„Die Tourismusbranche ist am Boden“

Coronavirus: Was bedeutet die aktuelle Krise für die Reisebüros in der Region?

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Stehen vor schwierigen Zeiten: Janine Triller und Michael Hobbie vom Reisebüro Auf und Davon in Sontra. 

„Die Tourismusbranche ist am Boden“ - das sagen die Reiseveranstalter aus dem Werra-Meißner-Kreis zur aktuellen Corona-Krisenlage.

Abgelegene Strände, urbane Städte und spektakuläre Naturlandschaften – Orte, zu denen die Deutschen normalerweise das ganze Jahr über gern verreisen. Aktuell sieht das Bild anders aus: Geschlossene Grenzen, reduzierte Flüge, Kreuzfahrtunternehmen, die ihre Reisen komplett eingestellt haben und ihre Schiffe im Hafen liegen lassen müssen, angedrohte Quarantäne, wenn man in viele Länder einreisen möchte. Alle Reisen bis zum 27. März wurden abgesagt. Die großen Reiseveranstalter FTI, TUI und Alltours haben bis Ende März alle Reisen, egal in welches Land, storniert, weitere Reiseveranstalter werden folgen.

Was bedeutet die Corona-Krise für unsere regionalen Reisebüros? 

Seit Mitte Februar beschäftigen sich die Reisebüro-Mitarbeiter täglich mit neuen Gegebenheiten, haben mit Umbuchungen oder Stornierungen zu tun. In den vergangenen zwei Wochen hat sich die Lage zugespitzt: „Wir haben aktuell nur Stornierungen und Umbuchungen, dadurch haben wir keine Provisionen und verdienen nichts“ erklärt Michael Hobbie vom Reisebüro Auf und Davon in Sontra. „Die meisten unserer Kunden sind mittlerweile wieder zuhause, die letzten werden in dieser Woche wieder in Deutschland ankommen“ so Karl Gleim vom First-Reisebüro am Markt in Eschwege. „Wir haben auch nach Büroschluss und am Wochenende geschaut, dass unsere Kunden schnellstmöglich nach Hause kommen können.“ Aktuell haben 70 Länder ein Einreiseverbot für Deutsche verhangen und die Grenzen dichtgemacht. „Für uns als Reisebüro ist das gut, dann können wir besser handeln“, so Michael Hobbie.

Geld zurück

„Die Reiseveranstalter müssen eine Vorgabe haben, der Reisevertrag kann nicht erfüllt werden und die Kunden bekommen ihr Geld zurück“, fügt Karl Gleim an. So eine Einschränkung gab es noch nie und die Situation ist für alle ungewohnt. Trotzdem gingen die Betroffenen damit sehr gut um: „Die Kunden sind natürlich enttäuscht, können den Grund aber verstehen“, so Gleim. Kunden, die Reisen im Sommer oder Herbst gebucht haben, müssen sich erst mal gedulden. „Wir können nicht sagen, wie sich die Situation entwickelt. Wir hoffen, dass alles ab Juni wieder stattfinden kann“, so Hobbie.

Wer seinen Urlaub im Reisebüro gebucht hat, hat aktuell viel Glück: Allein bei der Rederei von TUI Cruises sind am vergangenen Wochenende 60 000 Anrufe auf der Kundenhotline eingegangen. Mittlerweile ist die Hotline, genauso wie die von vielen anderen Veranstaltern, abgestellt. Die Unannehmlichkeiten übernehmen für die Reisebürokunden die Mitarbeiter. „Wir kümmern uns um alles, helfen bei Fragen und veranlassen, dass die Kunden ihr Geld zurückbekommen“, erklärt Michael Hobbie.

Zukunft ungewiss

Wie sich die gesamte Situation auf die Reisebüros auswirkt, kann man aktuell noch nicht sagen. „Wir hoffen, dass sich die Situation schnell bessert und wir wieder Geld verdienen“, erklärt Karl Gleim. „Bis dahin müssen wir von Reserven leben, unsere Fixkosten bleiben bestehen.“

„Für uns ist die Lage sehr schwierig. Wir haben gerade unser Reisebüro renoviert und eine neue Mitarbeiterin eingestellt und wollten richtig durchstarten. Wir haben jetzt Kurzarbeit angemeldet, werden aber weiterhin für unsere Kunden da sein und mit Rat und Tat zur Seite stehen“, so Michael Hobbie vom Reisebüro Auf und Davon.

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