Hessische Anbauschwerpunkte im Landkreis

Nirgends in Hessen wird so viel Hanf und Mohn angebaut wie im Werra-Meißner-Kreis

Der Hanf wird bei Niederdünzebach im Werratal mit einem Mähdrescher geerntet.
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Der Hanf wird bei Niederdünzebach im Werratal mit einem Mähdrescher geerntet.

Der Werra-Meißner-Kreis ist hessischer Anbauschwerpunkt für zwei seltene Nutzpflanzen. Sowohl Hanf als auch Mohn wird nirgends in Hessen so häufig angebaut, wie im Werra-Meißner-Kreis.

Werra-Meißner – Das geht aus dem Bericht zur Landwirtschaft hervor, den die Kreisverwaltung jetzt veröffentlicht hat. Mit 98 bzw bzw. Hektar ist die Anbaufläche gemessen am konventionellen aber eher gering. Gleich zwei Projekte, die sich im Kreis niedergelassen haben, sorgen dafür, dass der Hanfanbau im Kreis boomt: die Werra-Hanf-Genossenschaft und die Hanfanbauer Werra-Meißner.

Die Werra-Hanf-Genossenschaft ist seit genau drei Jahren im Start und konzentriert sich auf Bio-Hanf. In dieser Zeit haben die fünf Landwirte im Werra-Meißner-Kreis auf 25 Hektar Fläche dreimal in Folge Ölhanf (Finola) angebaut und verarbeitet. „Hanf kann als Lebensmittel, Tierfutter oder Baustoff vertrieben werden“, erklärt Diana Wetzestein, Vorsitzende der Genossenschaft. Gerade auf dem Baustoffmarkt sei es als Ersatz von Holz langfristig interessant. „Es hat einen super Dämmwert, ist schnell nachwachsend und weist eine gute Ökobilanz auf“, fasst Wetzestein zusammen.

Hanf und Mohn boomt: Mit Investor ist weitere Anlage im Kreis möglich

Schwierig sei die Gewinnung der benötigten Fasern aus dem Hanfstroh. Die Aufbereitungsanlagen dazu sind 200 bzw. 600 Kilometer entfernt. „Der Werra-Meißner-Kreis in der Mitte Deutschlands wäre ein perfekter Standort für eine weitere Anlage“, sagt Wetzestein. Der Genossenschaft kommt dabei das Logistikgebiet in Hebenshausen in den Sinn. „Allerdings benötigen wir einen Investor.“

Diana Wetzestein

Hohe Transportkosten und lange Transportwege der Erntetechnik sehen auch die Hanfanbauer Werra-Meißner als Problem. Sie bauen Hanf auf 70 Hektar an und haben sowohl die Senkung der Transportkosten durch die Teilverarbeitung der Hanfpflanze vor Ort, als auch die Optimierung des Anbaus und die Herausstellung standortangepasster Pflanzen vorgenommen. Langfristig ist die Verarbeitung der gesamten Pflanze (Hanfstroh für Hanffaser, Hanfsamen für Saatgut, Hanföl, Hanfnüsse für Bäckereien und Hanfnüsse für Tierfutter) geplant.

Mohnanbau in Germerode und Grandenborn

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 475 Hektar Mohn angebaut. In Hessen waren es 54 Hektar – allein 37 Hektar davon wachsen auf Flächen im Werra-Meißner-Kreis. In erster Linie geht der Mohnanbau auf den Germeröder Land- und Gastwirt Björn Sippel zurück, der mit dem Anbau 2009 begonnen hatte. Die Mohnblüte in Germerode und Grandenborn im Juni besuchen mehrere Zehntausende Besucher. Der Mohn selbst wird an Bäckereien verkauft. 

Von Tobias Stück

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