Vögel ziehen in Massen 

Werra-Meißner: Beobachter entdecken Hunderte Kiebitze

Brütet am Boden: Der Kiebitz kam in den 1980er-Jahren noch zahlreich im Werra-Meißner-Kreis vor. Mittlerweile ist er selten geworden. Am Wochenende wurden aber Hunderte Exemplare im Gebiet von Herleshausen bis Blickershausen entdeckt. Foto: Hinsche/nh

Werra-Meißner. Überaus zahlreiche Kiebitztrupps sind am Wochenende über den Werra-Meißner-Kreis hinweggezogen.

Zahlreiche Anrufe erreichten den Kreisbeauftragten für Vogelschutz, Wolfram Brauneis, von aufmerksamen Beobachtern. „Die Sichtungen kamen aus allen Teilen des Kreises“, berichtet Brauneis gegenüber unserer Zeitung.

Hauptsächlich wurden die Vögel in der Werraaue gesehen: von Herleshausen im Süden bis nach Witzenhausen-Blickershausen im Norden. Aber auch in davon abseits gelegenen Landschaftsgebieten, wie bei Witzenhausen-Roßbach, im Raum Großalmerode, bei Waldkappel und in den Bereichen des Ringgaus und bei Hessisch Lichtenau gab es Kiebitz-Beobachtungen. „Dabei gab es Truppstärken von bis zu einhundert Exemplaren“, sagt Brauneis. Doppelzählungen schließt er aufgrund der Zeit- und genauen Gebietsangaben weitgehend aus. Warum dieses Massenaufkommen nun gerade an diesem frostigen Wochenende stattgefunden hat, bleibt zunächst Spekulation. „Der heftige Ost- bzw. Nordostwind könnte bei den Vögeln einen kontinuierlichen Weiterflug verhindert und so zum Zwischenstopp veranlasst haben“, vermutet Brauneis.

Population früher

Um ein solch vergleichbares Ereignis für den Werra-Meißner-Kreis herauszufinden, musste Brauneis in alter Literatur aus dem Jahre 1985 („Vögel des Werra-Meißner-Kreises“) nachschlagen. „Damals kamen solche Massenflüge schon mal häufiger vor und vor allem die Truppgrößen waren in jenen Jahren um ein Vielfaches größer.“ Bis zu 1000 Individuen waren es vor rund 30 Jahren. Auch war der Kiebitz damals im Kreisgebiet noch jährlicher Brutvogel.

Population heute

Die Zeiten haben sich aber geändert. Der Vogel ist heute überall bedroht und brütet in gegenwärtiger Zeit nicht mehr im Kreisgebiet. Fehlende Feuchtwiesen mit geeigneten Neststandorten und vor allem die steigende Zahl der Fressfeinde sind die Gründe, dass die Jungen des Bodenbrüters nicht mehr flügge werden. Und an Mais- und Rapsfelder vermag sich der Kiebitz, trotz einiger Versuche, nicht erfolgreich anzupassen.

Ausblick

Die meisten der noch verbliebenen Brutareale der schwarz-weißen Vögel liegen in Deutschland im Norden und vor allem in Nordosten, wo sie bereits Ende März bis Anfang April mit ihrem Brutgeschäft beginnen. Kiebitze sind Teilzieher und ihre Überwinterungsgebieten liegen im Südwesten Europas (Frankreich). „Ich hoffe, dass einige von den großen Trupps auch im Werra-Meißner-Kreis bleiben, erfolgreich brüten und trotz des vermehrten Feinddrucks die Jungen flügge werden“, sagt Brauneis.

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