseigentümer, so wurden die Folgen des Hochwassers in Eschwege beschrieben. Indes brauchten Feuerwehr, Polizei und Technisches Hilfswerk trotz Alarmbereitschaft nur in wenigen Fällen einzugreifen.

Heldra und Altenburschla besonders betroffen

Weit härter waren die Einwohner von Heldra und Altenburschla betroffen. „Selten stand bei uns das Wasser so hoch, es sprudelt anhaltend aus den Kanalschächten“, berichtete Altenburschlas Bürgermeister Karl Montag. Bei Herleshausen musste vorübergehend die „Lauchröder Allee“ für den Verkehr gesperrt werden. Darüber hinaus sind zahlreiche Feldwege in der Gemarkung Herleshausen nicht mehr passierbar. Überschwemmungen wurden auch aus einigen Ringgau-Gemeinden gemeldet, wo die schmutzigbraunen Wassermassen hauptsächlich Felder und Wiesen bedeckten.

Das Zollgrenzkommissariat Wanfried rechnet nicht damit, dass sowjetzonale Minen auf das Gebiet der Bundesrepublik geschwemmt werden. Zonen-Offiziere hätten versichert, dass in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten keine Minen verlegt worden seien.

Witzenhausen später betroffen

An der Bohlenbrücke: Die Bundesstraße 80 in Witzenhausen war am Tag nach Weihnachten vom Werra-Hochwasser überflutet. War sie zunächst noch passierbar, wurde sie am späten Nachmittag des 27. Dezembers 1967 für den Verkehr gesperrt. 

In Witzenhausen kam das Hochwasser erst später an: Seit dem 27. Dezember stieg die Werra, der Pegelstand an der Werrabrücke sank nicht unter 3,70 Meter. Ernsthafte Sorgen müsse man sich aber erst bei weiteren Schnee- und Regenfällen machen, lautete der Kommentar der Straßenmeisterei. Nachdem am Nachmittag des 27. Dezembers bereits ein Teil der Ermschwerder Landstraße und die B 80 gesperrt worden war, kamen am nächsten Tag weitere Sperrungen hinzu, etwa der Straße zwischen Gertenbach und Ziegenhagen.

Die Umleitung führte über Blickershausen, auch wenn diese Strecke ebenfalls überschwemmt war. Kritisch wurde es in Witzenhausen, nachdem die Bohlenbrücke gesperrt wurde und der Verkehr über die sonst gesperrte Straße „Unter den Brückenbergen“ geleitet werden musste. Ansonsten kam es dem Zeitungsbericht zufolge nur noch in Werleshausen zu Überschwemmungen, wo einige tief liegende Straßen kaum passierbar waren. 

Am 29. Dezember gab es in Witzenhausen Entwarnung: Der Wasserstand fiel um 40 Zentimeter und die B 80 konnte an der Bohlenbrücke und unter den Brückenbergen wieder passiert werden, obwohl die Fahrbahn noch überflutet war.

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