Defizite in den Kategorien Demografie, Wirtschaft und Bildung

Demografiestudie: Der Werra-Meißner-Kreis ist top in der Kategorie Familienfreundlichkeit

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Vorn dabei mit Familienfreundlichkeit: Sophie, Jochen, Kirsten und Johannes Marställer aus Wölfterode. 

Der Werra-Meißner-Kreis schneidet beim Demografiebericht des Berlin-Instituts bei der Familienfreundlichkeit als bester aller 26 Kreise und kreisfreien Städte in Hessen ab.

Unter Berücksichtigung aller vier Kategorien nimmt der Landkreis aber den letzten Platz in Hessen und Platz 343 von aktuell 401 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten ein. Zu schwer wiegen die Defizite in den Kategorien Demografie, Wirtschaft und Bildung.

In der aktuellen Studie kommt der Kreis auf eine Gesamtnote von 4,04 (ausreichend). Damit gibt es in der Gesamtnote eine leichte Verbesserung zum letzten Vergleich des Berlin-Instituts aus dem Jahr 2011. Damals lag der Werra-Meißner-Kreis mit einer Gesamtnote von 4,16 auf Platz 378 von damals 413 Kreisen und kreisfreien Städten in Deutschland. Für seine Analyse hat das Berlin-Institut 21 Indikatoren ausgewählt – aus den Bereichen Demografie, Wirtschaft, Bildung und Familienfreundlichkeit – und in einem Index gebündelt. 

Werra-Meißner-Kreis liegt in Nordhessen hinten

  • Platz 1: Stadt München 
  • ... 
  • Platz 100: Landkreis Fulda 
  • Platz 177: Wartburgkreis 
  • Platz 202: Hersfeld-Rotenburg 
  • Platz 212: Landkreis Kassel 
  • Platz 213: Waldeck-Frankenberg 
  • Platz 223: Stadt Kassel 
  • Platz 277: Schwalm-Eder-Kreis 
  • Platz 305: Vogelsbergkreis 
  • Platz 343: Werra-Meißner-Kreis
  • ... 
  • Platz 401: Stadt Gelsenkirchen

Prognose: Bis 2035 ein Bevölkerungsrückgang um elf Prozent in Werra-Meißner

Für die Bewertung der einzelnen Indikatoren wurden Schulnoten vergeben, aus denen sich dann die Gesamtnote der einzelnen Kreise zusammensetzt. Schlecht sind – wieder einmal – die demografischen Aussichten für den Kreis. Bis 2035, so lauten die Prognosen des Instituts, verliert der Kreis rund elf Prozent seiner Einwohner. Der Rückgang von etwa 11.000 Menschen wird auf die Überalterung des Landkreises zurückgeführt.

 „Schon heute ist die Bevölkerung älter als in anderen hessischen Regionen, gerade mal ein Drittel der Bewohner ist noch jünger als 35 Jahre“, sagt Lena Reibstein, Sprecherin des Berlin-Instituts. Sie sagt aber auch, dass Familienfreundlichkeit heute wichtig bei der Wahl eines Wohnortes sei. Heute entscheide nicht mehr nur der Job, wo man lebt. „Regionen, die in diesem Bereich gut aufgestellt sind, können so um Familienwanderer werben.“ Bei der Bewertung von familiengeeignetem Wohnraum belegt der Kreis beispielsweise Platz 93 in ganz Deutschland.

Für die Auswertung der Studie des Berlin-Instituts beleuchten wir exemplarisch einzelne Indikatoren:

Fremdenverkehr

In dem zur Kategorie Wirtschaft gehörenden Indikator schneidet der Werra-Meißner-Kreis besonders gut ab. Er kommt statistisch gesehen auf rund sieben Übernachtungen je Einwohner pro Jahr. Damit landet er deutschlandweit auf Platz 75.

Kinderbetreuung

Dieser Indikator misst, welcher Anteil der Kinder unter sechs Jahren ganztags betreut werden. Im Werra-Meißner-Kreis sind das 37,4 Prozent, was in Schulnoten laut Berlin-Institut einer 2 entspricht. Hier liegt der Kreis auf Platz 102 der 401 Kreise. Deutschlandweit reicht die Spannbreite beispielsweise von gerade einmal drei Prozent im Bayerischen Wald, wo Eschweges Partnerstadt Regen liegt, bis zu fast 74 Prozent in thüringischen Kreisen und kreisfreien Städten.

