Wenn der Goldstaub fliegt

Goldschmiede konzentrieren sich heute auf Sonderwünsche und Reparaturen

Sägt die Goldplatte in Form: Goldschmiedin Anna Schäfer fertigt aus dem Altgold eines Kunden einen neuen Ring. Fotos: Pflug

Eschwege. Ein bisschen wie Frau Holles Goldmarie fühlt man sich, wenn in der Werkstatt der Goldstaub durch die Luft wirbelt, während Goldschmiedin Anna Schäfer am Ring eines Kunden feilt. Kurz vorher hat sie die alten Ringe des Kunden eingeschmolzen, gegossen, zu einem Blech gewalzt, gebogen und dann gelötet. Alte Schmuckstücken reparieren oder aufarbeiten und Kundenwünsche in Metall gießen: Das gehört heute zu den Hauptaufgaben von Goldschmieden.

Wie viele alte Handwerke hat auch die Goldschmiedekunst mit der Konkurrenz aus der Industrie zu kämpfen. Mit deren Preisen könne man nicht konkurrieren, sagt Yvonne Klippert-Tischendorf, die mit Schäfer und Karin Leister seit 2004 in einer Ateliergemeinschaft unter dem Namen Aura in Eschwege zusammenarbeitet. Massenproduktion sei ihnen nicht möglich. Doch je höher die Stückzahlen, desto günstiger der Preis. Das zeigt sich schon bei Kleinserien, die im Gegensatz zu Einzelstücken mit Hilfe von selbst entworfenenen aber fremd gefertigten Gussformen von Dritten hergestellt werden. Leister erklärt, dass ein Anhänger, den sie als Kleinserie gefertigt hat, 84 Euro kostet, als Einzelstück aber fast das Dreifache gekostet hätte.

Außerdem könnten die Goldschmiede nicht jedem Trend folgen. „Materialien wie Titan oder Edelstahl können wir hier zum Beispiel nicht verarbeiten“, sagt Leister. Die Industrie ist dank computergestützter Herstellungsverfahren meist viel schneller, so Klippert-Tischendorf. Was ihre Schmuckstücke so teuer mache, seien aber nicht die Materialien, sondern die Arbeitszeit, erklärt Schäfer. Eine Sonderanfertigung dauere mindestens zwei Wochen. Neue Kleinserien, wie die Anhänger zum Open Flair, zu entwerfen und zu produzieren, dauere dann auch schon einmal zwei Monate. „Der kreative Prozess kann dauern“, sagt Schäfer.

Und zur Goldschmiedekunst gehört eine große Portion Kreativität, da sind sich die drei Goldschmiedinnen einig. „Manchmal versuchen wir auch grünkarierte Maiglöckchen herzustellen“, sagt Leister schmunzelnd. Grünkarierte Maiglöckchen sind die Ideen, die besonders viel Kreativität erfordern. „Wir entwerfen gern gemeinsam mit dem Kunden“, sagt Klippert-Tischendorf. Da sei viel Fingerspitzengefühl gefragt und man halte während des Schaffensprozess immer wieder Rücksprache.

Es gehe nicht darum Luxusgüter zu schaffen, sondern die Aura, den emotionalen Zustand der Kunden einzufangen. „Quasi Seelenschmuck“, ergänzt Schäfer. Auch wenn sie Altgold in etwas Neues umarbeiten, etwa wenn ein altes Stück nicht mehr gefällt, bleibe doch immer der ideelle Wert erhalten.

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