Über Frequentierung überrascht

Werra-Meißner-Kreis und Awo ziehen positive Zwischenbilanz von Pilotprojekt Verhütungsmittelfonds

Sie ziehen eine Zwischenbilanz zum Empfängnisverhütungsfonds: Landrat Stefan Reuß, Astrid Rimbach-Jörgens, Meike Noss und Martin Weisbecker. Foto: Julia Möller

Werra-Meißner. Der Werra-Meißner-Kreis und die Awo haben eine positive Zwischenbilanz von Pilotprojekt "Verhütungsmittelfonds" gezogen. 

„Wir sind von der Frequentierung selber etwas überrascht. Vor allem von den vielen Geringverdienern, die Anträge stellen“, berichtet Astrid Rimbach-Jörgens vom Fachbereich Jugend, Familie und Soziales zu den bisherigen Anfragen zum „Empfängnisverhütungsmittelfonds“ des Werra-Meißner-Kreises und des Awo-Kreisverbandes Werra-Meißner. Das Pilotprojekt finanziert Menschen, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, entsprechende Verhütungsmittel.

In den letzten Monaten sind 30 Anträge gestellt worden, die aber noch nicht alle eine Zusage erhalten haben. Die meisten Antragsteller sind Frauen, bis jetzt waren lediglich zwei Männer dabei. „Es sind alle Schichten vertreten“, sagt Meike Noss von der Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität. „Zu uns kommen Menschen, die viele, zwei oder gar keine Kinder haben.“ Im Schnitt sind die Frauen etwa Anfang 30 und stellen zum Großteil einen Antrag auf eine Hormon- oder Kupferspirale.

Im Februar 2018 ist der Fonds eingerichtet worden. Die Situation, dass Verhütung für viele zu teuer ist, ist auch in den Beratungsstellen immer wieder Thema. Das Ziel des Fonds ist es, diesen Frauen und Männern die Verhütungsmittel zu finanzieren. Nach gut einem halben Jahr an Planung startete das Projekt mit 5000 Euro Budget, das vom Werra-Meißner-Kreis gestellt wurde und der Awo, die für die Beratung zuständig sind.

Ob eine Person Anspruch auf eine Unterstützung durch den Fonds hat, wird anhand der letzten drei Monatseinkünfte festgestellt. Um den Aufwand für das Personal der Awo möglichst gering zu halten, gibt es, bevor es zu einem persönlichen Gespräch kommt, ein ausführliches Telefonat. „Bei den meisten stellt sich schon im Telefonat heraus, dass sie keinen Anspruch auf die Leistungen haben. Wer zu einem Beratungsgespräch kommt, der kommt meistens auch für den Fonds infrage“, berichtet Noss. Die ersten zehn Antragsteller wurden über die Berichterstattung in den Zeitungen auf den Fonds aufmerksam. Mittlerweile liegen die Flyer bei Ärzten und Apotheken aus, die ihre Patienten ebenfalls aufs Projekt aufmerksam machen. So werden nicht nur mehr Beratungen durchgeführt, auch der Kontakt zu Ärzten, Gynäkologen und Apotheken ist stärker geworden. „Die Vernetzung ist ein positiver Nebeneffekt“, so Martin Weisbecker, Geschäftsführer der Awo Werra-Meißner.

Acht der Anträge wurden von Flüchtlingen gestellt, Tendenz steigend. Gerade die geflüchteten Frauen können das Thema Verhütung meist nicht mit ihren Männern besprechen. Das Projekt wird von ihnen aber gut angenommen und trägt zur Aufklärung und Integration der Flüchtlingsfrauen bei. Inzwischen sind die 5000 Euro aufgebraucht und der Awo-Kreisverband hat den Fonds mit 2000 Euro aufgestockt. Für den Fortbestand werden weitere Spender gesucht. Laufen soll die Testphase des Fonds noch bis 2020.

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