Fragen und Antworten zu Mehrkosten, Trassenverlauf und Gutachten

A44-Ausbau verzögert sich: Viele Fragen bei Autobahnbau offen

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Blick von oben: Ob sich das Mammutprojekt A44-Ausbau insgesamt verzögert, ist noch unklar. 

Der Ausbau der A44 zieht sich hin. Bei Kosten sowie Dauer der Verzögerung bleiben noch einige Fragezeichen. Wir geben einen Überblick über die Faktenlage.

Sie sorgte für viel Kopfschütteln: Die Nachricht des Hessischen Verkehrsministeriums, dass sich das Planfeststellungsverfahren für den Autobahn-44-Ausbau zwischen Kassel-Ost und Helsa um circa ein Jahr verzögert. Wie berichtet, war der Start des Verfahrens für die zweite Jahreshälfte 2019 geplant.

Daraus wird jetzt nichts – die Verkehrsbehörde Hessen Mobil geht davon aus, dass es erst 2020 beginnen kann. Grund für den Aufschub sind laut der Behörde unter anderem Änderungen beim Fahrbahnentwässerungskonzept und den Plänen für Regenrückhaltebecken.

Die SPD-Kreistagsfraktion Werra-Meißner hatte deshalb Vertreter der Straßenbaubehörden zu einer Anhörung zum Ausbaustand der A 44 im Ausschuss für Kreisentwicklung, Wirtschaft und Verkehr geladen. Die Vertreter des Landesverkehrsamtes, der Deges und des Straßenbauamtes erklärten, dass mit einer Freigabe der Teilstrecke von Waldkappel nach Oetmannshausen 2022 und einer Freigabe der Teilstrecke bis Wommen 2025 zu rechnen sei. Das 18 Kilometer lange Teilstück zwischen Küchen und Waldkappel wurde im April 2018 feierlich eingeweiht.

Der Lückenschluss von Helsa nach Kassel zur A7 verzögere sich aber weiter. Hier sei die Planungen noch nicht einmal abgeschlossen und mit einem Planfeststellungsverfahren erst Ende 2020 zu rechnen. Dies bedinge einen Baubeginn frühestens 2024 und eine Freigabe erst nach 2030.

Fertig sind bislang fünf der zwölf Bauabschnitte der 70 Kilometer langen Strecke zwischen Kassel und Herleshausen. Sechs weitere sind im Bau. Der 10,8 Kilometer lange Abschnitt zwischen Kassel-Ost und Helsa ist der Letzte. An ihm hängt alles. 

SPD-Kreistagsfraktion befürchtet Verzögerungen bei der Ansiedelung von Industrie und Gewerbe

Bauabschnitt der A44

In einer Stellungnahme bedauert die SPD-Fraktion diese weitere Verzögerung der Fertigstellung bis im übernächsten Jahrzehnt. Es gehe nicht nur um den Lückenschluss und die Durchleitung des Verkehrs von West nach Ost. „Dadurch werden sich Ansiedlungen von Industrie und Gewerbe entlang der Autobahn im Werra-Meissner-Kreis weiter verzögern und die wirtschaftliche Entwicklung erheblich beeinträchtige“, befürchtet Lothar Quanz, Vorsitzender der SPD-Fraktion. 

Auch für Pendler rücke die Verkürzung von Fahrzeiten in weite Ferne. Staus auf dem ersten Teilstück seien absehbar. Die SPD erwartet jetzt von Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen), dass der sich „endlich für einen schnellen Ausbau der ersten Teilstrecke einsetzt und nicht diesen wie in den vergangenen Jahren verzögert und nicht voranbringt“. Auch die Ankündigungen der Landesregierung zur Stärkung des ländlichen Raumes würde in der Region durch eine solche Haltung unglaubwürdig wirken.

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Die wichtigste Frage zuerst: Wie viel teurer wird der Bauabschnitt bei Helsa durch das verschobene Planfeststellungsverfahren?

Bislang waren laut Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus rund 304 Millionen Euro für den Abschnitt eingeplant (letzter Stand). Jetzt sind jedoch noch Änderungen offen, die eingearbeitet werden müssen. „Nach Abschluss der Überarbeitungen werden die Kosten neu ermittelt“, sagt Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus. Rund zwei Milliarden Euro waren für den A 44-Gesamtausbau veranschlagt. Wie viel teurer das Projekt wird, steht in den Sternen.

