Kaum heimisches Obst durch späten Frost

Werra-Meißner: Einbußen bei Apfelernte von 80 Prozent

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Streuobstwiese Oberdünzebach von Torsten Horn: Von links Silke Flörke (ÖMRN), Torsten Horn, Markus Exner (Projektleiter Grimmheimat Nordhessen), Wolf von Bültzingslöwen vom BUND Werra-Meißner, Heide Tilgner vom BUND, Sabine Marten von der Ökolandbau Modellregion Nordhessen, Dierk Schwedes (Streuobstinitiative im Landkreis Kassel/Silka, (hockend) Torsten Rapp von der Streuobstwiese Werra-Meißner sowie (auf der Leiter) und Elias Horn.

Werra-Meißner. So wenig Obst wie lange nicht gibt es in diesem Herbst im Werra-Meißner-Kreis. 

Hauptgrund ist der späte Frost, der im April nachts noch einmal Temperaturen bis zu minus fünf Grad Celsius brachte und die zuvor in der Wärme ausgetriebenen Blüten erfrieren ließ. „Wir haben maximal noch 20 Prozent der normalen Ernte“, sagt Torsten Rapp von der Streuobstinitiative Werra-Meißner, „das ist aber schon optimistisch geschätzt.“

Normalerweise würden er und seine Kollegen in der Herbstzeit einmal in der Woche Äpfel einsammeln, um diese zu keltern und somit zu Saft verarbeiten zu lassen. Sieben Termine würden so zusammenkommen, „in diesem Jahr hatten wir erst einen und es werden maximal auch nur drei“.

Auch die Apfelkelterei Degenhardt aus Oberdünzebach, die seit Jahren mit dem Obst aus den heimischen Gärten und von den Streuobstwiesen arbeitet, kann kaum etwas keltern: „Im vergangenen Jahr, das eine Ausnahme im positiven Sinn darstellte, haben wir das vier- bis fünfmal die Woche gemacht, das mussten wir jetzt auf einmal reduzieren“, erzählt Ute Degenhardt, deren Betrieb auf die Landwirtschaft ausgerichtet und so trotz der finanziellen Einbußen nicht in Gefahr ist. Andere Keltereien, die Saft verkaufen, wollen dessen Preis wegen der geringen Menge nach Auskunft Rapps nicht erhöhen, sondern stattdessen die Äpfel anderswo einkaufen. Das ist auch in den Supermärkten der Fall, sagt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Werra-Meißner: „Dort gibt es Äpfel und Birnen in Hülle und Fülle.“

Neben dem Wetter, das als Hauptgrund für die schlechteste Ernte seit Jahren gilt, gibt es auch noch einen anderen Grund: „Einige Bäume tragen wegen Überalterung kein Obst mehr“, sagt Rapp, „nachgepflanzt wird aber nur partiell.“ 

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