Bekanntgabe der Vorzugstrasse am 21. Februar

Widerstand gegen Südlink formiert sich: Kreis-Kommunen wollen Stromtrasse nicht

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Gewaltig: die Erdkabel. Möglicherweise werden solche Kabel im Werra-Meißner-Kreis verlegt, und zwar mitten durch Eschwege, Meißner, Berkatal, Wehretal, Ringgau und Teile Herleshausens.

Werra-Meißner. Die momentan wahrscheinlichste Variante der Südlink-Trasse tangiert zahlreiche Orte im Werra-Meißner-Kreis. Jetzt formiert sich in den Gemeinden Widerstand gegen die Pläne.

In der Gemeinde Ringgau hat sich der Widerstand gegen die Nord-Süd-Stromtrasse Südlink durch den Werra-Meißner-Kreis formiert. In anderen Kommunen wird Protest gegen die Linienführung durch das enge Werratal laut. 

Widerstand gegen Stromtrasse in Eschwege: „Das ist absoluter Blödsinn“ 

Auch Eschwege wäre bei den aktuellen Südlink-Planungen zu betroffen. Die Fraktionen melden Protest an. Die Stromtrasse quer durch Deutschland führen zu wollen, ist in den Augen der Freien Wähler „absoluter Blödsinn“. „Will man die Energiewende ehrlich durchführen, wäre der Strom aus dem Norden bereits auf Höhe Northeim und Göttingen aufgebraucht“, so Fraktionsvorsitzender Andreas Hölzel. Enge Täler und Ortschaften, die Bahnlinie, die Werra und Hochwassergebiete blieben unberücksichtigt. Und weil vermutlich keine Erdkabel möglich seien, „versucht man die Trasse mit Oberleitungen zu realisieren“, vermutet Hölzel. „Dagegen muss Widerstand erhoben werden.“

„Wir stehen einer Verlegung der Südlink Trasse kritisch gegenüber, schließen sie jedoch nicht kategorisch aus“, sagt Vanessa Grauer (Bündnis 90/Die Grünen). Die Energiewende werde gebraucht, Eingriffe in die Umwelt durch die Korridore im Bereich des Kreises seien allerdings zu groß und somit nicht tragbar, stellt die Fraktionsvorsitzende fest.

„Aus unserer Sicht sollte man bis Mitte Februar erst mal die Füße stillhalten, weil erst dann die Bundesnetzagentur den von ihr bevorzugten Trassenverlauf bekannt geben wird“, sagt FDP-Fraktionsvorsitzende Jutta Thiele. Die FDP lehne eine Trassenführung ab, wenn dadurch infrastrukturelle Maßnahmen behindert würden, Eschwege an die A 44 anzubinden.

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Die Kreisstadt Eschwege habe bereits in ihrer Stellungnahme im Oktober deutlich gemacht, dass die Kabeltrasse nicht mit Anschlussstellen der Bundesstraßen 249 und 27 sowie der Autobahn 44 und den Eschweger Gewerbegebieten kollidieren dürfe, stellt Bürgermeister Alexander Heppe fest. In dem engen Korridor seien die geforderten Ausgleichsflächen in räumlicher Nähe ohnehin nicht möglich. Bei Albungen spricht nach Heppes Ausführungen der schützenswerte Lebensraum des Landschaftsschutzgebietes in den Werraauen gegen das Vorhaben.

„In jedem Fall werden die Stromtrassen fast überall dicht an besiedelten Gebieten vorbeiführen und tiefe Spuren hinterlassen“, sagt Bernhard Gassmann, Fraktionschef der Eschweger Linken. „Die Masten der Oberleitungen sind höher und gewaltiger als alle bisher bekannten Hochspannungsleitungen, die Strahlungsrisiken nicht ausreichend geklärt.“ Die Linke unterstütze die Bürgerproteste, fordere die Thematisierung im Kreistag und rufe „zu weiteren Aktionen auf“.

