Werra-Meißner: Drei Handwerker aus dem Kreis gehören zu den Besten ihrer Zunft

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Bester Meister: Marc Guthardt aus Wehretal-Langenhain ist als bester Meister 2018 von der Handwerkskammer Kassel ausgezeichnet worden.

Werra-Meißner. Die Handwerkskammer Kassel hat bei ihrer Ehrung der Besten auch drei Handwerker aus dem Altkreis Eschwege ausgezeichnet.

Ausgezeichnet wurden die erfolgreichsten Absolventen von Aus- und Fortbildungsprüfungen sowie die besten Meisterprüflinge: Unter ihnen der 24-jährige Kraftfahrzeugmeister Marc Schüler aus Eschwege, der 19-jährige Schornsteinfeger Tim Oeding aus Wanfried sowie Marc Guthardt aus Wehretal, der seine Prüfung als Kraftfahrzeugtechnik-Meister abgelegt hat.

Die Fortbildungsprüfung: Kraftfahrzeugmeister Marc Schüler aus Eschwege geehrt

Praktisches Wissen und Können waren an den insgesamt zwölf Prüfungsstationen gefragt: von der Kundenannahme über die Fehlersuche bis zum Reparaturangebot. Marc Schüler beendete die Fortbildung als Kraftfahrzeug-Servicetechniker mit der Note eins und als Prüfungsbester von 15 Lehrgangsteilnehmern.

Lehrgangsbester: Marc Schüler arbeitet im elterlichen Betrieb in Eschwege. Der Kraftfahrzeugmeister ist von der Handwerkskammer ausgezeichneter lehrgangsbester Servicetechniker. 

Auf hohem Niveau seien die Aufgaben gewesen. „Da waren auch ganz gemeine Fehler versteckt“, sagt Schüler über die Prüfung. „Die Fehlersuche war nicht ganz einfach, weil der Defekt mit dem Diagnosegerät nicht zu entdecken war.“ Der 24-Jährige ist Kraftfahrzeugmeister, arbeitet im elterlichen Betrieb in Eschwege und wurde von der Handwerkskammer Kassel für seine besondere Leistung als Servicetechniker ausgezeichnet.

Etwa 25 Minuten Zeit hatten die Prüfungsteilnehmer an den einzelnen Stationen. „Wir haben unter erschwerten Bedingungen gearbeitet und auch außergewöhnliche Störungen erkennen müssen, die von der Norm abweichen“, berichtet der Kraftfahrzeugmeister.

Solche Situationen seien nicht ungewöhnlich und würden immer wieder mal auftreten. Schüler erinnert sich an einen Fall aus der Praxis: Der Fehlerspeicher im Auto meldete ein defektes Bauteil. „Das musste ausgetauscht werden, war aber nicht die Ursache.“ Tatsächlich verursachten blank gescheuerte Kabel und ein daraus resultierender Kurzschluss die Störung und damit die Beschädigung des fehlerhaften Bauteils. Schüler: „Hätten wir nur das defekte Bauteil ausgetauscht und die Ursache dafür nicht beseitigt, wäre der Fehler immer wieder aufgetreten und das Teil in der Folge auch wieder beschädigt worden.“ Und schlimmer noch: Zwei weitere Komponenten hätten in der Folge ebenfalls Schaden nehmen können.

Marc Schüler hat seinen Beruf bei einem großen deutschen Automobilhersteller gelernt. Nach einiger Praxiszeit legte er die Meisterprüfung ab. Jetzt arbeitet er im elterlichen Betrieb am Hessenring in Eschwege. Sechs Mitarbeiter werden in der markenfreien Werkstatt beschäftigt.

„Für den Herbst suchen wir einen Auszubildenden“, sagt Schüler. Engagiert und freundlich müsse der sein, den Kunden gegenüber offen auftreten. Die Schulnoten, so der Meister, seien zweitrangig. (hs)

Die Meisterprüfung: Kraftfahrzeugtechnikmeister Marc Guthardt aus Wehretal gewürdigt

Egal, ob es sich bloß um einen Ölwechsel handelt, eine Zentralverriegelung repariert oder gleich der ganze Motor instand gesetzt werden muss: Der Langenhainer Marc Guthardt beherrscht alles. „Das gehört einfach zu meinem Aufgabengebiet dazu“, erzählt der 32-Jährige. 

Bester Meister: Marc Guthardt aus Wehretal-Langenhain ist als bester Meister 2018 von der Handwerkskammer Kassel ausgezeichnet worden.

Schon im Kindesalter habe er seine Leidenschaft für das Schrauben entdeckt und diese bis heute so gut perfektioniert, dass er jetzt dafür ausgezeichnet wurde: Die Handwerkskammer aus Kassel zeichnete den jungen Mann jetzt nicht nur als einen der besten Meister aus, die im Bereich der Kraftfahrzeugtechnik ihre Prüfung abgelegt haben, sondern auch als einen der besten Kfz-Servicetechniker. „Neben den Tätigkeiten in der Werkstatt gehört natürlich noch viel mehr zu den Tätigkeiten eines Meisters dazu“, sagt Guthardt, auch wenn er zugibt, dass er seine Arbeitstage derzeit schon am liebsten in der Werkstatt verbringt, um Autos jeglicher Hersteller wieder fahrtüchtig zu machen. 

