„Wir leben von Autos“

Corona: Tankstellen und Taxi-Betreiber büßen massiv Kundschaft ein

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Von der Krise schwer getroffen: Taxiunternehmer Cezary Lange hofft auf Normalität ab spätestens Herbst.

Trotz Ostern sind die Straßen im Werra-Meißner-Kreis leer. Tankstellen- und Taxis-Besitzer bangen in der Corona-Krise um ihre Existenz

  • Corona-Kontaktsperre sorgt für wenige Verkehr auf den Straßen
  • Taxi-Betreiber und Tankstellen-Besitzer im Werra-Meißner-Kreis leiden unter Kundenrückgang
  • Taxi-Fahrer kritisieren offizielle Empfehlungen

Diese Woche vermeldete der ADAC etwas, das an und für sich auf der Hand liegt: Seit der Kontaktsperre ist der Verkehr in Deutschland und auch im Werra-Meißner-Kreis deutlich zurückgegangen. Während sich Natur und Klima darüber freuen dürften, leiden besonders Unternehmen, die vom Verkehr leben, unter dieser Situation.

Wir haben mit heimischen Tankstellenbetreibern und Taxiunternehmern gesprochen.

Corona - Die Tankstellen

„Ich höre fast täglich von meinen Kunden, dass sie jetzt, wo der Sprit endlich mal schön billig ist, leider kaum noch tanken müssen“, erzählt Ina Schindewolf, die in Bischhausen eine Avia-Tankstelle betreibt. Alles wäre weniger geworden, aber in Kurzarbeit geht sie nicht, denn „die Kasse muss ja besetzt sein. Genauso wie unsere Poststelle“. Ihr und allen anderen Tankstellen bricht gerade die umsatzstärkste Zeit weg. Der Frühling und besonders das lange Osterwochenende treiben naturgemäß viele Menschen auf die Straßen. In den vergangenen Jahren konnte man hier immer steigende Spritpreise beobachten, in 2020 aber erreicht der Sprit aktuell sein Jahrestief. „Das sind unsere Speckmonate, die uns durch die dunklen Monate am Jahresende bringen“, berichtet Michael Heizmann. Dementsprechend sorgenvoll schaut der Betreiber zweier Honsel-Tankstellen in die Zukunft. Andererseits können beide bestätigen, dass die Umsatzeinbußen nicht so dramatisch sind, wie man vielleicht annehmen mag. „Trotz der Umstände sind es noch unter 40 Prozent“, so Heizmann.

An einem Werktag um 17 Uhr: Vor der Kontaktsperre zählte die Kreuzung Richtung Brückenhausen zu Eschweges hochfrequentierten Verkehrsknotenpunkten. 

Tankstellen profitieren zurzeit von ihren Zusatzangeboten wie Paketannahmen und dem Eisverkauf, beides boomt gerade. Auch würden insgesamt wohl weniger Kunden kommen, diese ließen aber oft mehr Geld da – indem sie eher volltanken würden oder größere Einkäufe, beispielsweise bei Zigaretten, tätigen würden. „Anderen geht's viel schlechter. Wir dürfen immerhin noch arbeiten“, resümiert daher auch Ina Schindewolf. Und auch Michael Heizmann möchte das Positive sehen: „So lange es geht, werde ich auf Kurzarbeit und staatliche Hilfe verzichten. Unsere Probleme haben wir bisher immer selbst lösen können.“

Corona - Die Taxiunternehmen

Anders sieht es da bei den Taxibetreibern aus. Von 80 bis 90 Prozent Umsatzeinbußen ist hier die Rede. „Uns sind die Daueraufträge von Firmen, Schulen und Krankenfahrten fast völlig weggebrochen“, berichtet Cezary Lange, der Taxi-Eschwege betreibt. Von Privatkundenfahrten allein konnte er auch vor Corona nicht leben, aber nun gehen auch diese fast gegen Null. Er habe sich zu Beginn der Krise mit seinen Mitarbeitern zusammengesetzt und mit allen das Homeoffice vereinbart. Die meisten Fahrten übernimmt der Chef nun selber, seine Leute möchte er aber unbedingt halten. „Wir sind ein so tolles Team, und gute Leute sind schwer zu finden.“ Er hofft, dass es spätestens im Herbst wieder zurück zur Normalität geht, und dann würde er sein Team brauchen.

Ähnlich sieht es auch Marcus Böttger, Chef von Taxi Herud aus Eschwege. „Vor der Krise habe ich händeringend neue Fahrer gesucht.“ Nun musste er auf Kurzarbeit umstellen und einen Teil seiner Aushilfen gehen lassen. Zwei Monate, meint er, hält er das so noch durch.

Corona - Empfehlungen als Ärgernis

Besonders ärgert ihn, dass er immer wieder von Stammkunden hört, dass ihnen empfohlen würde, zurzeit besser auf Taxis zu verzichten. „Unsere Taxis sind sicherer als das Auto vom Enkel, zu dem man ja eh den Kontakt meiden sollte.“ Auch Cezary Lange hat diese Erfahrung gemacht und sieht vor allem die Krankenkassen in der Verantwortung. „Kassen, die schon vorher versucht haben, uns in den Preisen zu drücken, ergreifen nun ihre Chance.“ Nun würden manche Krankenkassen ihren Kunden dazu raten, ganz auf Taxis zu verzichten und lieber mit einem Verwandten zur Dialyse oder der Chemotherapie zu fahren. „Perfide ist das. Anstatt uns zu unterstützen, riskieren sie lieber die Gesundheit ihrer Kunden, einzig um Kosten zu sparen“, so Lange. Seit dem Aufkommen von Corona in Deutschland nehmen beide Taxiunternehmen die Hygienemaßnahmen sehr ernst: Desinfizieren nach jeder Fahrt kritische Stellen wie Griffe und Sitzflächen, die Fahrer tragen Mundschutz. Die Sicherheit ihrer Mitarbeiter geht vor, und so dürfen Kunden nur noch hinten einsteigen und auch der Kontakt zum Fahrer ist auf das Nötigste beschränkt.

 „Unsere Arbeit hat sich sehr verändert. Wo wir vorher mit Koffer und Türaufmachen behilflich waren, sitzen wir nun fast wortlos im Auto“, so Cezary Lange. Hilfsfahrten übernimmt er aber immer noch, kauft für Kunden ein und bringt ihnen den Einkauf vor die Tür. „Im Grunde geht es doch darum, um die Menschlichkeit und dass wir alle gesund bleiben“, so Lange.

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