Weniger Schüler legen im Werra-Meißner-Kreis das Abitur ab

Die Zahl der Abiturienten ist in den vergangenen fünf Jahren im Werra-Meißner-Kreis zurückgegangen, die Anzahl derer, die die Schulen ohne Abschluss verlassen haben, sinkt ebenfalls.

Werra-Meißner.Die Zahl der Abiturienten ist in den vergangenen fünf Jahren im Werra-Meißner-Kreis zurückgegangen, die Anzahl derer, die die Schulen ohne Abschluss verlassen haben, sinkt ebenfalls. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor, die das Staatliche Schulamt Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner in Bebra bestätigt. Die Umstellung von G8 zurück auf G9 könnte eine Erklärung für ein Phänomen sein.

Tendenz sinkend

Während im Jahr 2014 die Zahl der Abiturienten bei rund einem Drittel (32,3 Prozent) aller Schüler lag, reduzierte sich die Quote seitdem kontinuierlich. 2018 waren es nicht mal mehr ein Viertel (23,8 Prozent) aller Schüler, die das Abitur ablegten. Das ist zwar besser als noch 2010 (21,1 Prozent), aber deutlich schlechter als eben 2014. Das liegt im Werra-Meißner-Kreis aber an einer Doppelstruktur. 2014 hatte ein sogenannter Doppeljahrgang, bestehend aus Schülern aus dem G8- und G9-Bildungsgang, das Abitur abgelegt. „So haben am Oberstufengymnasium in Eschwege 171 Schüler Prüfungen bestanden“, sagt Jürgen Krompholz. Doppelt so viel wie normal. Auch 2018 sei speziell gewesen. Durch die Umstellung von G8 auf G9 wechselte zuvor kein einziger Schüler vom einzigen Mittelstufengymnasium des Kreises (Friedrich-Wilhelm-Schule) in die Oberstufe.

3,8 Prozent ohne Schulabschluss

Die andere Seite: Im Werra-Meißner-Kreis blieben zuletzt 3,8 Prozent (Vorjahr: 5,2 Prozent) ohne jeglichen Abschluss. In ganz Hessen beendeten 5,0 Prozent die Schulzeit ohne einen Hauptschulabschluss, bundesweit sind es jetzt 6,8 Prozent. Grundsätzlich ist im Werra-Meißner-Kreis ein positiver Langzeit- Trend zu erkennen: 2010 blieben 7,6 Prozent ohne Abschluss, 2013 waren es 4,8 und 2018 sind es 5,3 Prozent. Krompholz: „Es gelingt hier eher, Jugendlichen verlässliche Beziehungsstrukturen anzubieten als in großstädtischen Ballungsräumen. Hinzu kommt, dass der Anteil von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache bei uns geringer ist. Es greifen intensive pädagogische Anstrengungen vor Ort.“

Gute Erfolge im Kampf gegen Schulabbrecher

Laut des Bildungsberichtes 2020, der mit Zahlen von 2018 arbeitet, gelte nach wie vor die einfache Faustformel: Mama Abitur, Papa Abitur, Kind Abitur. „Mehr als sieben von zehn Kindern, von denen mindestens ein Elternteil Abitur oder Fachhochschulreife hat, erreichen diesen Abschluss ebenfalls“, sagt die Bildungsstatistik. Abitur

Wahl zwischen G8 und  G9 oder beidem

An den hessischen Gymnasien und Gymnasialzweigen der kooperativen Gesamtschulen besteht seit März 2014 die Wahlfreiheit der Schulen zwischen G8, G9 und dem Parallelangebot G8/G9. 

Kaum Unterschiede in Abiturleistungen 

Die Zahlen der Abitur-Durchschnittsnoten im Bezirk des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg und den Werra-Meißner-Kreis vom Hessischen Kultusministerium belegten indes, dass es „keine signifikanten Unterschiede in den Abiturleistungen zwischen G8- und G9-Schülern gab“. G8-Schüler schnitten seit dem Schuljahr 2011/2012 immer einen Hauch besser ab. Die Abi-Durchschnittsnoten lagen bei G9 etwa bei 2,5, bei G8 in der Regel um 0,1 Noten besser. Im Schuljahr 2019/2020 haben sich die Ergebnisse sogar angeglichen. „Die Akzeptanz der Eltern und der Schülerschaft ist gegenüber G9 deutlich größer, obwohl wissenschaftliche Studien zeigen, dass keine eindeutige Überlegenheit von G8 oder G9 belegt werden kann“, sagt Jürgen Krompholz, Schulaufsichtsbeamter für Gymnasien. 

Schulabbrecher 

Die Region Werra-Meißner könne vergleichsweise gute Erfolge im Bemühen um die Vermeidung von Schulabbrechern aufweisen. Mit Ausnahme des Schuljahres 2017/18 habe man im Schulamtsbezirk die erfreuliche Entwicklung, dass die Zahl der Schüler ohne Abschluss stetig sinke. „Die Erhöhung 2017/18 kann mit dem Anstieg der Zahlen der Geflüchteten zusammenhängen, die nach 2015 in höherer Zahl zu uns in die Schulen kamen“, sagt Krompholz.´Mehrere Maßnahmen, um abschlussgefährdete Jugendliche vor dem Desaster zu bewahren, liefen derzeit im Kreisgebiet. 

Im Hauptschulprojekt Puscha werden Schüler der Brüder-Grimm-Schule in Eschwege in den Klassenstufen 8 und 9 rechtzeitig begleitet. Sie besuchen an drei Tagen den Unterricht in der Schule und haben zwei Tage die Chance, sich beruflich zu orientieren. 

Sommercamps wie an der Anne-Frank-Schule helfen, frühzeitig und präventiv die Chance auf einen erfolgreichen Schulabschluss deutlich zu erhöhen. Seitens des Werra-Meißner-Kreises wird durch das Projekt „Justiq – Jugend stärken im Quartier“ die Zielgruppe der Jugendlichen mit einem drohenden Scheitern in der Schule gleichfalls betreut.

Neuestes Angebot: das „Clearing zum Schulabsentismus“. Hier unterstützt das Team der Kompetenzagentur Schulen, Eltern und Jugendliche bei drohenden und bestehenden Problemen hinsichtlich Schulabsentismus. Ziel ist es, die Jugendlichen wieder an Schule heranzuführen und damit eine wichtige Basis für das Erreichen des Schulabschlusses zu schaffen

Rubriklistenbild: © ZDF und Nadja Kölling

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