Verbraucherschützer mahnen zu Skepsis

Weltspartag: Inflation raubt Sparern die Kontozinsen

Werra-Meißner. Sparer haben's schwer: Zum 90. Weltspartag rufen Geldinstitute Kinder und Jugendliche dazu auf, ihr Taschengeld in die Bank zu bringen. Doch Verbraucherschützer mahnen zu gesunder Skepsis: Wer blauäugig anlege, mache im schlechtesten Fall langfristig Minus - und verschenke so sein Geld.

„Das Sparen lohnt sich immer noch, allerdings sollten die Zinsen mindestens die Inflationsrate ausgleichen“, sagt Helga Petersen-Kunz von der Verbraucherzentrale Hessen in Kassel. Bei vielen klassischen Sparprodukten der lokalen Banken, die den Weltspartag bewerben, sei dies nicht der Fall, warnt die Beraterin.

Die Inflationsrate, Indikator für den konstanten Werteverlust des Euros, liegt laut Statistischem Bundesamt derzeit bei 0,8 Prozent. Deutlich darunter liegt der aktuelle Zinssatz für klassische Spareinlagen bei der Sparkasse Werra-Meißner mit 0,1 Prozent. Im Jahresvergleich ist das niedrig: Vor 20 Jahren lag der Zinssatz bei zwei Prozent. Das Urteil der Verbraucherschützer: „Das klassische Sparbuch ist nicht mehr zu empfehlen, da es kaum Zinsen abwirft.“

Die VR-Bank Werra-Meißner wirbt mit einer Sparanlage für Kinder bis 21 Jahren mit einem Zinssatz von 1,25 Prozent - mit einer Begrenzung auf 2000 Euro ist aber auch dies nicht gewinnträchtig.

„Trotz des niedrigen Zinsniveaus bleibt Sparen wichtig“, sagt Bettina Strauß, Sprecherin der Sparkasse. „Ein Finanzpuffer gibt des Gefühl von Sicherheit.“

Traditionell versprechen vereinzelte Banken zum Weltspartag Neukunden Sonderangebote mit höheren Zinssätzen für einen begrenzten Zeitraum - oft in Verbindung mit einem bunten Programm. Doch die Verbraucherzentrale rät zu Vorsicht. Kritisch sei, wenn Kinder mit Geschenken animiert werden, Geld in niedrig verzinste Sparbücher zu stecken. Und bei Angeboten mit hohen Zinsen und begrenzter Laufzeit sollten Kunden prüfen, ob diese sinnvoll seien. (jsm/nis)

Hintergrund:

Vor 90 Jahren wurde die Idee des Weltspartags geboren. Auf dem 1. Internationalen Sparkassenkongress in Mailand beschlossen Vertreter aus 29 Staaten, dass an diesem Tag der Bedeutung der Vorsorge für den Einzelnen und die Volkswirtschaft gedacht werden soll. Der Leitgedanke: Wohlstand beginnt mit einem einzelnen Euro auf dem Konto - wer spart, sorgt vor. Die Deutschen tun dies: Sie parken derzeit rund 970 Milliarden Euro auf Tagesgeld- und Girokonten, das hat das Wirtschaftsmagazin finanzen.net ausgerechnet. In der Bundesrepublik wird der Weltspartag traditionell am letzten Werktag vor dem 31. Oktober begangen. (jsm)

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