Gänsewiese am Südufer

Werratalsee Eschwege: Hier dürfen bald Wildgänse brüten

Ein Gänseparadies in Hellgrün: Am Südufer des Werratalsees gibt es ab sofort eine Wiese für Wildgänse. Auf der grün markierten Fläche sollen die Tiere in Ruhe grasen und ihre Jungen aufziehen, dafür wurden an den roten Stellen Zugänge zum Wasser frei gebaggert.
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Ein Gänseparadies in Hellgrün: Am Südufer des Werratalsees gibt es ab sofort eine Wiese für Wildgänse. Auf der grün markierten Fläche sollen die Tiere in Ruhe grasen und ihre Jungen aufziehen, dafür wurden an den roten Stellen Zugänge zum Wasser frei gebaggert.

Ein Gänseparadies: Am Südufer des Werratalsees gibt es ab sofort eine ganze Wiese nur für Wildgänse.

Eschwege – Wildgänse gehören laut Wildtierexperte Johann David Lanz von der Justus-Liebig-Universität in Gießen zu den Gewinnern der modernen Landwirtschaft und das lassen sie Städte und Kommunen bundesweit deutlich spüren. Wo die Vögel heimisch werden, gehören verkotete Badestrände und abgefressene Felder zur Tagesordnung.

Da es bisher noch kein wirkliches Mittel gibt, um das Problem in den Griff zu bekommen, wurde das Projekt „Wildgänse im Werratal“ gegründet, das den Tieren durch sogenannte Positivlenkung Alternativen bieten möchte.

Was der Zusammenschluss aus Landwirten, Jägern, der Stadt Eschwege sowie der Uni Gießen in der kommenden Zeit erarbeitet, soll als Grundlage für landesweite Empfehlungen zum Umgang mit Wildgänsen dienen. „Nur das gemeinsame Vorgehen aller Beteiligten kann zum Erfolg führen“, sagt Lanz. Gemeint ist damit, dass die Landwirte, extra für die Gänse Futteralternativen anpflanzen.

Die sogenannten Zwischenfrüchte sollen die Getreide liebenden Tiere von den Haupteinkunftsfeldern fernhalten. Zudem werden die Vögel nur an Orten bejagt, wo sie potenziell Schaden anrichten können, nicht aber mehr auf den extra für sie angelegten Stellen.

Wollen das Problem in den Griff bekommen: Mitarbeiter des Bauhofs, Bürgermeister Alexander Heppe (Zweiter von links) und Johann David Lanz (rechts)

Hierzu gehört auch das neueste Projekt: die Gänsewiese am Südufer des Werratalsees. Zwischen Parkplatz, Beachvolleyballfeld und Liegewiese soll direkt am Wasser ein neues Paradies für die Vögel entstehen, das alles bereithält, was Gänse so mögen, ohne dass sie die von Menschen benutzten Areale betreten. Denn Gänse mögen laut Lanz proteinreiches Gras, das durch regelmäßiges Mähen kurz und wenig faserig ist. Zusätzlich sind Wiesen gut überschaubar, sodass Fressfeinde schnell entdeckt werden können und schlussendlich wird ein direkter Wasserzugang für die Aufzucht der Jungen benötigt.

Das wäre an sich alles nicht so problematisch, wenn die Wildvögel nicht, wie Johann Lanz herausstellt, oberflächliche Verdauer wären. „Die Verdauung der Vögel funktioniert sehr schnell. Alle fünf Minuten legt eine Wildgans ein Häufchen. Wenn dann zehn bis 20 Tiere morgens ein, zwei Stündchen auf einer Wiese grasen, kann man sich das Ergebnis ausrechnen“, so Lanz weiter.

Geht das Konzept auf, soll der Gang zum Wasser am Badestrand bald kotfrei sein. „Wir bitten alle Bürger, die Gänsewiese zu meiden und dort keine Hunde freilaufen zu lassen, damit sich die Vögel ungestört fühlen und von nun an diese Wiese gegenüber anderen bevorzugen“, appelliert Bürgermeister Alexander Heppe. Die Stadt wird hierzu demnächst ein Hinweisschild aufstellen. Außerdem hat der Bauhof den Gänsen zwei Zugänge zum Wasser freigebaggert und wird die Wiese regelmäßig mähen. „Wir hoffen sehr, dass die Gänse unser Angebot annehmen.“ (Von Ulrike Käbberich)

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