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Tischler - Ein Beruf, der Spuren hinterlässt

Auf der anderen Seite zählt handwerkliches Geschick: Wer zwei linke Hände hat, ist in diesem Beruf eher fehl am Platz.

Tischlerei Berneburg bildet seit 100 Jahren junge Menschen aus

Guck mal, das habe ich gebaut. Da steht mein Name drauf, das ist jetzt schon 50 Jahre her und wird noch viele weitere Jahre bestehen.“ So oder ähnlich könnte ein Gespräch zwischen Großvater und Enkel ablaufen, wenn der Großvater Tischler ist. „Unser Beruf hinterlässt im Stadtbild sichtbare Spuren. Arbeitet man an einem prestigeträchtigen Bauwerk, dann hinterlassen die Gesellen ihre Namen und das Datum auf einem Bauteil, um den nachfolgenden Generationen stolz mitzuteilen, dass sie beim Bau oder der Restauration dabei waren“, erzählt Thorsten Berneburg, Inhaber in dritter Generation der gleichnamigen Tischlerei aus Eschwege. Wenn er von seinem Beruf erzählt, gerät er leicht ins Schwärmen. Tischler ist für ihn schlichtweg ein schöner Beruf. „Unsere Arbeit ist sehr abwechslungsreich und man kann in einem großen Umfang seinen Arbeitsalltag selbst gestalten.“ Bereits ein ganzes Jahrhundert gibt es die Tischlerei Berneburg nun schon und

von Anfang an wurde hier Wert auf die Ausbildung des fachlichen Nachwuchses gelegt.

Ausbildung ist perfekter Grundstein

Für Tischlermeister Berneburg ist die Ausbildung ein wichtiger Bestandteil des deutschen Handwerks. „Wir stehen vor einem großen Problem, dass teilweise jetzt schon und besonders in den kommenden Jahren ein eklatanter Fachkräftemangel herrscht. Mit der Ausbildung junger Menschen können wir dem etwas entgegensetzten. Dazu muss es uns gelingen, den Nachwuchs zu begeistern.“ Ein guter Weg sei hier das Schülerpraktikum, da es die Möglichkeit bietet, in den Beruf reinzuschnuppern.

Schülerpraktikum ist wichtig

Auf der anderen Seite zählt handwerkliches Geschick: Wer zwei linke Hände hat, ist in diesem Beruf eher fehl am Platz.

Viele der Azubis bei Tischlerei Berneburg haben über ein Schülerpraktikum zu ihrer Ausbildung gefunden. So auch Niklas Walter und Florian Krug. Beide haben ihre Entscheidung bisher nicht bereut und schätzen das gute Klima im Ausbildungsbetrieb. Der 16-jährige Niklas ist bereits im zweiten Lehrjahr und schon von klein auf von Holz begeistert: „Ich habe quasi mein Hobby zum Beruf gemacht und kann jedem nur empfehlen, die Möglichkeit zu nutzen, über ein Praktikum den Beruf kennenzulernen.“ Beiden macht die abwechslungsreiche Arbeit Spaß, die auch gerade durch den engen Kontakt zu den Kunden, immer wieder anders ist. Sein 15-jähriger Kollege Florian, der seine Ausbildung in diesem Jahr begonnen hat, lernte das Tischlern in der Hobbywerkstatt seines Opas kennen: „Ich mochte Holz eigentlich schon immer. Es ist warm und lässt sich schön verarbeiten.“

Klar, ist die Arbeit in einer Tischlerei nicht dasselbe wie an der heimischen Werkbank, das wissen beide. Die Ausbildung sei fordernd und auch körperlich anstrengend. „Wir sind halt nicht mehr in der Schule. Arbeiten ist etwas anderes, aber nicht schlechter. Wer sich für das Handwerk interessiert, dem kann ich nur raten, sich für eine Lehre zu entscheiden“, so Niklas Walter.

Handwerker sind gefragt

Thorsten Berneburg bereitet die Arbeit mit seinen Lehrlingen grundsätzlich viel Freude und er hofft, so einen Beitrag zum Fortbestand des Handwerks beitragen zu können: „Wer jetzt eine Lehre macht, der hat mehr als gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn die Handwerker werden weniger, während die Auftragslage weiterhin positiv bleibt. Außerdem gibt es auch bei uns gute Weiterbildungsmöglichkeiten.“ Wer mehr Verantwortung übernehmen will, kann seinen Meister machen und selbst einen Betrieb gründen. Oder, wie Thorsten Berneburg zu bedenken gibt, einen der eingesessenen Betriebe übernehmen. Von denen hätten schon jetzt viele Probleme, einen Nachfolger zu finden.

Auf der einen Seite hoch technisch: Tischler müssen oft mit großen Maschinen und CAD-Programmen arbeiten.

Arbeitswille & geschickte Hände

„Nach den drei Jahren Lehre folgen in der Regel ein paar Gesellenjahre, bevor man sich für den Meister anmeldet. Mitbringen sollten Bewerber handwerkliches Geschick, mathematisches Verständnis und ganz wichtig, den Willen zu arbeiten und was Neues zu lernen.“

In ganz Europa

Die Tischlerei Berneburg gehört zu den wenigen, die noch Möbel nach Wunsch anfertigen, aber auch Restauration sowie der Innenausbau gehört zum Portfolio. „Wir waren an den Restaurationsarbeiten eines Landsitzes bei London beteiligt, planen gerade Arbeiten in einer Seniorenresidenz in Hamburg und dürfen oft als Auftragsnehmer der Firma Gerloff in hochklassigen Hotels in ganz Europa unser Können zeigen. Es wird nie langweilig bei uns“, freut sich Thorsten Berneburg, der sein Team um einen weiteren Gesellen vergrößern möchte. „Bewerbungen nehmen wir gerne an.“ 

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