Landwirte kritisieren Dürrehilfe: Nur 21 Anträge im Werra-Meißner-Kreis gestellt

+

Werra-Meißner. Die Landwirte im Werra-Meißner-Kreis sind unzufrieden mit der Dürrehilfe des Bundes - lediglich 21 von 900 von der EU geförderte Bauern im Kreis haben einen Antrag dafür gestellt.

167.000 Euro Dürrehilfe fließen an elf landwirtschaftliche Betriebe im Werra-Meißner-Kreis. Grund: Verdorrtes Getreide, ausgetrocknete Wiesen, dürrer Mais und kleine Zuckerrüben – die Ernte fiel im Dürresommer 2018 kümmerlich aus. Damit die Landwirte infolge der Ernteausfälle nicht in finanzielle Schieflage geraten, haben Bund und Länder Hilfen in Höhe von 350 Millionen Euro zugesagt. Auf Hessen entfallen 17,8 Millionen Euro. Bundesweit wurden bereits mehr als 8500 Anträge gestellt.

Diese Informationen aus dem Fachbereich Landwirtschaft der Kreisverwaltung gab auf Anfrage Pressesprecher Jörg Klinge weiter. Es handelt sich bei den 167.000 Euro für den Kreis um die Hälfte der insgesamt bewilligten Summe, die sozusagen vorab aus dem Dürrehilfe-Programm gezahlt wurde. Insgesamt hatten von mehr als über 900 Landwirten, die im Kreis Flächenzahlungen der EU bekommen, gerade einmal 15 Dürrehilfe beantragt – und beim zweiten Termin noch weitere sechs. Das heißt, maximal zehn Betriebe aus dem Werra-Meißner-Kreis könnten noch durch das Hilfsprogramm unterstützt werden. Wann die Bewilligung und Auszahlung erfolgte, sei noch nicht absehbar, teilte Jörg Klinge mit. 

Es habe aber auch schon Ablehnungen gegeben, sagt Torsten Möller, Vorsitzender des Kreisbauernverbands. Er beklagt, dass die Kriterien für Hilfe „hart gesetzt“ seien. „Wir sind tief getroffen von der Dürre“, beschreibt er die Situation der Landwirte im Kreis, „alle haben immens Einbußen“ aufgrund der Trockenheit. Doch die Anträge auf Dürrehilfe seien in Hessen – im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie Thüringen und Niedersachsen – sehr kompliziert und überaus umfangreich: „Man muss sich nackig machen wie ein Hartz-IV-Empfänger“, so Möller. 

Fortbestand des Betriebes muss gefährdet sein

„Wir hätten uns weniger Bürokratie gewünscht“, sagt auch Stefan Strube vom Regionalbauernverband Kurhessen. Denn es reiche nicht, wegen eines großen Ertragsverlusts einer Kultur einen Antrag zu stellen. Die Ernte müsse um 30 Prozent unter dem Durchschnittsertrag der vergangenen drei Jahre liegen, so Strube. Dazu müssen Bilanzen sowie die Liquidität des Betriebes vorgelegt werden. Auch das Privatvermögen werde nach Abzug eines Freibetrags zur Schadensregulierung herangezogen. Dem Antrag werde nur dann stattgegeben, wenn der Fortbestand des Betriebes gefährdet sei. War das schon vor der Dürre der Fall, werde der Antrag abgelehnt. Und weil die Leitlinien „so eng gestrickt“ seien, schätzt Torsten Möller, Vorsitzender des Kreisbauernverbands würden in Hessen nur 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Hilfe ausgeschüttet.

(mit ras)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare