Wolfsproblem

Tag der offenen Weide - deshalb sind Weidetierhalter in Sorge um ihre Tiere

Im Vordergrund ist ein Zaun. Dahinter ist ein Weide mit einer Schafherde. Auf einem Schild am Zaun steht: „Kein Zaun der Welt schützt uns vor dem Wolf!“
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Gefahr: Die Schafherde auf der Weide bei Weißenhasel inmitten des Stölzinger Gebirges kann jederzeit Ziel eines Wolfsangriffes werden.

Schafe und Ziegen grasen auf umzäunten Wiesen. Und trotzdem droht ihnen Gefahr. Darauf wollten Weidetierhalter nun aufmerksam machen.

Weißenhasel – Der Ort für den Tag der offenen Weide, zu dem die Kreisbauernverbände Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg am Sonntag eingeladen hatten, war bewusst gewählt – inmitten des Stölzinger Gebirges – hier, wo seit einem halben Jahr eine Wölfin als sesshaft gilt.

Hören sich Expertenmeinungen an: Weidetierhalter bei der offenen Weide in Weißenhasel.

Der sogenannten Stölzinger Wölfin wurden inzwischen 28 Risse von Nutztieren von Lamm, Schaf, Ziege bis zum Rinderkalb nachgewiesen.

Trotz strahlenden Sonnenscheins und idyllischer Kulisse war die Stimmung der Veranstaltung hoch emotional. Denn gekommen waren viele haupt- und nebenberufliche Weidetierhalter, die große Sorgen angesichts des in Hessen wieder heimischen werden Wolfs plagen.

Die Tiere waren aggressiv und einfach nicht mehr zu führen.

Manuel Stück, Hobbylandwirt

Viele hatten Opfer unter ihren Nutztieren zu beklagen, wie der Hobbylandwirt Manuel Stück aus Wüstefeld, dem ein Wolf im Februar dieses Jahres ein Kalb auf der Weide gerissen hatte und er in Folge nicht nur die verwaiste Mutterkuh, sondern ein weiteres tragendes Tier aus der Herde schlachten musste, weil die Tiere den Schock des Wolfsangriffes nicht verkraftet hatten.

„Die Tiere waren aggressiv und einfach nicht mehr zu führen“, schildert Stück.

Betroffene suchen den Dialog mit Verantwortlichen

In einem zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Dialog versuchten Experten, darunter der Tierarzt und Wolfsexperte Dr. Michael Weiler, der Schäfer und Sprecher der AG Herdenschutz Frieder Beyer und Weidetierhalter und Rechtsanwalt Harald Ermel, den geladenen Politiker über ihre Situation aufzuklären.

Dabei ging es im Kern darum, was die Landesregierung als geeigneten Herdenschutz für angemessen hält und wie es tatsächlich in der Praxis aussieht. Ein weiteres Kernthema war der Wolf selbst – sein Verhalten, sein aktueller Status und der Artenschutz.

Nicht nur für den Wolf gefährlich: die mazedonischen Herdenschutzhunde von Frieder Beyer.

Gefolgt waren der Einladung unter anderem die Landtagsabgeordneten Heinz Lotz (SPD), Fraktionssprecher für Jagd, Landwirtschaft und Naturschutz, Knut John, Carina Fissmann aus dem Werra-Meißner-Kreis und der Hersfelder Abgeordnete Thorsten Warnecke sowie Markus Meysner (CDU) und der FDP-Bundestagsabgeordnete Matthias Nölke.

In Referaten, aber vor allem in Vorführungen, dokumentierten die Weidetierhalter ihre Zweifel an der Sinnhaftigkeit der von der Landesregierung favorisierten Schutzmaßnahmen gegen den Wolf.

Kein Hinderniss: Auch ein Schutzzaun lässt sich leicht überspringen

Der Herlefelder Berufsschäfer Anton Göbel ließ seine beiden Hütehunde einen 1,50 Meter hohen Zaun überwinden, was den Tieren mühelos gelang. „Einem Wolf gelingt das erst Recht“, sagte Göbel, der selbst einige Schafe durch Risse der Stölzinger Wölfin verloren hat.

Mit Leichtigkeit überwinden die Hütehunde des Herlefelder Schäfers Anton Göbel den 1,50 Meter hohen, strombewehrten Schutzzaun.

Welche potenziellen Gefahren die Haltung sogenannter Herdenschutzhunde birgt, erläuterte Schäfer Frieder Beyer. „Für jeden angreifenden Wolf braucht man einen Herdenschutzhund. Dass wir das Wolfsproblem mit Tierkampf lösen, ist ein Verstoß gegen Tierschutz. Wir führen einen Stellvertreterkrieg hier.“

Seine beiden mazedonischen Herdenschutzhunde hatte Beyer mitgebracht. Auf den ersten Blick friedlich dösten sie neben der Schafherde. „Die Tiere arbeiten vollkommen autonom, sie sind Teil des Rudels aus Schafen und den normalen Hütehunden und sie entscheiden selbst über den Angriff“, erläutert Beyer.

Dabei seien weder Radfahrer, Hundehalter noch Spaziergänger im Zweifel sicher. (Von Stefanie Salzmann)

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