So seien Grundkenntnisse in der Fahrzeugkunde ebenso wie der technische Fachwirt unerlässlich, und auch die Eignung, andere ausbilden zu können, müsse nachgewiesen werden. „Diesen Teil habe ich vor meiner Meisterprüfung schon bei der Bundeswehr gemacht, bei der ich nach meinem Abitur eine Offizierslaufbahn eingeschlagen und meinen Master in Elektrotechnik gemacht habe.“ Viel Wissen aus dem Studium habe er dann während der Vorbereitung auf die Meisterprüfung nutzen können, auf die er sich sieben Monate höchstkonzentriert vorbereitet hat. 

„Ich wollte diesen Abschluss gerne machen, damit ich später einmal den Betrieb meiner Eltern, den Auto-Shop in Eschwege, übernehmen kann.“ Einst war dort gar keine Werkstatt angesiedelt, weil Vater Dirk im kaufmännischen Bereich tätig ist und sich so auf den Vertrieb von Einzelteilen konzentriert habe. „Aber irgendwann ist sie dann mit dazugekommen“, – für den 32-Jährigen ein Glücksfall, ist sie doch heute sein Arbeitsplatz. Mit der Meisterprüfung ist für Guthardt das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. „Regelmäßige Schulungen sind wichtig, weil sich ständig alles weiterentwickelt.“ Wichtig sei ihm deshalb auch, dass nicht nur er, sondern auch die Kollegen Fortbildungen nutzten. (cow)

Die Gesellenprüfung: Schornsteinfeger Tim Oeding aus Wanfried ausgezeichnet

Tim Oeding (19) versteht seinen Beruf so klassisch, wie man ihn sich vorstellt. Der Schornsteinfeger ist in seinem Bezirk bekannt wie der sprichwörtlich bunte Hund. Für Kunden und Passanten, die ihn auf der Straße ansprechen oder auch mal zu Glückszwecken anfassen möchten, hat er immer ein freundliches Wort übrig. 

Schornsteinfeger Tim Oeding aus Wanfried war Kammersieger und Landessieger der Handwerkskammer Kassel und gehört zu den fünf besten Schornsteinfegern in Deutschland.

Und auch das halbe Jahr, das er mit dem Fahrrad in Wanfried von Haus zu Haus unterwegs war, hat ihn geprägt. Trotz aller Bodenständigkeit: Scheinbar ganz nebenbei hat sich Tim Oeding im Vergleich mit den besten Gesellen in ganz Hessen auch noch durchgesetzt. Dabei hat der 19-Jährige seine Leidenschaft für den Beruf des Schornsteinfegers erst spät entdeckt. Schulpraktika haben den Wanfrieder nicht auf den Weg gebracht. 

Nachdem ein Schornsteinfeger bei seinen Eltern gekehrt hatte, schnupperte er in den anschließenden Ferien in den Beruf. Schon kurze Zeit später war er Lehrling, – und wie. In seinem Ausbildungsjahrgang war er immer der Jüngste. Seine Abschlussprüfungen hatte er ein halbes Jahr vorgezogen. Weil sein Ausbilder, der Bezirksschornsteinfegermeister Horst Wagner, einen neuen Gesellen suchte. Oedings Vorgänger Timo Schneider hatte gerade einen eigenen Kehrbezirk übernommen. „Das war ein echter Glücksfall für mich“, sagt Tim Oeding. Nicht nur, weil die Stelle frei wurde, sondern weil der Azubi in Timo Schneider einen perfekten Anlerner hatte. „Ihm und meinem Chef habe ich viel zu verdanken“, sagt Oeding. 

Sie hätten während der Ausbildung in ihm die Liebe zu seinem Beruf geweckt. Zu seinen Erfolgen gehört der Kammersieg mit seiner Gesellenprüfung im Raum Kassel. Mit einer glatten Zwei hatte er die anderen Auszubildenden hinter sich gelassen. Das Angebot, sich mit den Siegern der Handwerkskammern aus Darmstadt und Frankfurt zu messen, nahm Oeding ebenfalls an – und gewann. Beim Bundesvergleich gab es den ersten kleinen Rückschlag. Hier wurde er „nur“ Fünfter von acht Teilnehmern. Was man als guter Schornsteinfeger mitbringen muss? „Keine Höhenangst“, schmunzelt Tim Oeding. 

Denn das Schornsteinkehren, das ihm am meisten Spaß bereitet, ist auf den Dörfern immer noch weit verbreitet. „Das Wichtigste ist Offenheit“, hat Oeding mit der Zeit festgestellt. Offen ist Tim Oeding auch für Neues. Gerade hat seine Meisterschule begonnen. Das erledigt er neben seinem Berufsalltag in Teilzeit. 2019 stehen die Prüfungen an. Die will der 19-Jährige wieder „so gut wie möglich“ bestehen. Dass er mit dann 21 Jahren zu den Jüngsten seiner Zunft gehört, ist bei seinem Werdegang eigentlich selbstverständlich. (ts)

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