Bundesnetzagentur startet Beteiligungsverfahren

Südlink-Trasse durch Werra-Meißner-Kreis: Hinweise gegen Vorzugsvariante müssen erneut gemeldet werden

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So könnte es aussehen: Einige Kilometer an Erdkabel sind bereits in der Regie von Tennet und TransnetBW verlegt worden. Einen solchen Bau können sich die Übertragungsnetzbetreiber auch im Werra-Meißner-Kreis vorstellen. 

Werra-Meißner – Die Stromtrasse Südlink soll durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen. Hinweise gegen die Vorzugsvariante müssen nun erneut gemeldet werden, erklären die Pressesprecher von Tennet und TransnetBW.

Die Stromtrasse Südlink soll, geht es nach den Übertragungsnetzbetreibern Tennet und TransnetBW, durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen. Rund 7000 Hinweise von Kreis, Kommunen und Privatpersonen seien geprüft und bewertet worden, bevor dieseVorzugstrasse am vergangenen Donnerstag der Bundesnetzagentur (BNA) vorgeschlagen worden sei, sagen Thomas Wagner, Referent für Bürgerbeteiligung der Tennet, und Saskia Albrecht, Pressesprecherin der TransnetBW. 

Beim nun startenden Beteiligungsverfahren der Bundesnetzagentur aber sei Obacht geboten: „Wer seinen Hinweis von Tennet und TransnetBW noch nicht genügend berücksichtigt sieht, muss ihn noch einmal schriftlich bei der BNA eingeben“, sagt Albrecht. Das gelte auch für neu hinzugekommene beziehungsweise noch nicht gemeldete Hinweise – beispielsweise Neubaugebiete. Die BNA wird bis Ende des Jahres endgültig und definitiv entscheiden, welcher Korridor für die Südlink-Verbindung gewählt wird. Noch ist ein Alternativ-Korridor durch Thüringen möglich. Tennet und TransnetBW starten nun parallel ein Verfahren, in dem innerhalb ihres Vorzugskorridors – durch den Kreis – der genaue Trassenverlauf bis auf 34 Meter festgezurrt wird. „Auf eigenes Risiko“ und um den Zeitplan einhalten zu können, betonen Wagner und Albrecht.

Fragen und Antworten zur Südlink-Vorzugstrasse

Die Übertragungsnetzbetreiber Tennet und TransnetBW favorisieren einen Verlauf der Südlink-Stromtrasse durch den Werra-Meißner-Kreis – das ist seit dem vergangenen Donnerstag klar. Thomas Wagner, Referent der Tennet, und Saskia Albrecht, Pressesprecherin der TransnetBW, beantworten im Redaktionsgespäch die wichtigsten Fragen.

Geprüft worden ist bis zuletzt ein weiter östlich verlaufender Korridor. Ist die Entscheidung für die Variante auf hessischer Seite letztlich eine politische? Denn im Nachbarbundesland Thüringen stehen Landtagswahlen an.

„Klares Nein“, sagt Saskia Albrecht. Die Entscheidung für die Vorzugstrasse durch den Werra-Meißner-Kreis sei keine politische. „Entschieden worden ist ausschließlich auf Grundlage von Fachgutachten etwa die Siedlungsstruktur, Natur und Böden betreffend. Politik oder Ländergrenzen spielen bei einem Bauprojekt mit einer Gesamtlänge von 700 Kilometer quer durch Deutschland keine Rolle.

Kann der Bau der Trasse durchgängig als Erdleitung realisiert werden?

„Das hat der Gesetzgeber so vorgeschrieben, und so sind die Planungen derzeit auch ausgerichtet“, bekräftigt Thomas Wagner. Im Falle von Flüssen, FFH-Gebieten, Eisenbahnschienen und Ähnlichem kommen Unterbohrungen, sogenannte HDDs, als Sonderverfahren der Bauindustrie zum Einsatz. Auch tiefwurzelndes Gehölz soll auf diese Weise keine Beeinträchtigung erfahren.

So könnte es aussehen: Einige Kilometer an Erdkabel sind bereits in der Regie von Tennet und TransnetBW verlegt worden. Einen solchen Bau können sich die Übertragungsnetzbetreiber auch im Werra-Meißner-Kreis vorstellen. 

Wird die Schneise die Natur der Region irreparabel schädigen?

„Hier kommt es auf den Bau an, bei dem prinzipiell größerer Schaden angerichtet werden kann als durch die Stromtrasse selbst“, erklärt Saskia Albrecht. Dem Bodenschutz werde deshalb ein größerer Stellenwert eingeräumt als bei allen Projekten zuvor. Dauern werde die Bauphase nicht länger als vier Wochen. „Entstehen trotzdem Schäden, kommen die Bauherren auch dafür auf – und das zeitlich unbegrenzt“, ergänzt Thomas Wagner.

Wird sich der Boden durch den hindurchjagenden Strom erwärmen?

Unwesentlich, erklären die Pressesprecher. Verlegt werden in einer Tiefe von 1,30 Meter insgesamt acht Kabel, und das jeweils paarweise mit Plus- und Minus-Polen. Zwischen den Kabel-Paaren wird ein Abstand von rund fünf Metern eingehalten. „Im Betrieb erwärmen sich die Kabel auf 40 Grad Celsius. Durch Ummantelungen wird an der Oberfläche davon kaum etwas zu merken sein“, sagt Saskia Albrecht.

Wie hoch ist der Energieverlust?

Auf einem Meter rund 60 Watt, sagt Thomas Wagner. Die Gleichstromverbindung sei gewählt worden, weil so die meiste Energie aller denkbaren Varianten mit den wenigsten Verlusten übertragen werden könne.

Service: Infoveranstaltungen

Sprecher der Tennet und Transnet BW werden für Fragen zur Verfügung stehen – bei der eigenen Veranstaltung „Infomarkt“ am Dienstag, 30. April, im Dorfgemeinschaftshaus von Hoheneiche und bei allen Info-Veranstaltungen des Kreises, die nächste am heutigen Dienstag, 26. Februar, 19 Uhr, in Bad Sooden-Allendorf (Kultur- und Kongresszentrum). 

Hintergrund: Beteiligung nutzen 

Alle bisher vom Kreis, von Kommunen, Institutionen und Privatpersonen an Tennet und Transnet BW eingegebenen Hinweise gegen den Trassenverlauf fließen nicht automatisch in die Bewertung durch die Bundesnetzagentur (BNA) ein. Innerhalb einer gesetzten Frist müssen diese und auch neu hinzugekommende Faktoren zwingend schriftlich an die BNA in Bonn gegeben werden. Jeder, der einen Hinweis eingibt, wird anschließend zu einem Erörterungstermin geladen. Die Einreichungsmöglichkeiten für Unterlagen nach Paragraf 8 für den die Region betreffenden Abschnitt C beginnt am 8. März. 

Kontakt: Bürgerservice Stromnetzausbau, Telefon 0800/6 38 96 38, E-Mail: info@netzausbau.de

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