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Wie Betroffene falsche Polizisten am Telefon erkennen

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Von: Julia Stüber

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Betrug am Telefon: Unbekannte geben sich am Telefon als Polizisten aus, um so an Geld oder andere Wertgegenstände ihrer Opfer zu gelangen.
Betrug am Telefon: Unbekannte geben sich am Telefon als Polizisten aus, um so an Geld oder andere Wertgegenstände ihrer Opfer zu gelangen. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Polizei ruft bei einer älteren Dame an und berichtet, dass ein Einbrecher ganz in der Nähe ihres Hauses unterwegs sei. Auch die Frau sei nun in Gefahr – dringend müssen die Wertgegenstände durch die Polizei gesichert werden.

Werra-Meißner – So oder so ähnlich laufen Betrugsfälle ab – Unbekannte geben sich als Polizisten aus. Wie können Laien den Betrug erkennen? Wir sprachen mit Jörg Künstler von der Polizeidirektion Werra-Meißner.

Welche Geschichten tischen die Betrüger auf?

Nachdem sich der Anrufer als Polizei- oder Kriminalbeamter ausgegeben hat, folgt eine Geschichte, bei der oftmals von der Festnahme von Straftätern berichtet wird. Bei ihnen hätte die Polizei Notizen gefunden – und darauf stehe der Name der angerufenen Person. „Nicht selten versuchen die angeblichen Polizeibeamten die Angerufenen teils über mehrere Stunden oder durch mehrere Anrufe daran zu hindern, Angehörige oder gar die richtige Polizei anzurufen, um so Rückfragen zu verhindern“, sagt Künstler.  Bei „Schockanrufen“ wird zudem behauptet, dass ein tödlicher Unfall passiert sei. Die Betrüger fordern Geld, damit der Verursacher – ein Angehöriger – nicht in Haft muss.

Wie können die Angerufenen den Betrug erkennen?

Das Wichtigste ist es, misstrauisch zu bleiben und sich nicht unter Druck setzen zu lassen. „Das ist meistens schon ausreichend, um festzustellen, dass bestimmte Details der Geschichte unglaubwürdig erscheinen oder zumindest Zweifel aufkommen lassen.“ Spätestens wenn Bargeld oder andere Wertsachen an unbekannte Personen übergeben oder an irgendeinen Ort hinterlegt werden sollen, sollte man Rücksprache mit Vertrauenspersonen halten. Grundsätzlich gilt: Die Polizei bittet niemals um Geld. Betroffene sollten keine Angaben zu ihren finanziellen und familiären Verhältnissen machen.

Was ist zu tun, wenn die Betrüger sich direkt an der Haustür als Polizei ausgeben?

In diesen Fällen wollen die Betrüger Zugang zur Wohnung der Betroffenen haben – und geben sich als Polizei- oder Kriminalbeamte, aber auch als Handwerker oder Mitarbeiter der Stadtwerke aus. Zunächst sollten Betroffene keine Unbekannten in ihre Wohnung hereinlassen. „Schauen Sie sich die Besucher vor dem Öffnen der Tür genau an, zum Beispiel durch den Türspion oder einfach durch das Fenster. Benutzen Sie die Türsprechanlage“, rät die echte Polizei. Bei Zweifeln sollte die Tür nicht geöffnet werden. Außerdem können sich echte Beamte ausweisen. „Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt“, empfiehlt die Polizei weiter.

Die falschen Polizisten können sich ausweisen. Wie erkennt man einen echten Ausweis?

Abgesehen von unterschiedlichen Hintergrundfarben zeigt der Ausweis auf der Vorderseite zum Beispiel: Den Schriftzug „Hessische Polizei“ und „Dienstausweis“, das Landeswappen, ein Lichtbild, den Namen des Beamten und eine mehrstellige individuelle Ausweisnummer. Auf der Rückseite finden sich unter anderem: Das Landeswappen, der Polizeistern, das Dienst- bzw. Beschäftigungsverhältnis und das Ausstellungsdatum des Ausweises. Unter polizei.hessen.de/die-polizei/Dienstausweis gibt es weitere Infos zu den echten Ausweisen.

Eine Person ist auf den Betrug hereingefallen. Und jetzt?

Wenn man Opfer einer solchen Tat geworden ist, sollte man diese auch bei der Polizeidienststelle anzeigen. „Vertrauen Sie sich ihren Angehörigen an, die Sie auch zur Polizei begleiten können“, sagt Künstler. Der Polizei sei bewusst, dass sich viele Opfer dabei schämen – dennoch sei es wichtig, den Vorfall zur Anzeige zu bringen.

Wie geht es nach der Anzeige weiter?

Natürlich ist es polizeiliche Aufgabe, die Täter zu ermitteln. „Da jedoch eine Vielzahl der Anrufe aus Callcentern aus dem Ausland erfolgen, sind es in der Regel Geldabholer, die ermittelt und festgenommen werden können.“ Zudem werden Ermittlungen zu den Hintermännern eingeleitet. Bei derartigen Betrugsfällen liege der Schwerpunkt aber auch auf der Prävention. Die Fälle werden öffentlich gemacht, Warnmeldungen – zum Beispiel über soziale Medien – werden veranlasst, sobald betrügerische Anrufe vermehrt auftreten. Vorträge sowie Schulungen sorgen für Aufklärungsarbeit.

Weitere Informationen gibt es unter: polizei-beratung.de

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