Interview mit dem Umweltdezernenten des Werra-Meißner-Kreises

Dr. Rainer Wallmann: Windkraft ist entscheidender Faktor für die Energiewende

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Macht sich für eine dezentrale Energieversorgung stark: Umweltdezernent und Vize-Landrat Dr. Rainer Wallmann.

Eschwege. Bis zum Jahr 2050 soll der Energieverbrauch vollständig aus erneuerbaren Energien gedeckt werden - das ist ein bundesweites Ziel, das die Region Nordhessen aber schon vorher erreichen möchte.

Der Werra-Meißner-Kreis nimmt dabei im Vergleich mit den Landkreisen Kassel, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg mit 36 Prozent (141 840 Megawattstunden im Jahr 2015) das Schlusslicht ein, vergleicht man den Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch. Darüber sprachen wir mit Dr. Rainer Wallmann, Erster Kreisbeigeordneter und Umweltdezernent im Kreis:

Ärgert es Sie, dass der Werra-Meißner-Kreis hinsichtlich der Stromerzeugung aus regenerativen Energien das Schlusslicht der nordhessischen Landkreise ist?

Dr. Rainer Wallmann: Nein. Wir erzeugen derzeit weniger als die Nachbarkreise, das ist unbestritten. Der Unterschied ist jedoch deutlich geringer, wenn man die erzeugte Menge Strom aus erneuerbaren Energien auf die Einwohner umrechnet: Dann liegt der Werra-Meißner-Kreis im Vergleich zu den anderen Landkreisen zwar immer noch hinten, aber die Unterschiede sind geringer. Darüber hinaus liegt unser Ökostromanteil deutlich über dem hessischen Mittelwert und auch über dem Bundesdurchschnitt.

Woran liegt es, dass unser Kreis in der Stromerzeugung den letzten Platz belegt?

Wallmann: Diese Schlusslicht-Position liegt einerseits daran, dass die anderen Kreise bereits viel früher angefangen haben, in regenerative Energien zu investieren. Zum anderen trägt es auch der feingliedrigen Topografie und dem sehr hochwertigen Naturraum Rechnung.

Letzterer ist hochwertig und relativ feingliedrig: Wir sind Biodiversitäts-Hotspot des Bundesamtes für Naturschutz, mehr als 40 Prozent unserer Flächen sind FFH- und Vogelschutzgebiete. Wir haben einfach nicht die großen Flächen, auf denen wir Windräder aufstellen können wie beispielsweise die anderen Kreise.

Sind Windräder denn trotz Topografie und dem sensiblen Naturraum im Kreis möglich?

Wallmann: Ja. 16 Anlagen in Sontra und Hessisch Lichtenau haben wir bereits mit einer Gesamtleistung von 34 Megawatt (mW). 23 weitere Anlagen sind im Gutsbezirk Kaufunger Wald und bei Witzenhausen im Bau, die zusammen 69 mW Leistung haben. Und bei Herleshausen sind vier Anlagen mit zehn mW im Genehmigungsverfahren. Insgesamt sind 1,4 Prozent der Fläche im Kreis als Wind-Vorranggebiete ausgewiesen - auf allen anderen Flächen ist der Bau von Windrädern damit ausgeschlossen. Das hat die Regionalversammlung so entschieden.

Das komplette Interview mit dem Umweltdezernenten lesen sie in der gedruckten Samstagsausgabe der Werra-Rundschau.

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