Psychotherapeutische Versorgung bleibt im Kreis schwierig

Werra-Meißner: Langes Warten auf einen Therapieplatz

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Man at the psychotherapist

Werra-Meissner. Auch ein Jahr nach einer grundlegenden Reform beklagen Patienten und Therapeuten die mangelhafte psychotherapeutische Versorgung – auch im Werra-Meißner-Kreis.

Zwar dürfen seit April 2017 gesetzlich Versicherte mit psychischen Problemen kurzfristig die Sprechstunde eines Therapeuten besuchen. Trotz der durchschnittlich kürzeren Wartezeit auf ein Erstgespräch dauere es jedoch nach wie vor zu lange, bis man einen Therapieplatz erhalte, kritisiert etwa die Bundespsychotherapeutenkammer.

„Es ist schwierig“, sagt Manuela Sander, Leiterin der Selbsthilfegruppe Regenbogen 2000 in Witzenhausen. Die Gruppe richtet sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen. Nach einem Erstgespräch könne es ein halbes bis dreiviertel Jahr dauern, bis ein Platz frei sei. Generell gebe es zu wenige Therapeuten im Kreis – zumal die Dunkelziffer an Erkrankten wesentlich höher sei als die Zahl derer, die aktiv Hilfe suchen.

Dass die Reform sogar zulasten langfristiger Therapieplätze geht, sagt Marco Heins, Psychologischer Psychotherapeut in Witzenhausen. Während das Kontingent einer Praxis nämlich dasselbe bliebe, müsse aufgrund der Reform mehr Zeit für kürzere, weniger umfassende Behandlungen freigehalten werden. „Für mehrere kurze Einheiten entfällt ein regulärer Platz“, sagt Heins.

Die Reform schreibt auch feste Telefonsprechzeiten und schnelle Hilfe bei Akut-Fällen vor. „Das ist dasselbe Dilemma“, sagt Heins hinsichtlich der telefonischen Gespräche. Zwar sei dabei ein erster Eindruck möglich – eine Diagnose jedoch keinesfalls. Dass psychisch Erkrankte unverändert lange auf einen Therapieplatz warten müssen, erachtet Heins als „absolut problematisch“. Nicht zuletzt bestehe immer die Gefahr, dass sich unbehandelte Krankheiten weiter verfestigten.

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