Stimmen aus der Region zu Italiens WM-Aus

„WM ohne Italien ist wie der Meißner ohne Frau Holle“

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Avancierte zum Sinnbild der Trauer: Italiens Nationaltorwart Gianluigi Buffon, der nach dem Spiel gegen Schweden seinen Rücktritt erklärte.

Werra-Meißner. Italien nimmt nicht an der Fußballweltmeisterschaft teil - das erste Mal seit 60 Jahren. Für Italiener aus der Region kommt das einer Tragödie gleich.

„Der Stachel sitzt tief“, ruft Marco Lenarduzzi, Geschäftsführer des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land, aus, als er auf die Nullnummer der italienischen Nationalmannschaft vom Montagabend angesprochen wird – und damit auf das Verpassen der Qualifikation für die Fußball-WM im kommenden Jahr. Zum ersten Mal seit 60 Jahren wird das Großereignis dann ohne die Italiener stattfinden, für die Fußball eigentlich alles ist. Sehr bitter sei das Ausscheiden. „Denn gegen wen sollen die Deutschen nun noch verlieren?“, fragt er dann doch mit einem Lachen in der Stimme. Die Italiener seien immer ein Prüfstein gegen die hiesige Nationalelf gewesen, für die er dann ausnahmsweise mal im nächsten Jahr sei – trotz seines italienischen Passes. Mehrmals sei er gestern auf die Niederlage angesprochen worden, sogar Anrufe habe er deswegen erhalten. „Jetzt muss wohl mal ich einstecken“, gesteht er ein. Freude am Schauen der WM werde er ohne die Italiener aber bestimmt nicht so haben wie mit. „Eine WM ohne Italien ist wie der Meißner ohne Frau Holle.“ 

Mit dieser Meinung befindet sich Lenarduzzi in guter Gesellschaft. „Es wird traurig, die Fußball-Weltmeisterschaft ohne die Italiener zu gucken“, ist sich die Familie Guiseppe vom La Grotta aus Eschwege einig – auch für Deutschland, denn die Partien seien immer interessant anzuschauen gewesen. Besonders hart trifft sie das Ausscheiden aber gar nicht wegen der Mannschaft, sondern wegen einer bestimmten Person: Torhüter Gianluigi Buffon, der nach dem Spiel gegen Schweden seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärte und mit seinen Tränen nicht nur Italiens Nation berührte. „Auch wir waren sehr emotional und hatten Tränen in den Augen“, sagen die Giuseppes. 

Diplomatisch drückt die Niederlage Nicoletta Agarito aus dem Rialto aus: „Nach 60 Jahren kann das schon mal passieren“ – wenngleich auch ihn die verpasste WM-Teilnahme schmerze, vor allem Buffons wegen. „Und schade war auch, dass De Rossi nicht eingewechselt wurde, der spielt immer richtig gut.“ Nun drücke er während des Turniers eben Deutschland die Daumen, „immerhin lebe ich ja schon seit mehr als 30 Jahren hier“.

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