Gerät der gesamte A 44-Ausbau auch in Verzug?

Ursprünglich sollte die Autobahn im Jahr 2031 komplett fertig sein. Wie sehr dieser Plan durch den Aufschub ins Taumeln gerät, dazu wollte Sprecher Sinemus noch keine definitive Aussage treffen: „Ob sich auch die Fertigstellung der A 44 insgesamt verzögert, bleibt abzuwarten.“

Was sagen die Anrainer zur Verzögerung des Planfeststellungsverfahrens?

„Die Mitteilung löst in Kaufungen keine Überraschung aus, aber Verärgerung“, teilt Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß mit. Die Verzögerung sei erwartbar gewesen, schließlich seien Landesministerium und Planungsbehörden in „deutlichem zeitlichen Rückstand“ bei Zusagen, die sie gegenüber der Gemeinde gemacht hätten. Auch Helsas Verwaltungschef Tilo Küthe ist alles andere als begeistert über den erneuten Verzug: Je später die Bahn fertiggestellt wird, desto stärker würden Anrainer in Helsa belastet. „Denn sobald der Bau des letzten A 44-Abschnitts losgeht, wird der Verkehr, der auf der schon fertigen A 44 Richtung Kassel unterwegs ist, bei Helsa-Ost auf die B 7 wechseln.“

Ist der Trassenverlauf schon in Stein gemeißelt?

Ja. Der Verlauf durch das Lossetal wurde bereits im Jahr 2016 festgelegt. Damals hatte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) bei seiner Visite im November unmissverständlich klar gemacht, dass die Lossetallinie, also der aktuelle Verlauf, fix ist. Er unterstrich, dass er die von der Bürgerinitiative Pro A 44 geforderte H-Trasse von Kassel-Süd nach Oberkaufungen ablehnt.

Könnte sich der Ausbau zwischen Kassel-Ost und Helsa noch länger verzögern?

Seit 2006 wird am Teilstück zwischen Kassel-Ost und Helsa mit Unterbrechungen geplant. Aktuell arbeitet Hessen Mobil Entwässerungs-, Naturschutz- und Grunderwerbspläne um. Ist all das abgeschlossen, gehen die Unterlagen zur Bundesbehörde. Erst wenn dort die Pläne abgesegnet wurden, kann das Planfeststellungsverfahren beginnen. Aber auch hier könnten Klagen, Einwendungen und Anfragen die eigentliche Planfeststellung – sozusagen die Baugenehmigung – zeitlich verschleppen.

Wie werden Bürger weiter über den A 44-Ausbau informiert?

Die Gemeinde Kaufungen hat für Donnerstag, 16. Mai, eine Bürgerversammlung rund um das Thema A 44-Ausbau geplant. Die Veranstaltung ist ab 19 Uhr im Bürgerhaus, Leipziger Str. 463, angesetzt. Auch Hessen Mobil will vor den Sommerferien eine Bürgerversammlung ausrichten. Den Termin will die Behörde noch verkünden.

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Das sagt Kaufungens Bürgermeister: Gemeinde wartet auf Lärm- und Luftgutachten

Für Kaufungens Rathauschef Arnim Roß (SPD) liegen die Gründe für die Verzögerung des Planfeststellungsverfahrens auf der Hand. Die überarbeiteten „Lärm- und Luftschadstoffgutachten sowie die Vorstellung der neuen Trassenpläne“ bleibe Hessen Mobil der Gemeinde nach den Dialoggesprächen 2014 und 2016 bis heute schuldig. 

Laut Vereinbarung müsste Hessen Mobil vor dem Planfeststellungsverfahren diese aber erst einmal vorstellen, damit die Gemeinde Kaufungen darauf reagieren kann. Der ursprüngliche Zeitplan Hessen Mobils, das Verfahren im Sommer 2019 zu beginnen, hätte Kaufungen die Möglichkeit genommen, überhaupt auf die Gutachten zu reagieren, sagt Roß.

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