Neues Gerät für Gefäße: Verengungen können jetzt am Klinikum Werra-Meißner behandelt werden

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An seinem neuen Arbeitsplatz: Dr. med Henning Köhler arbeitet seit Mitte Mai am Klinikum Werra-Meißner und betreut dort auch den neuen Angiographen. 

Eschwege. Wer an verengten Gefäßen im Becken und in den Beinen leidet, muss seit diesem Sommer nicht mehr in die Städte der angrenzenden Kreise wie Göttingen und Rotenburg fahren, um diese behandeln zu lassen.

Seit Anfang Juni geht das jetzt auch im Klinikum Werra-Meißner am Standort Eschwege: Dort gibt es einen Angiographen, der die Krankheit behandeln kann.

Was genau ist die Angiographie eigentlich?

Damit lassen sich in der Medizin Gefäße radiologisch darstellen. Dazu wird ein Kontrastmittel in das Blutgefäß injiziert. „Ohne das wären die nicht zu sehen“, sagt Dr. med. Henning Köhler, Oberarzt in der Kardiologie und Sektionsleiter in der Angiologie.

Wie muss man sich einen Angiographie-Messplatz vorstellen?

Das ist wie ein Herzkathetermessplatz, den es bereits seit Jahren am Klinikum Werra-Meißner gibt. Wie der auch ist der Angiographie-Messplatz ein Röntgengerät, mit dessen Hilfe die verengten Blutgefäße erweitert werden können.

Wird mit dem neuen Gerät auch die Diagnose festgestellt?

Nein. „Im Werra-Meißner-Kreis gibt es nur einen einzigen niedergelassenen Angiologen“, sagt Köhler. Das ist Dr. Torsten Walter Eggeling. „Der hat die entsprechenden Geräte dafür, Hausärzte können zuvor nur den Puls abtasten.“

Was genau passiert bei der Behandlung?

Mithilfe des Röntgengerätes und dem Kontrastmittel werden die Gefäße des Patienten sichtbar gemacht. Dort, wo sie verengt sind, wird ein dünner Draht hineingeschoben, anschließend werden die Gefäße mithilfe eines Ballons aufgedehnt.

„Dort setzen wir dann einen Stent, meistens aus einer Nickel-Titan-Legierung (kurz Nitinol) ein, die man sich wie ein löchriges Rohr vorstellen kann“, veranschaulicht der Fachmann. Allergien gibt es auf die Materialien nicht, die dafür sorgen sollen, dass das Gefäß nicht wieder zuwächst.

Reicht das als Behandlung aus?

„Nein“, sagt Köhler. Oft wird der Stent dann noch mit einem mit Medikamenten beschichteten Ballonkatheter nachbehandelt, der das gefäßverengende Überwuchern verhindern soll. 

„Der Stent wächst in die Gefäßwand ein und kann nicht wieder entfernt werden“, so Köhler, der seit Mitte Mai am Klinikum in Eschwege tätig ist, zuvor 21 Jahre am Herz-Kreislauf-Zentrum Hersfeld-Rotenburg war und dort bereits mit dem Angiographie-Messplatz gearbeitet hat.

Können mit dem Gerät auch nach wie vor noch Stents am Herzen gesetzt werden oder werden damit nur die Gefäße in Becken und Beinen behandelt?

Nein, sagt Köhler, auch am Herzen könne mit diesem Gerät gearbeitet werden. Der Herzkathetermessplatz, den es bereits schon seit Jahren gibt und mit dem ausschließlich die Herzgefäße behandelt werden können, bleibt zudem auch weiterhin bestehen. 

„Wir sind so jetzt also besser für den Notfall ausgerüstet“, freut sich der Oberarzt. Und auch bei Wartungs- oder Reparaturarbeiten gebe es jetzt einen Ersatz. „So können wir die Patienten im Kreis noch besser versorgen und müssen sie nicht in andere Krankenhäuser schicken.“

Wie lange dauert eine Behandlung?

Das sei unterschiedlich, sagt Köhler. Gearbeitet wird bei den Gefäßen, egal ob im Bein, Becken oder Herzen, immer unter einer lokalen Betäubung. „Wenn es schnell geht, sind wir nach einer halben Stunde fertig, bei etwas komplizierten Eingriffen kann es bis zu zwei Stunden dauern.“

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