Ab Januar gelten Personaluntergrenzen: Kliniken im Kreis kritisieren neue Regeln für Pflegekräfte

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Pflegekräfte: Unter anderem auf der Geriatrie soll mehr Personal eingesetzt werden.

Werra-Meißner. Die Kliniken im Werra-Meißner-Kreis kritisieren die Neuregelung der untergrenzen für das Pflegepersonal. Das Gesetz gehe an der Wirklichkeit vorbei, heißt es.

Im Kampf gegen Pflegenotstand hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) neue Personaluntergrenzen für vier pflegeintensive Krankenhausabteilungen festgesetzt: Unfallchirurgie, Intensivmedizin, Geriatrie und Kardiologie. Sie gelten ab 1. Januar. 

Für die Kliniken im Werra-Meißner-Kreis geht das neue Gesetz an der Wirklichkeit vorbei. So stellten die Regeln nicht unbedingt sicher, dass mehr Personal auf den Stationen sei als bisher. Pflegedirektorin Martina Wallbraun-Herwig am Klinikum Werra-Meißner erklärt das am Beispiel der Geriatrie, wo eine Pflegekraft künftig am Tag höchstens zehn, nachts 20 Patienten betreuen soll. „Diese Untergrenzen liegen unter den Forderungen der geriatrischen Fachgesellschaft und auch unter unseren Erwartungen.“ Bereits jetzt würde dort mehr Personal eingesetzt. 

Kliniken sehen darin keine Lösung für den Pflegenotstand

Auch die Orthopädische Klinik in Hessisch Lichtenau orientiere sich laut Kaufmännischem Leiter Matthias Adler und Pflegedirektorin Heike Schmidt an den strengeren Vorgaben der Fachgesellschaften. Zum anderen löse das neue Gesetz die Ursache des Pflegenotstands nicht – nämlich den Mangel an Fachkräften, findet Wallbraun-Herwig. Das sehen Adler und Schmidt ähnlich: „Alle politischen Akteure sollten sich vergegenwärtigen, dass der Arbeitsmarkt im Bereich der Pflege leer ist.“ 

Es gebe bereits einen Wettbewerb um Pflegekräfte. Eine Umverteilung vom Personal auf den Stationen schließen beide Häuser aus, man würde eher noch Personal einstellen. „Da es sich um hochspezialisierte Leistungen handelt, ist eine ‘einfache Umsetzung’ weder für die Mitarbeiter motivierend, noch für die Patienten zielführend“, so Adler und Schmidt.

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Hintergrund: Den Pflegenotstand mildern

Mit den Pflegepersonaluntergrenzen will das Bundesgesundheitsministerium den Pflegenotstand mildern. Sie gelten ab 1. Januar 2019 in den Bereichen Geriatrie, Unfallmedizin, Kardiologie und Intensivmedizin. In der Geriatrie und Unfallchirurgie darf eine Pflegekraft künftig tagsüber nur bis zu zehn Patienten betreuen (nachts bis zu 20), in der Kardiologie sind es pro Tagschicht zwölf (nachts 24), in der Intensivmedizin im Schnitt maximal 2,5 Patienten pro Pflegekraft (nachts 3,5). 

Die Krankenhäuser müssen für die einzelnen Monate Durchschnittswerte ermitteln und dabei zwischen verschiedenen Stationen und Schichten differenzieren. Unabhängige Wirtschaftsprüfer müssen die Einhaltung bestätigen. Krankenhäuser, die sich nicht an die Vorgaben halten, müssen Vergütungsabschläge hinnehmen.

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