Betroffene leiden häufig im Stillen

Diagnose Lipödem: Schmerzhaft und frustrierend

Werra-Meißner- Diagnose Lipödem: Wenn das Tragen von kurzen Röcken oder ein Schwimmbadbesuch zu einer Bewährungsprobe werden. Schuld daran ist oft eine chronische Fettverteilungsstörung. 

Kurze Röcke oder Hosen sind tabu, ein Schwimmbadbesuch ist für sie nahezu undenkbar. Frauen wie Sonja Hupfeld leiden unter ihren voluminösen Beinen – aus Scham oft im Verborgenen.

Unzählige Diäten werden ausprobiert, dazu diszipliniert Sport getrieben – aber: Das Problem wird größer statt kleiner. Das Gewebe an den Beinen spannt und schmerzt, beim kleinsten Druck bilden sich blaue Flecken. „Viele Menschen können mit diesem Leidensbild wenig anfangen“, beschreibt Sonja Hupfeld. „Ja, oft wird diese Krankheit nicht einmal als Krankheit empfunden.“ Die Betroffenen, in aller Regel Frauen, leiden still, manchmal bis hin zur depressiven Verstimmung. Und auch bei ihr dauert es Jahre, bis ein Facharzt endlich die Diagnose stellt: Lipödem.

Diagnose: Lipödem

Das Lipödem trifft fast ausschließlich Frauen. Gänzlich erforscht sind die Ursachen der chronischen Fettverteilungsstörung nicht; hormonelle Ursachen gelten aber als wahrscheinlich. Die Beschwerden beginnen meist in Phasen hormoneller Veränderung wie der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft. Die Fettgewebezellen vergrößern und vermehren sich unkontrolliert – meist an den Beinen, aber auch an Hüfte, Po oder Armen.

Stadien der Krankheit

Ein Lipödem schränkt die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. Neben den körperlichen Beschwerden kann die Erkrankung auch psychisch sehr belastend sein, denn die Frauen fühlen sich meist sehr unwohl mit ihrem Aussehen. Kennzeichnend für ein Lipödem ist die stetige, symmetrische und reiterhosenartige Fettzunahme: Während etwa Beine oder Arme sehr voluminös werden, bleiben Körpermitte, Hände und Füße schlank. Drückt irgendwann zu viel Fettgewebe auf das Lymphsystem, kann sich zusätzlich ein Lymphödem bilden: Der Lymphtransport ist beeinträchtigt und die Lymphflüssigkeit staut sich.

Gang zum Facharzt

Das vermehrte Fettgewebe beim Lipödem hat nichts mit der Kalorienaufnahme zu tun und wird mit einer Diät nicht weniger. Stellen Frauen Symptome fest, sollte sie der erste Gang zum Facharzt führen, beispielsweise zu einem Phlebologen (Behandlung von Venenerkrankungen). „Die Untersuchung ist völlig unkompliziert und schmerzfrei“, weiß Sonja Hupfeld. Die Diagnose wird mittels einer Ultraschalluntersuchung gestellt. Statt zu einer – oft teuren, weil nicht alle Krankenkassen die Kosten tragen – Operation raten Ärzte oft zu einer konservativen Therapie. Unterschieden wird zwischen Entstauungs- und Erhaltungsphase.

Zwei Therapie-Phasen

Begonnen wird meist mit manuellen Lymphdrainagen, durchgeführt von speziell ausgebildeten Therapeuten oder Ärzten. Dabei werden Beine oder Arme durch sanfte Handgriffe entstaut, und die Schwellungen unter der Haut verringern sich. Kompressionsverbände lassen sich an die sich täglich veränderten Formen und Umfänge des Ödems anpassen. Das Anlegen eines solchen Verbandes ist ebenfalls Therapeuten und Ärzten vorbehalten. In der späteren Erhaltungsphase ändern sich Umfang und Form nur noch langsam: Daher können nun medizinische Kompressionsstrümpfe nach individuellen Maßen angefertigt werden.

Lebensqualität durch Kompressionsstrümpe

„Mittlerweile häufig“ beraten die Mitarbeiter des Sanitätshauses Saniwohl in Eschwege betroffene Frauen hinsichtlich der Wahl der Kompressionsstrümpfe, sagt Mareike Mielke von der Geschäftsleitung. „Weil die Krankheit Lipödem in jüngster Vergangenheit auch öffentlich thematisiert wird, trauen sich Betroffene endlich, etwas gegen ihr Leiden zu unternehmen.“ Eine konsequente Therapie bringe rasche Erfolge, weiß auch Sonja Hupfeld zu berichten: „Die Therapie ist wirklich eine Befreiung“, sagt die Patientin. Alltäglichkeiten wie der Hoseneinkauf machen mit schlanken Beinen wieder Freude – „das ist schlichtweg gewonnene Lebensqualität“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare