Präzision

Weltweit wird mit Instrumenten aus Wanfried operiert

Viermal 25 Jahre: (v.l.) Ralph Schröder, Jörg Stöber, Peter Janisch, Thomas Richardt feiern ihre 25-jährige Dienstzugehörigkeit. Hierzu gratuliert Geschäftsführer Bernd Range ganz herzlich. Fotos: Maren Schimkowiak

Wanfried- Die Pfau Medizinische Instrumente GmbH ist einer der führenden Hersteller von Instrumenten für den Hals-, Nasen- und Ohrenbedarf, weltweit wird mit diesen Geräten operiert.

„Der Vogel fliegt wieder“, so betitelte die heimische Zeitung am 1. Januar 1995 die Neugründung der Pfau Medizinische Instrumente GmbH. Heute lässt sich sagen: „Der Vogel fliegt immer noch.“

Erstgründung im Jahr 1837

Das Unternehmen, das vor 25 Jahren gemeinsam von den Mitarbeitern Manfred Schneider, Bernd Range, Jörg Stöber, Peter Janisch, Wolfgang Jakal, Franz Zenzinger, Karl-Heinz Wüstling, Jürgen Reichert und Ralph Schröder neu gegründet wurde, hat seinen Ursprung in der Firma Pfau, die 1837 von Heinrich Pfau in Berlin gegründet wurde. Damals wie heute ist der Betrieb auf die Herstellung von chirurgischen Instrumenten spezialisiert: auf Instrumente für den Hals-, Nasen- und Ohrenbedarf sowie für die Allgemeinchirurgie. In den 1920er-Jahren siedelte sich die Firma Pfau im Drosselweg in Wanfried an, wo sie auch heute noch ihren Sitz hat. In den 1950er-Jahren war das Unternehmen von einer Insolvenz bedroht, in den kommenden Jahren folgten einige Übernahmen, zunächst durch die B. Braun Melsungen AG, später durch die Aesculap AG Tuttlingen. Nachdem Aesculap sich bis zu Beginn der 90er-Jahre zu einem weltweit führenden Medizin-Technik-Unternehmen entwickelt hatte, sollten der Standort in Wanfried sowie weitere Produktionsstätten in Deutschland geschlossen werden. „Das war die Geburtsstunde unseres heutigen Betriebes“, erinnert sich Bernd Range, der seit 2006 Geschäftsführer von Pfau ist und damals zu den Gründungsmitgliedern zählte. „Wir wollten unseren Standort sichern und können mit Stolz sagen, dass uns das gut gelungen ist.“

Führender Hersteller für Medizintechnik

Auf das Hundertstel genau: Bei der Montage von 0,3-Millimeter Gelenkstiften in Ohrzängchen kommt es auf Präzision an.

Heute zählt das Wanfrieder Unternehmen noch immer zu den führenden Herstellern von chirurgischen Instrumenten, auch die Aufarbeitung und Reparatur von medizintechnischem Bedarf findet hier statt. In der modernen Produktionsstätte entstehen rund 3000 verschiedene Instrumente, insgesamt 44 Mitarbeiter zählt der Betrieb. Seine Produkte gehen an Zwischenhändler, wie zum Beispiel die global agierende Aesculap, die eine umfassende Palette an Medizintechnik vertreiben. Weltweit setzen Ärzte, insbesondere in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, die Instrumente ein, die in Wanfried gefertigt werden. „Bei unserer Arbeit kommt es oftmals auf den kleinsten Millimeter an, teilweise sind die Instrumente so filigran, dass die präzise Fertigung unerlässlich ist.“

Unternehmen im Wandel

Das Unternehmen Pfau ist höchstspezialisiert und benötigt ebenso spezialisierte Mitarbeiter, weshalb der Ausbildung des eigenen Nachwuchses auch ein hoher Stellenwert beigemessen wird. „Wir bilden den Beruf Werkzeugmechaniker, Fachrichtung Instrumententechnik aus und vergeben jedes Jahr einen Ausbildungsplatz“, erklärt Bernd Range. Aktuell lernen drei junge Menschen den Beruf, die Übernahmechancen seien sehr gut. „Dadurch, dass wir für uns selbst ausbilden, haben wir ein recht junges Team, das mit viel Kompetenz und Energie bei der Sache ist.“

Die Medizintechnik ist im stetigen Wandel begriffen, die Ansprüche an Operationswerkzeuge werden immer höher. „Oftmals haben Ärzte bestimmte Bedarfe, was die Feinjustierung der Instrumente betrifft“, so Range weiter. Hier könne das Unternehmen flexibel reagieren und auch neue Instrumente entwickeln.

In den vergangenen drei Jahren habe der Betrieb hohe Investitionen in seine Anlagen unternommen und etwa neue Laser-Schweiß-Geräte, einen Vakuumhärteofen oder CNC-Maschinen, die automatisch in Spät- und Nachtschicht laufen, angeschafft. Außerdem will das Unternehmen mit der Umsetzung der Richtlinien des neuen Medizinproduktegesetzes ab 2024 seine Produkte unter eigenem Namen auf den Markt bringen. Auch Corona hat der eigentlich krisensicheren Branche zugesetzt. „Viele geplante Operationen haben in diesem Jahr nicht stattgefunden“, dadurch sei die Nachfrage nach Medizintechnik zurückgegangen. Auch das große Jubiläumsfest, das eigentlich für den 10. Oktober 2020 geplant war, musste coronabedingt um ein Jahr nach hinten geschoben werden. „Wir wollen mit unseren Lieferanten, Kunden und natürlich den Mitarbeitern feiern.“ Auch ein Tag der offenen Tür sei, nun für den 9. Oktober 2021, geplant, bei dem sich die Bevölkerung einen Eindruck von dem Unternehmen, das trotz seiner langen Tradition und Bedeutung in der Medizintechnik in der Region recht unbekannt ist, machen kann.

Herzlichen Glückwunsch den Jubilaren

Aber bei allem Aufschieben bleibt doch denen, die das Unternehmen vor 25 Jahren mitgegründet haben und die noch heute an der Zukunft der Pfau GmbH mitwirken für ihre Jubiläen zu gratulieren: Ralph Schröder, Jörg Stöber, Peter Janisch und Thomas Richardt.

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