Wohnraum

Das Berlin-Institut hat den Anteil der Wohnungen mit drei oder mehr Räumen am gesamten Wohnbestand gemessen – also für Familien geeignete Wohnungen. Hier kommt der Kreis mit einem Wert von 93,55 Prozent auf Rang 93 – Schulnote 2.

Familienfreundlichkeit

Hier erreicht der Werra-Meißner-Kreis mit der Schulnote 2,7 den Spitzenplatz in Hessen. „In Zeiten, wo beide Elternteile berufstätig sind, ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders wichtig“, sagt Lena Reibstein vom Berlin-Institut.

Wirtschaft

„Die schwierige wirtschaftliche Ausgangsposition in der Lage des ehemaligen Zonenrandgebiets wirkt bis heute nach“, sagt Reibstein. Das sei zwar nicht neu, andere Regionen in Deutschland, die auch an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze lagen, hätten ähnliche wirtschaftliche Probleme.

So liegt das durchschnittliche Haushaltseinkommen mit 19.800 Euro pro Einwohner unter dem deutschen Durchschnitt von 21.900 Euro. Die Wirtschaftskraft liegt mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 24.100 Euro pro Einwohner nicht nur weit unter dem deutschen Durchschnitt von 38.100 Euro, sondern ist sogar geringer als in vielen ostdeutschen Kreisen. Deutschlandweit haben nur 50 Kreise ein noch niedrigeres BIP pro Kopf.

Demografieentwicklung

Die demografischen Aussichten für den Kreis, bezogen auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung bis 2035, basieren auf einer Bevölkerungsprognose, die das Berlin-Institut zusammen mit dem Institut für Regionalwirtschaft Cima berechnet hat. Die Prognose beruht auf Annahmen über die Geburtenrate, Sterberate und Wanderungsbewegungen bis 2035, die eine Fortschreibung von Entwicklungen in der Vergangenheit sind. 

Fast elf Prozent Bewohner dürfte der Werra-Meißner-Kreis bis 2035 nach der Prognose der beiden Institute verlieren. Schon heute ist die Bevölkerung älter als in anderen hessischen Regionen, gerade mal ein Drittel der Bewohner ist noch jünger als 35 Jahre, aber schon fast 14 Prozent 75 Jahre und älter. „Dadurch gibt es weniger potenzielle Familiengründer, was die demografischen Aussichten ebenfalls eintrübt.

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So schnitt der Werra-Meißner-Kreis in der Studie des Berlin-Instituts ab

Für die Studie hat das Berlin-Institut alle 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte verglichen und für jeweils 21 Indikatoren, verteilt auf vier Oberkategorien, Schulnoten vergeben. Unser Überblick zeigt das Ergebnis für den Werra-Meißner-Kreis. Die Schulnoten (1 = sehr gut, 6 = ungenügend) finden Sie jeweils rechts.

Demografie

4,7

- Kinderzahl pro Frau

5

- Bevölkerungsanteil der unter 35-Jährigen

5

- Durchschnittliche Lebenserwartung

5

- Ab- und Zuwanderungssaldo je 1000 Einwohner

4

- Bevölkerungsanteil der über 74-Jährigen

5

- Bevölkerungsprognose von 2017 bis 2035

5

Wirtschaft

4,1

- verfügbares Haushaltseinkommen

5

- Bruttoinlandsprodukt

5

- kommunale Schulden je Einwohner

5

- Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten

4

- Anteil Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger

4

- Frauenbeschäftigung

4

- Beschäftigungsquote der über 50-Jährigen

4

- Übernachtungszahlen im Fremdenverkehr

2

- Arbeitsmarktchancen für Ausländer

4

Bildung

4,0

- Schulabgänger ohne Abschluss

3

- Anteil arbeitsloser Jugendlicher

4

- Anzahl der Hochqualifizierten

5

Familienfreundlichkeit

2,67

- Elterngeldbezieher

4

- Ganztagsbetreuung

2

- Anteil der Wohnungen drei und mehr Räume

2

Gesamtnote

4,04

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