„Einen Trassenverlauf der Südlink-Trasse durch das Werratal, vorbei an Albungen und Niddawitzhausen lehnt die CDU-Fraktion ab“, sagt deren Vorsitzender Stefan Schneider. Es sei generell unsinnig, diese Trasse durch das Werratal führen zu wollen, da die Topografie einer sinnvollen Streckenführung im Wege stehe. Im Bereich Albungen müsse dazu ein Landschaftsschutzgebiet angetastet werden, und im weiteren Verlauf würde die Strecke den neuen Autobahnzubringer behindern.

Die beiden Trassen-Varianten: Meißner wäre in jedem Fall betroffen

Das sagt die Gemeinde Wehretal: „Argumente müssen auf den Tisch“

Die derzeit wahrscheinlichste Südlink-Variante tangiert die Wehretaler Ortsteile Reichensachsen und Langenhain. Nach Ansicht des Wehretaler Bürgermeisters Jochen Kistner sollte Strom möglichst da produziert werden, wo er gebraucht wird. „Erdverkabelung ist grundsätzlich zu bevorzugen“, sagt Kistner. Dabei müsse die Trassenführung jedoch weitläufig um bewohnte Ortschaften gehen und die betroffenen Kommunen nicht in ihrer Entwicklung behindern. Wenn die Entscheidung von Südlink und der Bundesnetzagentur in Richtung Westtrasse geht, sei dies seiner Auffassung nach Grundlage für spezielle Forderungen. „Wenn es begründete Argumente gegen eine grundsätzliche Trassenführung in unserer Region gibt, müssen diese auf den Tisch. Dann werde ich gegen diese Trasse sein“, sagt Kistner. Ergebe sich nach ordentlicher Prüfung aller Varianten hingegen eine Notwendigkeit, würde er eine Trassenführung durch den Werra-Meißner-Kreis nicht grundsätzlich ablehnen. Neben einer inhaltlichen müsste es dann aber auch um eine finanzielle Beteiligung der Region gehen.

Das sagt die Gemeinde Ringgau: „Trassenkorridor durch Gemeinde verhindern“

250 Bürger haben sich jüngst im Bürgerhaus von Röhrda versammelt – ihr Ziel: der Protest gegen die Stromtrasse Südlink. Geladen hatten die „Bürger mit Initiative“ aus Herleshausen. Bei der Versammlung zugegen war auch Ringgaus Bürgermeister Klaus Fissmann. „Die Gemeinde Ringgau will die Stromtrasse in keinem Fall haben“, sagte Klaus Fissmann. Zusammen mit dem Werra-Meißner-Kreis und der Bürgerinitiative sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um den Trassenkorridor zu verhindern. „Frühzeitig“, sagt Klaus Fissmann, habe die Gemeinde reagiert und etwa alle Wasser- und Naturschutz- sowie FFH-Gebiete gemeldet. Auch weitere Bürger können schnell und einfach via Internet sogenannte „Hinweise“ setzen, die auf geologische, kulturelle oder gesundheitliche Probleme bei einem eventuellen Trassenverlauf verweisen. Dazu muss zunächst die Website www.tennet.eu aufgerufen werden. Hier wird der Menüpunkt „Zu unseren Projekten“ ausgewählt. In der folgenden Übersicht „Suedlink“ anklicken und das „Online-Planungstool“ aufrufen.

Bergwildpark gefährdet: Drei Varianten sind in Meißner möglich

Detailansicht: ein Erdkabel.

Egal welche Südlink-Variante durch den Werra-Meißner-Kreis schließlich gewählt wird: Die Gemeinde Meißner wäre betroffen. „Wenn die Trasse zu uns kommt, muss gewährleistet sein, dass ausreichend Abstand zu den Ortslagen eingehalten wird und die Landwirte in der Bewirtschaftung ihrer Flächen nicht eingeschränkt werden“, fordert Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans. 

Die erste der beiden möglichen Stromtrassen verläuft aus Albungen kommend durch Wellingerode und Abterode und tangiert auch Weidenhausen. Die zweite Trassenführung kommt aus Frankenhain über Wolfterode, Vockerode und Germerode ins Gemeindegebiet – mitten durch den Bergwildpark Germerode. „Das wäre eine Katastrophe und würde die ganze Einrichtung gefährden“, befürchtet Junghans. 

