Minijobs und Teilzeitarbeit können Altersarmut verschärfen

Werra-Meißner: Frauen verdienen 17,3 Prozent weniger als Männer

Werra-Meissner. Auch im Werra-Meißner-Kreis verdienen Männer deutlich mehr als Frauen. Das belegen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Laut dem Zahlenwerk aus dem Jahr 2016 beläuft sich der Mittelwert der Bruttogehälter vollbeschäftigter Männer auf 2896 Euro. Bei den Frauen liegt er bei 2394 Euro. Der geschlechterspezifische Lohnunterschied – auch Gender Pay Gap genannt – beträgt im Landkreis demnach 17,3 Prozent.

Die Statistik zeigt auch, dass sich die Gehälter in den vergangenen Jahren angenähert haben: So lag der Unterschied 2007 noch bei 29,6 Prozent. Seitdem sind die Werte in fast jedem Jahr gestiegen – bei den Frauen jedoch in größeren Schritten. Dass die Lohnungleichheit nach wie vor groß ist, hat mehrere Gründe – zum Beispiel Unterschiede in der Berufswahl.

Hinzu kommt, dass die wesentlich größeren Anteile der schlechter bezahlten Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand sind. Im Werra-Meißner-Kreis wurden im vergangenem Jahr 64,8 Prozent der Minijobs von Frauen ausgeübt, bei Teilzeitjobs waren es sogar 86 Prozent. Aufgrund dieser Ungleichheit spricht Thekla Rotermund-Capar, Gleichstellungsbeauftragte im Werra-Meißner-Kreis, von einem höheren Risiko für Frauen, von Altersarmut betroffen zu sein. Diese hätten im Laufe ihres Lebens schlichtweg weniger Möglichkeiten, Rentenpunkte zu sammeln.

„Familienarbeit ist immer noch Frauenarbeit“, sagt Rotermund-Capar. Viele Arbeitgeber kalkulierten dies bereits im Voraus ein. Einmal in Teilzeit, sei es für die Frauen mühsam, in Vollzeit zu wechseln. Zudem erschwere eine längere Elternzeit, wieder in den bisherigen Beruf einzusteigen. Und: „Das Thema Familienarbeit wird völlig ignoriert“, sagt Rotermund-Capar. In ländlichen Regionen wie dem Werra-Meißner-Kreis fehle es weiterhin an Kita-Plätzen und an Betreuungsmöglichkeiten für unter dreijährigen Kindern.

Von Maximilian Beer

Rubriklistenbild: © dpa

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