Jagdverein Hubertus warnt Spaziergänger

Bitte nicht stören: Wild im Winter unter Stress

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Scheue Fluchttiere: Schon die kleinste Störung veranlasst Rehe beispielsweise, rasend schnell das Weite zu suchen. Das kostet die Tiere viel Energie, die sie gerade im Winter nicht besitzen.

Eschwege. Dauerstress kann Wildtiere krank machen. Auf eine aktuelle Studie aus der Forschungsstelle für Jagdkunde in Bonn bezieht sich jetzt der Jagdverein Hubertus Eschwege. Störungen durch ungezügelten oder falsch gelenkten Erholungsverkehr in Wald und Feld würden sich auf die Gesundheit von Wildtieren negativ auswirken.

Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins, bittet Hundebesitzer sowie Wald- und Feldbesucher, mehr Rücksicht auf die wildlebenden Tiere zu nehmen und besonders in der Notzeit des Wildes auf den befestigten Wegen zu bleiben.

„In Waldgebieten, die auch im Winter intensiv für Freizeitsport und Naherholung genutzt werden, sind Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen unmittelbare Folgen für das Wild“, erklärt Stelzner. Rehböcke erreichen beispielsweise in störungsarmen Wäldern ein Durchschnittsgewicht von rund zwanzig Kilogramm, während sie in stark durch Erholungsbetrieb belasteten Waldgebieten sogar nur auf 15 Kilo kommen. „Dauerstress durch Störungen schwächt außerdem die Widerstandskraft der Tiere gegen Krankheiten“, sagt Stelzner. Der Organismus der Wildtiere läuft in der nahrungsarmen Winterzeit normalerweise auf Sparflamme. Wird das Wild an seinen Ruhestätten von einem Hund oder Mensch aufgescheucht, dann steigt die Herzfrequenz eines Rehs von 80 auf bis zu 240 Pulsschläge pro Minute. Bei ihrer häufigen Flucht zehren Rehe und Hirsche jene Fettreserven auf, die sie in der winterlichen Notzeit zum Überleben brauchen. Aus Hunger fressen die Tiere dann notgedrungen die jungen Baumtriebe und schälen die Rinde von den Waldbäumen. „Die ständige Beunruhigung des Wildes provoziert geradezu Wildschäden in der Forstwirtschaft“, sagt Stelzner.

Ein Waldbesucher sei zwar schon nach wenigen Sekunden aus dem Sichtfeld eines Rehs oder Hirsches entschwunden, aber die Duftspur des Spaziergängers und seines Hundes, betonen Wildbiologen, wirke auf das Wild noch Stunden später als unsichtbare Störung nach. Dieser Vertreibungseffekt gelte auch für Felder und Wiesen, die in der Nähe von Siedlungen zunehmend als Hundeauslaufplatz genutzt würden.

Von Tobias Stück

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