Und noch eine weitere Variante ist denkbar: Sollte sich herausstellen, dass die geplante Trasse aufgrund festgestellter Einschränkungen nicht vollständig weitergeführt werden kann, wird die Linienführung durch Abterode und Germerode umgeleitet. Dort würde sie das Waldgebiet neben dem Wildpark durchqueren – ausgewiesenes FFH-Gebiet und damit aus Sicht des Bürgermeisters ebenfalls völlig ungeeignet. Daher habe er die Hoffnung, dass die empfohlene Linie nicht durch den Kreis geführt wird. „Wenn die Vorzugsvariante uns trifft, müssen wir intensiv Widerstände bündeln“, so Junghans.

Stromtrasse würde Landwirtschaft, Natur und Infrastruktur Berkatals beinträchtigen

Eine der potenziellen Südlink-Trassen durchschneidet die Gemeinde Berkatal zwischen den Ortsteilen Frankenhain und Frankershausen. „Der Korridor grenzt unmittelbar an die Ortslage Frankenhain und würde siedlungsnahe Freiräume betreffen“, erläutert Berkatals Bürgermeister Friedel Lenze. Dadurch wäre die Gemeinde in dreifacher Hinsicht beeinträchtigt. Wirtschaftliche Betroffenheit würde durch die Nutzung von Vorrangflächen für die Landwirtschaft entstehen. Außerdem entstünden touristische Einschränkungen – betroffen wäre etwa der Premiumwanderweg Frankershäuser Karst. 

Außerdem würde eine etwa 40 Meter breite Schneise durch das Meißnervorland gezogen. Da Flächen im Bereich der Hie- und Kripplöcher in Anspruch genommen werden würden, wären auch Belange des Natur- und Umweltschutzes betroffen. „Geologisch ist dieses Gebiet sowohl wertvoll als auch technisch nur mit hohem Aufwand zu passieren“, sagt Lenze. Auch mit der technischen Infrastruktur der Gemeinde würden Konflikte entstehen: Betroffen wären Querungen der Gashochdruckleitungen, des Abwasserverbindungssammlers und der Hauptwasserleitung in Frankershausen. „Die Vielzahl dieser Widerstände belegt eindeutig die Ungeeignetheit des Vorschlagskorridors“, sagt Lenze. Daher wird dieser von der Gemeinde Berkatal weiterhin abgelehnt.

Auch privater Protest formiert sich

Bekanntgabe der Vorzugstrasse am 21. Februar

Die Kreisverwaltung wurde darüber informiert, dass der Netzbetreiber Tennet als Vorhabenträger für das Erdkabel Südlink am 21. Februar die Vorzugstrasse bekannt geben wird. Dazu sind in fünf Bundesländern zeitgleich nicht öffentliche Informationsveranstaltungen für die beteiligten Kommunen und Landkreise geplant.

„Allein aus naturschutzfachlicher Sicht ist eine Streckenführung durch den Werra-Meißner-Kreis völlig inakzeptabel“, betont Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann und ergänzt: „Die Bekanntgabe einer Vorzugstrasse bedeutet aber immer noch keine endgültige Entscheidung.“ Letztlich wird die Bundesnetzagentur in den nächsten Monaten im Rahmen der Bundesfachplanung alle Korridorvarianten prüfen und dabei nochmals umfangreiche Beteiligungsverfahren durchführen.

Meißner und Berkatal informieren Bürger am 7. März

In einer gemeinsamen Veranstaltung am Donnerstag, 7. März, wollen die Gemeinden Berkatal und Meißner ihre Bürger über die Trassenführung informieren. Die Bürgermeister werden das Ergebnis der Entscheidung über die bevorzugte Linienführung vorstellen und deren Bedeutung für die Ortsteile erläutern. Beginn ist um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Germerode. Eingeladen sind alle Bürger beider Gemeinden.

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