Er weiß, wie man sicher spielt

Der Eschweger Norbert Möller testet Spielplätze in der Region

Zu wenig Abstand: Auf dem Spielplatz am Schindeleich schwingt sich Norbert Möller auf die Seilbahn. Der Abstand zum Boden muss bei einer Belastung von 130 Kilo mindestens 40 Zentimeter betragen. Beim deutlich leichteren Müller wird das locker unterschritten. Foto: Deppe

Eschwege. Spielspaß und Gefahr liegen dicht beieinander. Der Eindruck verfestigt sich schnell, wenn Norbert Möller Geschichten von Kindern erzählt, die sich mit ihrem Fahrradhelm im Kletternetz strangulieren oder Finger in Schaukelketten quetschen. Der 56-Jährige kennt sich mit diesen Gefahren gut aus, sie gehören zu seinem Berufsalltag. Der Eschweger prüft Spielplätze auf ihre Sicherheit.

100 Spielplätze zwischen Soltau und Karben bei Friedberg begutachtet Möller für seinen Arbeitgeber, den Tüv Hessen. Das Gesetz sieht vor, dass die Areale einmal jährlich auf Sicherheit überprüft werden. Das geschieht meist im Auftrag der Kommunen.

Bauliche Mängel entdeckt er dabei selten. „Die Baufirmen kennen die Normen ja und halten sich daran“, sagt Möller. Eher sind es Verschleiß oder zu kleine Sicherheitszonen, die für Gefahr sorgen können. Auf diese weist er die Betreiber dann hin, einen Spielplatz schließen kann er nicht. „Das liegt dann immer in der Verantwortung der Betreiber.“ Im Normalfall sorgten diese laut Möller aber meist umgehend für Nachbesserung oder sperrten betroffene Bereiche ausreichend ab. Flatterband reiche dafür aber nicht. „Das hält spielende Kinder nicht auf“, sagt der gebürtige Ulfener, der selbst zwei Kinder hat.

Zwischen 45 und 90 Minuten braucht Möller für eine Begutachtung. Nach zehn Jahren als Spielplatztester, weiß er, wo er hinschauen muss. Ermöglicht eine Schaukel oder Kletterwand eine Fallhöhe von mindestens anderthalb Metern, müssen laut Möller 40 Zentimeter stoßdämpfender Boden – zum Beispiel Kies oder Holzschnitzel – den Sturz abfangen können. Die Glieder einer Schaukelkette dürfen eine Größe von acht Millimetern nicht überschreiten, damit keine Finger darin hängen bleiben können und im Kletternetz müssen die Maschen so klein sein, dass kein Kind seinen Kopf hindurchstecken kann. Wichtig für einen Prüfer ist es, dabei immer auf dem neuesten Stand der Gesetzgebung zu bleiben. „Die ständige Weiterbildung ist unerlässlich, man muss da immer am Ball bleiben“, sagt Möller, der ursprünglich Werkzeugmacher gelernt hat, bevor er an einer Abendschule seinen Techniker und dann nebenbei eine Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit gemacht hat.

Wegen des immer wieder vorkommenden Vandalismus auf Spielplätzen sind die Betreiber verpflichtet, diese wöchentlich zu begutachten. Ob das allerdings immer überall eingehalten wird, bezweifelt Möller. Wenn er selbst einen Bereich abgenommen hat, hinterlässt er keine Plakette, die auf die Prüfung hinweist. „Die hängt zwei Tage, dann haben die Kinder die abgeknibbelt“, sagt er. Sicher sind die Plätze nach seiner Arbeit schließlich auch ohne ein Siegel.

Von Lasse Deppe

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